Stichstrecke soll nicht sterben

Erstellt: 31. August 2009, 00:00 Uhr
Stichstrecke soll nicht sterben Wirbt unermüdlich für die Stichstrecke zum Stadtbahnhof und für den Ausflugszug „Klosterstadtexpress“: Matthias Lieb, Landes- und Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland. Foto: Stahlfeld

Verkehrsclub Deutschland kämpft um eine 95-jährige Tradition in Maulbronn

Maulbronn (eld). 95 Jahre alt ist die Stichstrecke zwischen Maulbronn-West und dem Maulbronner Stadtbahnhof – und die Anhänger eines Schienenpersonennahverkehrs ins Herzen der Klosterstadt setzen alles daran, dass die Stichstrecke auch noch ihren 100. Geburtstag erlebt.

 Eröffnet wurde die Strecke am 1. August 1914, und nach der Stilllegung des Linienverkehrs gehört sie heute allein dem sonntäglichen Ausflugszug des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), dem „Klosterstadtexpress“. Der Verband wirbt ohne Unterlass für sein Angebot und für eine umweltfreundliche Personenbeförderung auf der Schiene, so auch beim Bahnhofsfest des DRK, wo eine kleine Ausstellung an die Tradition des Stadtbahnhofs erinnerte.

 Noch kenne nicht einmal jeder in Maulbronn des Angebot des „Klosterstadtexpresses“, der an Sonn- und Feiertagen auf der Stichstrecke verkehrt, bedauerte Matthias Lieb. Der Landes- und Kreisvorsitzende des VCD aus Mühlacker berichtete davon, wie Touristen in der Klosterstadt auf ihre Nachfrage von Einheimischen gesagt bekämen, dass kein Zug mehr fahre. Ziel müsse es deshalb sein, den Zugverkehr auf der Stichstrecke stärker im Bewusstsein der Maulbronner zu verankern, sagte Lieb. Auch wünsche er sich, dass mehr Bürger den Klosterstadtexpress nutzten.

 Längst ist die Stichstrecke zu einem Politikum geworden, weil Wirtschaftlichkeitsberechnungen ihre Wiederbelebung infrage stellen. Am Rande des Bahnhofsfestes warb der VCD-Landesvorsitzende daher für den Schienenstrang, den der Gemeinderat gerne stilllegen wolle. Laut Lieb ist der Zugverkehr allerdings von der Landesregierung noch bis zum Jahr 2014 „bestellt“ –  und damit wäre das 100-Jahr-Jubiläum der Stichstrecke gesichert. Wie die Landesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Dr. Hans-Ulrich Rülke geantwortet habe, sei der Freizeitverkehr zum Weltkulturerbe Kloster Maulbronn Teil des Vertrages mit der DB Regio AG, erinnert Lieb. Der Verkehr sei damit vertraglich bis Dezember 2014 vereinbart.

 Den Maulbronner Stadträten sei bei ihrem Beschluss für einen Abschied von der Stichstrecke deren Bedeutung für den Ausflugsverkehr offenbar nicht bewusst gewesen, vermutet Lieb. Tatsächlich sei der Fahrplan darauf ausgerichtet, Touristen nach Maulbronn zu bringen. „Das ist ein Instrument zur Wirtschaftsförderung.“

 In einer Ausstellung informierte der Verkehrsclub über die wechselhafte Geschichte der Bahnstrecke, die einst am Vorabend des Ersten Weltkrieges eingeweiht wurde. Auf ein Fest sei seinerseits wegen der allgemeinen Mobilmachung verzichtet worden, berichtete Lieb. 1973 sei der Linienverkehr zum Stadtbahnhof eingestellt worden, und 1996 hätten der VCD, der Fahrgastverband ProBahn und die Stadt Maulbronn für eine Wiederbelebung mit einem Stadtbahnbetrieb geworben. Im Folgejahr, als das Kloster sein 850-Jahr-Jubiläum feierte, sei der Zugverkehr mit dem Klosterstadtexpress neu angelaufen.

 Nachdem im ersten Jahr der VCD den Ausflugszug noch alleine finanzierte, beteiligte sich in den Folgejahren die Stadt Maulbronn an den Kosten. Lieb: „Seit 2005 fährt die Kulturbahn mit modernen Triebwagen.“ Von Anfang Mai bis Mitte Oktober verkehren immer an Sonn- und Feiertagen insgesamt zwölf Züge in Richtung Pforzheim, Mühlacker und Bretten.

 Um die Maulbronner zu animieren, den Zug stärker zu nutzen, gab Lieb gestern Tipps für Ausflüge. Einmal in den Klosterstadt-Express gestiegen, sei ein Ausflug in die Wilhelma in Stuttgart genauso möglich wie die Fahrt ins DDR-Museum in Pforzheim oder zur Wanderung ins Monbachtal.

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