Stadtwerke investieren in Windkraft

Erstellt: 4. November 2009, 00:00 Uhr
Stadtwerke investieren in Windkraft Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Meeh mit der Projektbeschreibung. Foto: Disselhoff

Mühlacker Versorger setzt auf regenerative Energien – Geschäftsführer erwartet Gewinne.

Von Maik Disselhoff

Mühlacker. In den Wellen der Nordsee entsteht 100 Kilometer nördlich von Borkum ein Windpark mit 80 Anlagen, an dem sich die Mühlacker Stadtwerke zusammen mit rund 90 weiteren Stadtwerken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligen. Schon die nüchternen technischen Daten der Windräder machen Eindruck: Jedes einzelne ist 25 Meter tief im Meeresboden verankert, 40 weitere Meter verschwinden im Wasser und insgesamt hat eine Anlage zusammen mit dem Rotorblatt eine Maximalhöhe von 130 Metern.

 Die Investition in die Windkraft sei verhältnismäßig kostspielig und berge ein gewisses Risiko. „Doch das müssen wir eingehen.“ Die Stadtwerke wollten bei den regenerativen Energien, mit denen sie sich seit vielen Jahren intensiv auseinandersetzen, am Ball bleiben, erklärt der Geschäftsführer der Stadtwerke, Jürgen Meeh. Der Wind blase auf dem Meer stärker und konstanter als auf dem flachen Land, so der Stadtwerke-Chef. Insofern ist hier die Wirtschaftlichkeit gegeben. Rein rechnerisch könnten mit dem Stromanteil, den die Anlage vor Borkum für die Stadtwerke Mühlacker erzeugt, 1000 Drei-Personen-Haushalte mit einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden im Jahr täglich versorgt werden. 1,7 Milliarden Euro kostet der Windpark. Mühlacker investiere rund 1,2 Millionen in das Projekt. In den nächsten Wochen sollen die ersten Windräder auf das Meer rausgefahren werden. Mitte 2010 soll der Windpark in Betrieb gehen.

 Die Stadtwerke setzen nicht erst in jüngster Zeit auf regenerative Energien. Trotzdem ist der Anteil an ökologisch sauber produzierter Energie beim Strommix der Stadtwerke trotz aller Bemühungen immer noch verhältnismäßig gering. „Mit unseren Flusskraftwerken kommen wir auf fünf Prozent. Mit der Fotovoltaik auf neun. Rechnen wir die Biomethananlage dazu sind wir bei 15 Prozent“, erläutert Meeh. Durch die Beteiligung an dem Windpark in der Nordsee würde der Anteil an sauber erzeugtem Strom um weitere zwei Prozent steigen. Mit der Windpark-Beteiligung erhöhten die Stadtwerke den Anteil an regenerativen Energien im Strommix. „Hier lassen sich noch Gewinne generieren“, begründet Meeh den Schritt. Der Strom vom Meer kommt jedoch nicht direkt beim Verbraucher in Mühlacker aus der Steckdose. Geschäftsführer Meeh dazu: „Der Strom kommt bildhaft ausgedrückt in einen großen Topf, und die Gewinnausschüttung aus dem Projekt kommt uns zugute.“

 Der Stromerzeugung per Windrad sind nach Ansicht von Meeh jedoch nach wie vor enge Grenzen gesetzt. Wirtschaftlicher als Windkraft sei beispielsweise nach wie vor Strom aus dem Kohlekraftwerk, macht der Energie-Experte der Stadt Mühlacker deutlich. Und auf dem flachen Land kämen die Umweltbelastungen durch die Windkraft hinzu: „Tierschützer sehen Vögel und Fledermäuse durch Windräder bedroht. Dazu kommen der hohe Landschaftsverbrauch und der Lärm sowie der Schattenwurf durch die großen Anlagen.“

 Und was hält der Geschäftsführer der Stadtwerke von einem Windrad in der Region, beispielsweise auf dem Sauberg bei Ötisheim? „Wir haben überprüft, ob es möglich ist, ein Windrad in Mühlacker zu erstellen“, sagt Meeh. Auch wenn die Antwort nicht eindeutig ausfällt, macht der Geschäftsführer klar: „Interessanter sind Windräder im Meer vor der Küste.“

• Am Freitag, 6. November, hält der Geschäftsführer der Stadtwerke, Jürgen Meeh, in Dürrmenz im St. Andreas Gemeindehaus um 19 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Windkraft – wo und wie viel?“

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