Stille Reserve für eine neue Stadthalle

Erstellt: 30. Oktober 2007, 00:00 Uhr
Stille Reserve für eine neue Stadthalle Gute Lage: Im April nächsten Jahres wird das „Lienzinger Tor“ zum zweiten Mal nach 2002 zum Messegelände. Foto: Archiv

Mehrheit im Gemeinderat will das Areal „Lienzinger Tor“ beim Bahnhof neu bebauen – doch nicht schon morgen

Mühlacker – Das Areal „Lienzinger Tor“ beim ehemaligen Busbahnhof dient als Parkplatz und als Veranstaltungsort für Messen, Flohmärkte und Motorrad-Spektakel. Doch dafür ist das Gelände nach Ansicht der meisten Fraktionschefs zu wertvoll. Sinnvoller wäre eine Bebauung. Neue Idee: Das Grundstück könnte gegebenenfalls als Standort für eine Kulturhalle dienen.

VON THOMAS SADLER

Vor einer Vermarktung sollte der Gemeinderat allerdings erst mal darüber befinden, ob die Fläche frei gelassen oder bebaut werden soll, findet CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bächle. Wobei die Christdemokraten grundsätzlich eine Bebauung vorziehen. Am besten wäre es, die Stadt würde das Areal an einen Investor verkaufen, der darauf ein Gebäude für eine gewerbliche Nutzung und Dienstleistungen erstellt. Doch es gebe, je nachdem, was mit dem Mühlehof passiere, noch eine andere Überlegung, wagt Bächle einen diskussionsträchtigen Vorstoß: „Falls die Firma Echo sich entschlösse, den Mühlehof abzureißen und das dortige Gelände gewerblich zu nutzen, käme das Lienzinger Tor auch als Standort für eine Stadthalle in Frage.“ Die günstige Nähe zum Bahnhof spräche dafür. Was für die CDU nicht in Frage komme, sei ein Lebensmittelmarkt. Die derzeitigen Nutzungen seien jedenfalls lediglich als Übergangslösungen zu betrachten. Die Beschlusslage laute: Verkauf der städtischen Fläche.

 Die Stadtverwaltung sieht in diesem Punkt allerdings momentan keinen Grund zur Eile. Seit drei Jahren biete sie die 6000 Quadratmeter umfassende Fläche nicht mehr an, sagte Gottfried Kautter, Chef des Grundstücks- und Gebäudemanagements. Die Veräußerung des Lienzinger Tors habe „nicht erste Priorität“. Zum einen seien keine Interessenten in Sicht, zum anderen liege der Schwerpunkt der aktuellen kommunalpolitischen Planungen auf der Innenstadt im Bereich Mühlehof und Sämann. Außerdem müsse erst mal geklärt werden, wie der Platz beim Bahnhof genutzt werden soll. „Im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung wird darüber zu diskutieren sein“, so Kautter zum MT.

 Dass die Fläche vermarktet werden muss, findet indes auch SPD-Chef Harald Töltl. Die Einrichtung von Dienstleistungen wie einer Versicherung wäre hier seiner Meinung nach ebenso sinnvoll wie „ein multifunktionales Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten“. Darüber hinaus könnte er sich wie Bächle unter entsprechenden Umständen einen kommunalen Kultursaal vorstellen.
 Frank Schneider (FDP) hält eine Bebauung mit einer Kulturhalle ebenfalls für denkbar –  allerdings erst, wenn die Stadt keine Miete mehr für ihre jetzigen Kultursäle im Mühlehof mehr zahlen müsste, wie er betont. Nicht zur Diskussion stehe ein weiteres Einkaufszentrum.

 „Die Fläche liegt zu zentral, als dass sie leer stehen sollte“, stößt Klemens Köberle (LMU) in dasselbe Horn wie seine Ratskollegen. Schließlich handle es sich „um ein interessantes Grundstück in Bahnhofsnähe“. Sowohl eine Versicherung als auch ein Hotel wären hier am rechten Platz, meint er. Abgesehen davon könnte der Standort eventuell für eine Kulturhalle oder ein Jugendhaus in Betracht kommen.
 Bei derlei Vorschlägen kann Rolf Leo, Vorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat, nur abwinken. Seine Fraktion trete dafür ein, das Gelände „noch einige Jahre“ frei zu lassen für Veranstaltungen wie Messen und Flohmärkte. Die Frage nach dem Bau einer Kulturhalle stelle sich für ihn nicht, so Leo, der nicht an einen Abriss des Mühlehofs glaubt. Dort und nicht am Lienzinger Tor sieht er den künftigen Standort für Dienstleistungsbetriebe.

 Anders sieht es Stefan Klumpp, Vorsitzender des Gewerbe-, Handels- und Verkehrsvereins. „Es wäre unsinnig, den Platz mit seiner hervorgehobenen Lage unbebaut zu lassen.“ Ladengeschäfte und Dienstleister („Nur nicht noch eine Bäckerei“) hielte Klumpp ebenso für begrüßenswert wie Handwerksbetriebe oder die Einrichtung eines „Innovations- und Existenzgründerzentrums“.

 Während derlei Überlegungen Zukunftsmusik sind, steht zunächst die Beseitigung des mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen belasteten Asphalt- und Schotteraushubs aus der oberen Bahnhofstraße an. Innerhalb der nächsten drei Wochen, kündigt Tiefbauamtsleiter Fritz Schick an, werde das seit Wochen auf den Parkplätzen am Lienzinger Tor zwischengelagerte Material auf zwei Deponien im Landkreis Karlsruhe verfrachtet.

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