Stadträte ärgern sich über Mehrkosten

Erstellt: 30. November 2006, 00:00 Uhr
Stadträte ärgern sich über Mehrkosten Räte wollen bei Kosten nicht nur die Hand heben, sondern mitreden. Foto: Archiv

Knittlinger Stadträte beklagen mangelnde Einbindung – Bürgermeister Hopp räumt Informationsdefizit ein

Knittlingen – Teurer als erwartet wird für die Stadt Knittlingen nicht nur der Bau des Bürgerbüros. Verärgert reagierten die Stadträte in ihrer Sitzung am Dienstag vor allem darauf, dass sie beim Umbau des ehemaligen Notariats zum Stadtbauamt vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

VON ULRIKE STAHLFELD

„Jetzt sollen wir die Hand heben, ohne involviert gewesen zu sein“, sagte Matthias Haas von der Alternativen Liste zu den Mehrkosten. Weil im Rathaus ein Bürgerbüro eingerichtet wird, muss das Stadtbauamt weichen. Ausgaben von 48000 Euro hatte der Gemeinderat deshalb für den Umbau des Notariats in der Marktstraße 17 zum Stadtbauamt bewilligt. Daraus sind jetzt über 64000 Euro geworden, wie Bauamtsleiter Just in der Sitzung mitteilte. Die Mehrkosten seien durch eine nochmalige Umplanung entstanden, nach der auch im Erdgeschoss Büroräume eingerichtet worden sind. Demnach befindet sich im Erdgeschoss das publikumsintensive Bauordnungsamt. Im ersten Geschoss folgen Technik und Amtsleiter und unterm Dach entstanden Archiv sowie Besprechungszimmer. Laut Just hat der Umzug in den letzten zwei Wochen bereits stattgefunden.

 „Mehrkosten von fast 50 Prozent, ohne jemals über den Verlauf der Arbeiten informiert worden zu sein.“ Stadtrat Haas war nicht der einzige, dem diese Vorgehensweise sauer aufstieß. „Ist eine ungute Sache, die da gelaufen ist“, so Helmut Begero von der SPD. „Es waren separate Gewerke“, verteidigte sich Just. Die Kosten von bis zu 10000 Euro lägen in der Verfügungsgewalt des Bürgermeisters. Der seinerseits räumte Informationsdefizite ein. Durch die Förderung über Sanierungsmittel würden die Mehrkosten „abgefedert“.

 Unplanmäßige Kosten verursacht auch die Dachsanierung an der Knittlinger Schule. Rund 62000 Euro muss die Stadt für die dringende Sanierung der Dachkonstruktion am Neubau der Dr. Johannes-Faust-Schule bezahlen. Beim Aufbau einer Fotovoltaikanlage hatte sich herausgestellt, dass die Konterlattung größtenteils verfault ist (Das MT berichtete ausführlich). Eine ärgerliche und kostspielige Entdeckung, wie aus den Reihen der Stadträte sehr deutlich zu vernehmen war. Nicht nur Stadtrat Klaus Meiser (CDU) forderte eine unverzügliche Aufklärung der Ursachen. Laut Bauamtsleiter Volker Just ist ein Sachverständiger bereits eingeschaltet worden. Der Auftrag für die Sanierungsarbeiten ging an die Firma Otto Egler aus Knittlingen als günstigstem Bieter. Der Südteil des Daches soll schon Mitte Dezember fertig sein.

 Einstimmig willigte das Gremium dem Konzept des Bürgerbüros zu, dessen Realisierung statt der ursprünglich geplanten 139000 Euro nun knapp 177000 Euro kosten wird. Für zusätzliche Ausgaben sorgen, so Hauptamtsleiter Stephan Hirth, der Rückbau einer Treppe, eine längere Rampe und der Sanitärtrakt. Nochmals 17000 Euro kommen für die Erneuerung der sanitären Anlagen im Obergeschoss des Rathauses dazu. Hirth geht davon aus, dass die Mehrkosten durch Zuschüsse aus dem Sanierungsgebiet abgedeckt werden. Mit dem Bürgerbüro solle eine zentrale Anlaufstelle geschaffen werden, die sich durch bürgerorientierte, freundliche Beratung sowie eine effektive und effiziente Bearbeitung auszeichne. Das Büro werde 36,5 Stunden (aktuell 21 Stunden) geöffnet sein, für Berufstätige zum Teil ab sieben Uhr morgens beziehungsweise bis 18 Uhr abends. Modellweise ist eine Öffnung jeden ersten Samstag im Monat geplant.

 Drei Arbeitsplätze in Knittlingen sowie einer in Freudenstein solle das Dienstleistungsangebot sichern. Laut Hirth werden künftig alle kundenorientierten Aufgaben direkt im Bürgerbüro abgewickelt. Dem Bürger bleibe dadurch der Gang auf verschiedene Ämter erspart. Laut Planung sind die Umbauarbeiten bis Juli 2007 abgeschlossen. Die Stadträte wünschten sich nach Eröffnung des Bürgerbüros regelmäßige Berichte über die Arbeit.

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