Straßenfest-Fotograf: Verfahren eingestellt

Erstellt: 28. Oktober 2006, 00:00 Uhr

Besucherinnen „hinterm Busch“ aufgelauert – Staatsanwaltschaft sieht keine gesetzliche Handhabe

Mühlacker (the) – Das Verfahren gegen den Mühlacker „Straßenfest-Fotografen“ ist eingestellt. Das hat auf Nachfrage unserer Zeitung die Staatsanwaltschaft Pforzheim bestätigt.

Wie berichtet, hatte der kommunale Verwaltungsbeamte am Abend des 9. September die Großveranstaltung in Mühlacker dazu genutzt, weibliche Besucherinnen abzulichten, die sich im Gebüsch erleichterten. Dabei war er von einem Zeugen beobachtet worden, der die Polizei alarmierte. Die Beamten überprüften den Fotografen und sahen den Verdacht bestätigt. Im Zuge der Ermittlungen wurden dann konkret sechs Opfer ausfindig gemacht.

 Dennoch ist das Verhalten des Mannes von den Strafbehörden nicht zu beanstanden. „Es handelt sich um keine Straftat“, muss der Leiter der Pforzheimer Staatsanwaltschaft, Hans-Werner Schwierk, nüchtern feststellen. Zum möglichen Tatbestand einer Beleidigung, erklärt der Oberstaatsanwalt, fehle in diesem Fall der entscheidende Faktor: die Außenwirkung. „Eine Taktlosigkeit oder Belästigung allein stellt noch keine Beleidigung dar“, verweist Schwierk auf die Gesetzeslage.

 Ganz anders hätte es sich verhalten, lässt der Jurist durchblicken, wenn der Fotograf seine Bilder nicht ausschließlich für den „Eigengebrauch“ geschossen, sondern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zum Beispiel im Internet veröffentlicht hätte. Schwierk erinnert sich an einen anderen Fall: „Wir hatten vor Jahren jemand, der ein Pärchen bei seinem Schäferstündchen beobachtet hat. Auch hier wurde Strafanzeige gestellt, und auch hier war der Tatbestand der Beleidigung nicht erfüllt.“

 Aller Aufregung in Mühlacker zum Trotz lässt die Gesetzeslage der Staatsanwaltschaft keine andere Wahl, als den Vorgang zu den Akten zu legen. Auch Auflagen können nicht erteilt werden. „Dadurch, dass es sich um keinen Straftatbestand handelt, sind wir aus dem Rennen“, macht Schwierk klar.

 Wie die Chancen einer möglichen Zivilklage der betroffenen Frauen stünden, vermag der Pforzheimer Behördenchef nicht zu sagen. Rein juristisch sei diese Möglichkeit aber, unabhängig von der Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft, gegeben.

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