Stolpersteine auf dem Weg zur Sanierung

Erstellt: 28. September 2011, 23:00 Uhr
Stolpersteine auf dem Weg zur Sanierung Planungsamtsleiter Armin Dauner mit einem Sanierungsmodell. Links die geplanten Wohnungen an der Brunnengasse, rechts die altengerechten Quartiere hinter der früheren Gaststätte „Kanne“, die abgebrochen werden soll. Doch erst mal will das Denkmalamt hier graben.

Mühlacker. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates kamen nach und nach verschiedene Probleme zur Sprache. Eines davon bestand darin, dass ein Investor, der sich als Bauherr im Bereich Brunnengasse betätigen wollte, abgesprungen war. Mittlerweile ist zum Glück der Stadt ein neuer Interessent aufgetaucht: die Sax-Gruppe, die auf die umfassende Modernisierung von Gebäuden spezialisiert ist. Voraussetzung, so die Stadtverwaltung, sei allerdings eine gewisse Mindestprojektgröße. Um diese „kritische Masse“ zu erreichen, sei der gesamte Bereich der ehemaligen Bijouteriefabrik Craiss mit einer Fläche von rund 1900 Quadratmetern erforderlich. Die Sax-Gruppe ist bereit, diese Fläche zu einem Kaufpreis von 340000 Euro zu übernehmen. Die vorhandene Bausubstanz, zumindest das Kopfgebäude zur Krummen Gasse, die Fassade zur Brunnengasse und den rückwärtigen Verbindungsbau, möchte die Sax-Gruppe erhalten. Die „barocke Fassade“ an der Brunnengasse, so der städtische Planungsamtsleiter Armin Dauner, bleibe bestehen. Geplant seien hier 23 Wohneinheiten auf circa 2100 Quadratmetern Wohnfläche. Auch das Gebäude Wiernsheimer Straße 3 will der Investor angeblich erwerben.

„Wir sind froh, dass die Sax-Gruppe die Sanierung übernimmt“, freute sich SPD-Stadträtin Karin Münzmay. „Jetzt muss es in Dürrmenz schnell weitergehen“, drückt sie aufs Tempo. CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bächle befürchtete, der Stadt könne die Zeit davonlaufen, schließlich muss die Dürrmenzer Sanierung Ende 2013 abgeschlossen und abgerechnet sein. Bürgermeister Winfried Abicht versuchte, das Gremium zu beruhigen. Er gehe davon aus, dass der Zeitplan nach wie vor stehe. Wobei sich deutlich gezeigt habe, dass eine Innensanierung einschließlich der Suche nach Investoren, die bereit sind, Millionen von Euro auszugeben, schwieriger sei als die Ausweisung eines Neubaugebiets.

Doch nun habe die Stadt mit dem Unternehmen FWD, das bei der „Kanne“ altengerechte Wohnungen bauen möchte, und der Sax-Gruppe, die an der Brunnengasse Wohnungen plant, „zwei Partner, die sich inhaltlich ergänzen“. Die FWD sei sogar schon dabei, Werkpläne zu erstellen.

Indes sind dennoch nicht alle Schwierigkeiten auf dem Weg zu einer erneuerten Dürrmenzer Ortsmitte ausgeräumt. Ein neuralgischer Punkt ist das der Stadt gehörende denkmalgeschützte Gebäude Hofstraße 17. Aufgrund einer zu geringen Raumhöhe ist es nicht für die Einrichtung etwa eines Cafés geeignet, sondern allenfalls für eine Wohnnutzung, doch vorher müsste der Investor kräftig Geld in das alte Gemäuer stecken, was er laut Bächle nicht will. Deshalb sieht der CDU-Chef nur zwei Optionen: Entweder es finde sich eine Bürgerinitiative, die das mehrere Jahrhunderte alte Haus kauft, oder die Stadt bricht es ab, was möglich sein sollte, wenn es städtebaulich nötig ist. Und noch ein Dilemma gibt es – im Zusammenhang sowohl mit der Hofstraße 17 als auch mit der Kanne: Die Abbruchgenehmigung für die frühere Gaststätte liegt dem Rathaus seit Wochen vor, doch darf das Gebäude erst abgerissen werden, wenn die Nachnutzung genehmigt ist, nämlich der Bau der altengerechten Wohnungen. Doch hier kommt ein weiterer Stolperstein ins Spiel: Der Abstand zwischen den Seniorenunterkünften und dem Haus Hofstraße 17 ist nicht so groß wie vorgeschrieben.

Zu allem Überfluss will, wie Bürgermeister Abicht mitteilte, nun auch noch die archäologische Abteilung des Landesdenkmalamts im Bereich der einstigen Wirtschaft Grabungen vornehmen. Doch mehr als eine Notgrabung von einer Woche Dauer müsse die Stadt den Archäologen aufgrund einer Vereinbarung nicht zugestehen. Offenbar sprächen die Hochbau- und die Archäologieabteilung des Denkmalamts zwar beide mit der Stadt, aber leider nicht miteinander, bemängelte er.

Es bestünden noch „eine Menge Problempunkte“, monierte Rolf Leo (Freie Wähler). Und die, forderte auch Dr. Jens Hanf (FDP), müssten rasch angegangen werden. Es dürfe nicht sein, dass ein weiterer Investor abspringe. Man befinde sich bereits im achten Jahr der Sanierung, so Leo. Viel sei noch nicht geschehen. Es wäre schlecht, wenn die Gartenschau 2015 „ein Grünprojekt neben Trümmern“ wäre, warnte er vor einem Horrorszenario.

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