Streit um Steinbrucherweiterung

Erstellt: 30. Juni 2011, 00:00 Uhr
Streit um Steinbrucherweiterung Die Natursteinwerke im Nordschwarzwald sollen ihren Steinbruch in Enzberg in Richtung Sengach erweitern können. Der Gemeinderat gibt dazu aber kein grünes Licht. Foto: Fotomoment

Enzberg: Gemeinderat lehnt eine Ausweitung der Abbaufläche nach Osten wegen befürchteter Beeinträchtigung der Anwohner ab

Die Stadt Mühlacker lehnt eine mögliche Erweiterung des Steinbruchs an der Brettener Straße in Enzberg nach Osten wegen befürchteter Belästigung des Ortsteils Sengach ab. Der Gemeinderat könnte sich allenfalls eine Ausdehnung nach Nordwesten vorstellen.

Von Thomas Sadler

Mühlacker-Enzberg. Der Tagesordnungspunkt klang sperrig und nach einer Formalie: Die Stadt sollte eine Stellungnahme zur zweiten Änderung und Ergänzung des Teilregionalplans „Rohstoffsicherung 2000 bis 2015“ einschließlich der zweiten Änderung des Regionalplans 2015 Nordschwarzwald abgeben. Doch rasch entwickelte sich eine zum Teil emotionale Diskussion des Widerstands.

Grund: In dem Teilregionalplan soll nach Auffassung des Planungsausschusses des Regionalverbands eine weitere der Abbausicherung dienende Fläche für den Steinbruch der Firma Natursteinwerke im Nordschwarzwald (NSN) an der Brettener Straße zwischen Enzberg und Ötisheim festgelegt werden, um den langfristigen Rohstoffbedarf decken zu können.

Damit zeigte sich die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Frank Schneider jedoch nicht einverstanden. Sie schlug dem Gemeinderat vor, die Festlegung des Rohstoffsicherungsgebiets nicht zu befürworten. Begründung: Die vorgesehene Fläche rücke „in empfindlichem Maße“, nämlich bis auf etwa 550 Meter, an die Häuser des Ortes Sengach sowie das geplante Gartenhausgebiet Herrenbrunnen heran, das ja der Erholung der Nutzer dienen sollte, so das städtische Planungsamt. Doch eben diese Erholung würde durch eine Erweiterung der Steinbruchfläche geschmälert. Ebenfalls gestört würden die nur rund 360 Meter von dem umstrittenen Abbaugebiet entfernten Bewohner der „Lämmerzunge“ in Enzberg, die unter Erschütterungen und Lärm zu leiden hätten. Das neue Areal liege noch näher am Weiler Sengach und dem Wohngebiet „Lämmerzunge“ als die bereits genehmigte Abbaufläche des Steinbruches, so die Verwaltung. Eben dies wiederum bestreiten der Regionalverband und das Geologische Landesamt, die im Übrigen meinen, rohstofftechnisch bestehe am derzeitigen Standort keine Alternative.

CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bächle, der auch Mitglied der Regionalverbandsversammlung ist, unterstützte den Vorschlag der Verwaltung, die Festlegung des Erweiterungsgebiets nicht zu befürworten. Das Gleiche tat FW-Chef Rolf Leo – allerdings in wesentlich deutlicherer Form. „Unerhört“ sei die Absicht der regionalen Planer, die sich nicht nur auf den Ortsteil Sengach, sondern auch auf die Anwohner der Kieselbronner Straße auswirken würden, die dann mit noch mehr Belästigungen durch Lkw-Verkehr zu rechnen hätten. „Irgendwo muss ein Ende sein“, stieß CDU-Stadtrat Theo Bellon, scherzhaft der „Schultes vom Sennich“ genannt, in dasselbe Horn und ließ auch gleich wissen, dass der Bauernverband sich ebenfalls dagegen wehren wolle.

Thomas Knapp (SPD), wie Bächle nicht nur Stadtrat, sondern auch Regionalpolitiker, sah sich in einer Zwickmühle: „Ich kann mich nicht spalten“, machte er sein Dilemma deutlich. Er könne nicht als Mitglied der Regionalverbandsversammlung für Rohstoffsicherung eintreten und als Gemeinderatsmitglied diese pauschal ablehnen. Zur Güte stellte er einen Antrag, der einen Vorschlag zum Inhalt hatte, den bereits Theo Bellon und Günter Bächle in die Diskussion eingeführt hatten: Statt nach Osten zu erweitern, sollte geprüft werden, ob eine Erweiterung des Steinbruchs in Richtung Nordwesten, jenseits der Landesstraße zwischen Enzberg und Ötisheim, machbar wäre. Diesem Antrag stimmte der Gemeinderat mit 16 Jastimmen bei zwölf Ablehnungen, einschließlich Oberbürgermeister Frank Schneider, zu.

Was meint das vom Streit betroffene Unternehmen? Die Möglichkeit, bei einer Expansion über die Straße zu gehen, sei noch nicht untersucht worden, sagt Hans Ulmer, Geschäftsführer der Natursteinwerke im Nordschwarzwald. Klar sei indes: Der Bedarf an Rohstoffen sei groß. Enzberg sei ein „bedeutender Standort im Enzkreis“ und der einzige im östlichen Teil des Landkreises. Wenngleich die bereits genehmigte Abbaufläche zehn bis 15 Jahre reiche, so halte er die Ausweisung einer zusätzlichen Abbaufläche für notwendig. Die Belästigung für die Anwohner würde dadurch nicht größer, glaubt Hans Ulmer, der versichert: „Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren Anwohnern.“ Zwar gebe es gelegentlich Beschwerden wegen des Lärms beim Sprengen, doch halte sich das Unternehmen dabei stets an die vorgegebenen Vorschriften und Normen.
Ein Ende ist derweil im Steinbruch an der B 10 zwischen Enzberg und Mühlacker in Sicht: Höchstens noch ein Jahr laufe hier der Restabbau, kündigt NSN-Chef Hans Ulmer an. Dann sei Schluss, und es folge die Rekultivierung des Areals.

Weiterlesen
Landwirtschaft leidet unter der Hitzewelle

Landwirtschaft leidet unter der Hitzewelle

Tieren droht Futtermangel, Einbußen bei Ernte erwartet Enzkreis – Die Landwirte in der Region haben mit dem trockenen und heißen Sommer zu kämpfen. Bei einzelnen Erzeugnissen befürchten sie deutliche Ertrags-… »