Starke Nachfrage nach Brennholz

Erstellt: 29. Dezember 2006, 00:00 Uhr
Starke Nachfrage nach Brennholz Günstige Alternative zu teurem Heizöl: Die Nachfrage nach Brennholz ist sprunghaft in die Höhe geschnellt. Foto: Franz

Kreisforstamtsleiter Fritz Geiger warnt vor einer Kauf-Hysterie – Engpässe sind durchaus möglich

Mühlacker/Enzkreis – Steigende Gas- und Ölpreise in den zurückliegenden Jahren haben einen regelrechten Ansturm auf Brennholz ausgelöst. Von einer Hysterie sprechen die Förster, wenn sie an den Holzverkauf im vorigen Jahr denken. Dabei spielte der tatsächliche Brennholzjahresbedarf oftmals eine nebensächliche Rolle.

VON GERHARD FRANZ

In den Wäldern des Enzkreises sind im vergangenen Jahr rund 38000 Festmeter Brennholz eingeschlagen worden. Rund 6000 Verkäufe gab es in diesem Zeitraum. Diese Zahlen nennt Kreisforstamtsleiter Fritz Geiger im Gespräch mit dem Mühlacker Tagblatt. Die Nachfrage nach Brennholz sei in der Zwischenzeit so stark, dass nicht mehr alle Gemeinden ihren Bürgern die Holzmengen anbieten können, die nachgefragt werden. Geiger: „Besonders Kommunen mit einem hohen Anteil an Nadelholz sind davon betroffen.“ Mit den Kunden, die Brennholz wollen, konkurrieren auch Zellstofffabriken und Unternehmen, die Spanplatten herstellen, um das so genannte Industrieholz.

 Nach den Beobachtungen des Kreisforstamtsleiters haben besonders im vergangenen Jahr Privatleute „deutlich über ihren Bedarf hinaus Brennholz ersteigert oder gekauft“. Geiger: „Wenn jemand 20 Festmeter kauft, aber eigentlich nur fünf braucht, ist das aus unserer Sicht nicht vorteilhaft.“ Der Brennholzbedarf für zwei Jahre sollte gekauft werden, rät Geiger, damit das Brennholz lange genug gelagert und damit trocken ist.
 Nicht nur die Kommunen verkaufen Brennholz, auch Landwirte, Waldarbeiter oder Personen, die selbst Wald haben, bieten Brennholz an. Und zum Preis? Fritz Geiger: „Das Jahr 2005 hat eine extreme Preissteigerung gebracht. Nicht zuletzt durch eine überzogene Angstreaktion der Privatleute.“ In der Zwischenzeit sei das Heizöl wieder im Preis gefallen, merkt der Forstamtsleiter an. Dies könne sich auf die Holznachfrage möglicherweise etwas auswirken. Fritz Geiger legt Wert darauf, dass beim Brennholzverkauf die Ware zu einem angemessenen Preis verkauft beziehungsweise versteigert wird. Dies empfehle man auch den Gemeinden, die über eigene Waldflächen verfügen. Die Käufer hätten es in der Hand, wie sie sich bei Versteigerungen in der Preisgestaltung verhalten.

Flächenlose stehen weiter hoch im Kurs

Groß ist die Nachfrage nach Flächenlosen im Wald. Diese waren in der Vergangenheit oft „spottbillig“ (Geiger). Auch hier ist der Preis deutlich gestiegen. Nach den Beobachtungen der Förster werde von den Käufern gelegentlich die Holzmenge bei einem Flächenlos deutlich unterschätzt. Nach den Erfahrungen von Fritz Geiger können bei den Flächenlosen – es gibt auch Ausnahmen – durchschnittlich zehn bis 15 Festmeter Holz geerntet werden. Auch in diesem Jahr rät der Leiter des Kreisforstamtes, beim Brennholzkauf „nicht hysterisch zu reagieren“, auch wenn möglicherweise nicht alle gewünschten Holzmengen eingeschlagen werden können.
 Und wie ist die Alternative zu Öl- und anderen Energiequellen? Firmeninhaber Dirk Macheiner von der Firma Kerling berichtet, dass sein Unternehmen kaum Pelletsheizungen eingebaut habe. Zwei Kilo Holzpellets entsprechen dem Heizwert von einem Liter Öl. Nachfrage gab es für Heizkessel, wo Scheitholz verbrannt werden kann, so Dirk Macheiner.

 „Die Nachfrage nach Heizöl ist gut“, meint Geschäftsführer Martin Fischer von der Firma Heizöl-Fischer in Mühlacker. Schon wegen der Mehrwertsteuererhöhung im nächsten Jahr haben viele Kunden nochmals den Tankwagen bestellt. Bei einer Abnahmemenge von rund 3000 Litern kostet ein Liter Heizöl 53 Cent mit Mehrwertsteuer.

 Fischer: „In unserer Branche gelten Tagespreise.“ Dass viele Häuslesbauer durch Sanierungs- und Dämmmaßnahmen ihren Heizölverbrauch deutlich senken, beobachtet auch Martin Fischer. Durch die Umstellung von Öl auf andere Energiearten sieht der Heizölhändler die Gefahr, dass Arbeitsplätze in seiner Branche verloren gehen.

 Bei den Gasanschlüssen haben die Stadtwerke Mühlacker eine jährliche Steigerungsrate von rund vier Prozent, so Stadtwerkegeschäftsführer Jürgen Meeh auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein Kubikmeter Erdgas hat den Brennwert von einem Liter Heizöl. Privatkunden müssen rund 60 Cent pro Kubikmeter Erdgas zahlen.

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