Sternsinger wollen Not lindern

Erstellt: 27. Dezember 2011, 00:30 Uhr
Sternsinger wollen Not lindern Aussendungsgottesdienst in der Mühlacker Herz-Jesu-Kirche: In den nächsten Tagen sind die Sternsinger in und um Mühlacker unterwegs, um Spenden zu sammeln.

Mühlacker. Zusammen mit etwa 50 erwachsenen Begleitpersonen werden rund 150 Kinder in der Kernstadt, in Enzberg, Lomersheim und Mühlhausen, in Ötisheim, und in Illingen, das mit seinen Teilorten Schützingen und Ensingen ebenfalls zur Seelsorgeeinheit „Mitte“ der Pfarrei Herz Jesu gehört, durch die Straßen ziehen und um Spenden bitten. Der Brauch erinnert an die drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern bis nach Bethlehem zur Krippe des Jesuskindes folgten. Verantwortlich für die Organisation ist in diesem Jahr die hauptamtliche Gemeindereferentin Patricia Engling. Ansonsten wird die ganze Aktion ausschließlich von Ehrenamtlichen getragen. Als Religionslehrerin in Grundschulklassen habe sie auf emotionaler Ebene einen guten Kontakt zu vielen Schülern und nehme sich die Zeit, ihnen den Sinn der Aktion zu erklären. Die Entscheidung mitzumachen, falle dann leichter“, berichtet Engling. „Ursprünglich sind die Sternsinger katholischen Ursprungs. Da die Katholiken in Mühlacker in der Diaspora leben, sind seit Jahren viele evangelische Kinder mit dabei. Jesus fragt nicht nach der Religion.“ Die Sternsinger brächten die Botschaft von Christi Geburt und der christlichen Nächstenliebe in jedes Haus. „Mühlacker empfinde ich teilweise als traditionslos, es fehlt eine Bindung an altes Brauchtum. Feste werden nüchtern durchnummeriert“, sagt Engling. „Wozu wird so betont, dass die Sternsinger-Aktion in unserer Gemeinde zum 54. Mal stattfindet? Wichtiger ist doch, dass die Kinder wissen, warum sie sich auf den Weg machen, und dass sie mit dem Herzen dabei sind.“

Die Spenden kommen in diesem Jahr sozialen Kinderprojekten in Nicaragua zugute. „Ein Film hat die Erst- bis Drittklässler informiert, wie Kinder dort leben, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder üblich ist, dass Kinder in ihrem Alter kein Zuhause haben, vielfach auch keine Rechte.“ Die Reaktionen seien bedrückend gewesen, und viele Bilder lösten Momente tiefer Betroffenheit aus, besonders bei den Jüngsten. Dass sie Gutes tun, wenn sie nur etwas von ihrer Zeit schenken – „da ging den Kleinen so richtig ein Licht auf“, hatte Engling beobachtet. „Klopft an Türen, pocht auf Rechte“ ist das Leitwort, das die Kinder in diesem Jahr führt. Wenn es in den nächsten Tagen an den Türen in und um Mühlacker klopft, wäre es schön, wenn auch aufgemacht würde, hofft die Gemeindereferentin. „Die drei Könige singen ihr Lied, malen mit Kreide den Segen für das ganze Jahr an die Tür, halten das Spendenkässle hin, in dem es ruhig rascheln kann und nicht unbedingt klappern muss. Und wenn dann noch etwas Süßes in das eigene Säckle gesteckt wird, freuen sich die kleinen Wanderer auch darüber.“ Es müssten nicht unbedingt Äpfel und Orangen sein, die seien schwer zu schleppen. Auch wenn sie sich bei schlechtem Wetter mal kurz in einem Haus unterstellen könnten, würde dies dankbar angenommen. Zur Freude der Bewohner kommen die Sternsinger am 5. Januar, dem letzten Tag der Aktion, auch ins Altenzentrum St. Franziskus und ins DRK-Seniorenheim. Im Rathaus werden sie ebenfalls empfangen.

Im vorigen Jahr wurden 19681 Euro gesammelt. Pro Haushalt im Sammelgebiet ist das weniger als ein Euro, der gespendet wurde. Aber jeder Cent ist willkommen. „Mit dem Erlös können wir wirtschaftlich helfen. Das Besondere an dieser Aktion ist jedoch, dass religiöse Grenzen verwischen, Evangelische und Katholiken sind einfach nur engagierte Christen, die helfen und Not lindern wollen. Unsere Sternsinger tragen dazu bei, dass die Welt wirklich ein klein wenig besser wird. Sie erfahren auch, wozu ihr gesammeltes Geld verwendet wird. Sie wollen ja nicht umsonst bei Wind und Wetter von Haus zu Haus gezogen sein“, hält Patricia Engling den Stern für ihre Schützlinge hoch.

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