Sternenfels setzt auf Funk-Internet

Erstellt: 29. März 2008, 00:00 Uhr
Sternenfels setzt auf Funk-Internet Der Sternenfelser Gemeinderat Hans-Dieter Schäfer ist „drin“ und surft mit der Funktechnik von Wireless. Foto: Hansen

Bürger haben jetzt besseren Anschluss an die Datenautobahn – Drahtlose Technik etabliert sich.

Sternenfels – Nach anfänglichen Stockungen auf der Datenautobahn von Skytron in Diefenbach läuft es dort laut Gemeindeverwaltung mittlerweile rund. Im Ortsteil Sternenfels soll jetzt mit der drahtlosen Technik von Wireless der Schritt ins schnelle Internet-Zeitalter möglich werden.

VON MAIK DISSELHOFF

Der Grund dafür, warum sich die Sparkassen Informationstechnologie (IT) in Sternenfels nicht für den Anbieter Skytron entschieden hat, sondern auf die technische Dienstleistung des Unternehmens Wireless zurückgreift, ist schnell erklärt: „Es gibt mehrere Dienstleister auf dem Markt. Wir wollten in Sternenfels die Übertragungstechnologie von Wireless ausprobieren“, sagt der Geschäftsführer der Sparkassen IT, Jürgen Sauter. Dass es in Diefenbach mit Skytron anfangs technische Probleme gab, die während der Startphase immer wieder zu Kritik geführt hatten, habe mit der Entscheidung für Wireless in Sternenfels nichts zu tun. Sauter dazu: „Bis heute konnte nicht ganz geklärt werden, warum es in Diefenbach zu Schwierigkeiten kam.“

 Ähnlich wie bei den teilweise sehr emotionalen Diskussionen um einen schnellen Zugang zum Internet in der Gemeinde Wiernsheim hatte die Internet-Funktechnologie auch in Sternenfels zu Beginn bei einigen Bürgern Ängste ausgelöst. Der Geschäftsführer der Sparkassen-IT sieht keinen Grund, sich Sorgen zu machen. „Untersuchungen haben gezeigt, dass von der Funktechnologie nur ein Bruchteil der Strahlung ausgeht, die Handys freisetzen.“ Ein Argument, dass mittlerweile auch einige Kritiker überzeugt habe, sagt Bürgermeisterin Sigrid Hornauer. Sie betont: „Wir sind immer offen mit der Elektrosmog-Problematik umgegangen und haben uns vor der Einführung der Technik eine neutrale Stellungnahme vom Landratsamt eingeholt.“ Hornauer berichtet, dass einige der Bürger, die anfangs Bedenken hatten, die Technik mittlerweile selbst nutzten.

Technik läuft im Test einwandfrei

Gemeinderat Hans-Dieter Schäfer ist mit seinem Internetanschluss vollauf zufrieden. Er war einer der zehn Testpersonen, die die Technologie von Wireless in Sternenfels ausprobiert haben. Kurz vor Weihnachten ging der Probelauf los. „Es funktioniert problemlos“, so Schäfers Fazit. Aus dem Provisorium ist bei Schäfer eine Dauereinrichtung geworden. Er habe auch Kontakt zu anderen Testern gehabt, die auf der Datenautobahn mit Wireless ebenfalls immer Vollgas hätten geben können. „Ich habe im Download eine 2000er Übertragungskapazität und im Upload um die 600 Kilobits.“ Was nur Experten etwas sagt, drückt Bürgermeisterin Hornauer folgendermaßen aus: „Sternenfels ist auf einem guten Weg auf der Datenautobahn.“

 Derzeit haben nach Angaben des Technischen Geschäftsführers der Wireless GmbH, Kai Schinkel, in Sternenfels rund 20 Kunden Verträge abgeschlossen – Tendenz steigend: „Jede Woche kommen zwei bis drei Neukunden hinzu.“ Die Kosten für den schnellen drahtlosen Internetzugang: eine einmalige Anschlussgebühr von 149 Euro und ein monatlicher Beitrag von 29,95 Euro. Hinzu kommt die eventuelle Anschaffung eines Routers, der zwischen 40 und 60 Euro kostet.

 Bürgermeisterin Hornauer hebt hervor, dass im Gewerbepark noch bessere Glasfaserkabellösungen existierten, die für den Hausgebrauch allerdings zu kostspielig seien. Es zeigt sich: Was in Städten häufig schon Standard ist, scheint sich für die Telekom auf dem Lande oftmals nicht zu lohnen. Das bestätigt auch Sparkassen-IT-Geschäftsführer Sauter. „Hier werden Investitionen häufig noch gescheut.“

 Allerdings sind einige Kommunen nach engagierten Verhandlungen doch noch mit der Telekom handelseinig geworden. Etwa die Gemeinde Illingen für ihren Ortsteil Schützingen, und auch in Wiernsheim will die Telekom ein neues Angebot vorlegen.
 In Sternenfels allerdings müssen die Internetnutzer mit dem etwas langsameren Funk-DSL vorlieb nehmen. Es zapft die Glasfaserleitungen der Sparkassen IT an, die die Unternehmen im Gewerbepark versorgen. Eine Schlüsselrolle auf dem Übertragungsweg spielt der Sternenfelser Schlossbergturm.

 „Das Glasfaserkabel läuft zum Komm-In-Gebäude in Sternenfels. Von dort wird das Signal zu Antennen am Schlossbergturm gefunkt, und von dort gelangen die Informationen zu einem Empfangsgerät beim Kunden“, beschreibt Sauter die Bedeutung des Wasserturms.

 Zwar setzt man in Sternenfels voll auf die Funktechnik, doch vielleicht kommt auch hier in ferner Zukunft einmal das Glasfaserkabel für den Privatmann. Doch dafür müssen die nötigen Rohrleitungen da sein. Im Wohngebiet Jörgenäcker würden aufgrund eines entsprechenden Gemeinderatsbeschlusses lediglich im letzten Bauabschnitt, der in diesem Jahr noch erschlossen werden soll, solche Leerrohre verlegt, teilt Bürgermeisterin Hornauer mit. Damit könnten in dem Wohngebiet im Glasfaser-Ernstfall nur zehn von 40 Häusern von der Technik profitieren. Warum nur im vierten Bauabschnitt technisch vorgesorgt wird, weiß Hornauer selbst nicht ganz genau. „Die Entscheidung kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Das war vor meiner Zeit.“ Einzige Erklärung: Nach ergebnislosen Verhandlungen mit der Telekom und Kabel BW setzte man in Sternenfels und Diefenbach eben bereits seit längerem voll auf die Funktechnologie, betont Hornauer.

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