Stadt sucht den offenen Dialog

Erstellt: 28. Februar 2007, 00:00 Uhr
Stadt sucht den offenen Dialog Stadtmarketing: Moderne Entwicklung und historisches Erbe möchte Knittlingen unter einen Hut bringen. Fotomontage: Archiv

Bürgerversammlung in Knittlingen am 8. März: Gemeinderat über den Planungsstand in Kenntnis gesetzt

Knittlingen – Öffentlich zu bekunden, was es in ihrer Stadt zu verbessern gilt, sich gleichzeitig aber auch mit konkreten Vorschlägen einzubringen, dazu haben die Knittlinger am 8. März im Rahmen einer Bürgerversammlung Gelegenheit. Über den Stand der Vorbereitung dieser lang geplanten Veranstaltung wurde gestern Abend der Gemeinderat informiert.

VON CAROLIN BECKER

Mit dem 8. März ist die Wahl auf ein ganz besonderes Datum gefallen. Doch auch wenn die Bürgerversammlung am Weltfrauentag von 19.30 Uhr an über die Bühne der Festhalle geht, soll sicherlich nicht nur der weibliche Teil der Bevölkerung dort ansprechen, welche Probleme den Knittlingern unter den Nägeln brennen und wie sie sich die Zukunft ihrer Stadt vorstellen. Jedermann ist aufgerufen, seinen Beitrag zum Stadtmarketing zu leisten. „Wir rechnen mit 250 bis 300 Besuchern, können bei Bedarf aber noch weiter aufstuhlen“, blickt Hauptamtsleiter Stephan Hirth im Gespräch mit unserer Zeitung voraus.

 Über das Knittlinger „Image“, über Außenwirkung und Eigenwahrnehmung der 7600-Einwohner-Kommune haben sich Stadtverwaltung und Gemeinderat auf der Grundlage einer im Jahr 2004 durchgeführten Haushaltsbefragung schon seit geraumer Zeit Gedanken gemacht. Gedanken, die jetzt im Zuge der Bürgerversammlung konkrete Formen annehmen sollen. Vorbereitet wird diese von Experten der Fachhochschule (FH) Pforzheim und einem 18-köpfigen Lenkungsgremium, dessen bis dato letzte Zusammenkunft am Vorabend der Gemeinderatssitzung stattgefunden hatte. Die gewählten Vertreter der Knittlinger Bevölkerung bekamen also ganz frische Ergebnisse präsentiert, unter anderem die Tagesordnung der Bürgerversammlung.

„Sachlich fachliche
Darstellung des Status quo“

Diese soll um 19.30 Uhr mit einer Begrüßung des Bürgermeisters beginnen. „Danach folgt eine neu aufbereitete, etwas komprimierte Präsentation der Ergebnisse aus der Bürgerbefragung“, sagt Stephan Hirth, der darauf setzt, dass im Laufe dieser „sachlich fachlichen Darstellung des Status quo“ Begriffe des Stadtmarketingprozesses mit Leben gefüllt werden, unter denen sich so mancher Knittlinger bisher möglicherweise noch zu wenig habe vorstellen können. Recht allgemein seien die Arbeitsbereiche der beiden zu gründenden Forum formuliert – durchaus absichtlich, wie der Hauptamtsleiter betont: „Die Diskussion soll generell ganz offen sein und nicht von uns schon vorher in bestimmte Bahnen gelenkt werden.“
 Die weitere Planung, insbesondere die Forengründung und die Vorstellung der beiden Pforzheimer Professoren, welche die Arbeitskreise leiten werden, markieren weitere Programmpunkte der Bürgerversammlung, ehe die Besucher in einen offenen Dialog eintreten sollen. Ohne starre Vorgaben könne dieser Teil der Veranstaltung eine gewisse Eigendynamik entwickeln, vermutet Hirth. Einladen zu guten Gesprächen wolle die Stadtverwaltung auch im Anschluss an den offiziellen Teil beim „gemütlichen Zusammensein“.

 Beim Reden allein soll es aber nicht bleiben. Das Wissen darum, wo die Knittlinger der Schuh drückt, wird die Arbeitsgrundlage der beiden Foren darstellen, die sich zum einen mit den Themen Stadtbild, lebendiges Zentrum, Naherholungsziel und Gastronomie auseinandersetzen, zum anderen Ideen zu den Bereichen Einkaufen, Einzelhandelsstruktur sowie Standort für Industrie und Gewerbe sammeln.

Sechs Interessierte haben
sich bisher angemeldet

Mindestens sieben bis 15 Mitglieder pro Forum seien wünschenswert, orientiert sich Stephan Hirth an Vergleichszahlen der FH-Experten. Nachdem über einen längeren Zeitraum hin im Amtsblatt für eine Teilnahme geworben worden sei, hätten sich mittlerweile sechs Interessierte gemeldet. „Für Großstädte gilt der Erfahrungswert, dass sich etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung aktiv einbringen, verglichen damit sind wir also schon recht gut“, kommentiert der Amtsleiter das Zwischenergebnis. Die Mitglieder des Lenkungsausschusses, in dem ein breites Spektrum der gesellschaftlichen Gruppen Knittlingens vertreten sei, wollten nun in persönlichen Gesprächen noch weitere Mitstreiter gewinnen, berichtet Hirth. Spezielles Fachwissen werde nicht vorausgesetzt, gefragt seien „Bürger, die sich mit ihrer Stadt identifizieren“. Diese brächten durch ihre ernsthafte Auseinandersetzung mit vorhandenen Problemen genau jenes Basiswissen mit, das es als Potenzial zu nutzen gelte.

 Am Samstag, 31. März, findet ein erstes, rund sechsstündiges Arbeitstreffen der Foren in zwei Klassenzimmern der Knittlinger Faustschule statt. Was dort und in möglichen weiteren Sitzungen erarbeitet werde, diene der Stadt – in einer von den FH-Professoren aufgearbeiteten und analysierten Form – als Grundlage für den Stadtmarketingprozess, der weit über das Jahr 2007 hinaus reiche. Stephan Hirth: „Dass Vorschläge kommen werden, die finanziell allenfalls mittel- oder langfristig zu realisieren sind, ist uns klar. Dass wir nicht alles sofort umsetzen können, wissen aber auch die Bürger.“

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