Stadt schraubt den grünen Pfeil ab

Erstellt: 31. Mai 2012, 23:30 Uhr
Stadt schraubt den grünen Pfeil ab Auch das Zusatzschild hat nichts geholfen: Im Mai 2011 wurde an der Einmündung mit dem grünen Pfeil ein Hinweis angebracht, wie sich der Autofahrer zu verhalten hat. Doch wie Behördenchef Ulrich Saur (vorne) ein Jahr später berichtet, hat das an der Vielzahl der Verstöße nichts geändert. Viele Autofahrer, so die Erkenntnis der Stadt und der Polizei, stoppen nicht wie vorgeschrieben.Archivfoto: Goertz

Mühlacker. Der „Testlauf“ dauerte mehrere Jahre, in denen sich die Regelung anscheinend bewährte. Doch am kommenden Montag soll der Grünpfeil, der das Rechtsabbiegen in die Pforzheimer Straße auch bei roter Ampel erlaubt, abgebaut werden.

Dass sich die Autofahrer nicht in allen Fällen verhalten, wie es in der Straßenverkehrsordnung steht, ist nicht neu. Doch weil über Jahre hinweg nichts passiert ist, gab es – vordergründig gesehen – keinen Grund, etwas zu ändern. Bis zum 29. Februar 2012: An diesem Mittwochnachmittag wurde eine elfjährige Schülerin, als sie gemeinsam mit ihrer Schwester bei Grün über den Fußgängerüberweg ging, von einem Auto angefahren und zu Boden geschleudert. Die Fahrerin des dunklen Familien-Van, die kurz anhielt, dann aber weiterfuhr, ist bis heute nicht ermittelt.

Das Kind erlitt eine leichte Gehirnerschütterung und hatte nach Einschätzung der Polizei noch großes Glück. Die Mutter machte den grünen Pfeil mitverantwortlich für den Unfall, berichtete von gefährlichen Situationen und davon, dass auch Senioren Probleme hätten, den Fußgängerüberweg zu passieren, weil gleichzeitig Autofahrer, die nur den grünen Pfeil im Blick haben, rücksichtslos durchfahren.

„Wir haben uns die Entscheidung

nicht leicht gemacht“

Amtsleiter Ulrich Saur

Anlass genug für die städtische Verkehrsbehörde und die Polizei, genauer hinzuschauen. Die Kontrollen, die nach Angaben der Stadtverwaltung ohnehin regelmäßig stattgefunden hatten, wurden nochmals verstärkt. Mit verblüffendem Resultat: Während bei einer Schwerpunktaktion zwischen Mitte Dezember und Ende Januar nur ein einziger Verstoß registriert wurde, stellte die Polizei am 18. April in zwei Stunden gleich 13 Verstöße fest, die Anzeigen gegen die Autofahrer nach sich zogen.

Der Fehler – sei es aus Schlamperei oder aus Unachtsamkeit – besteht vor allem darin, nicht wie vorgeschrieben an der Haltelinie zu stoppen, sondern, wie es die Mutter beobachtet hat, einfach durchzurollen. Das wiederum bedeutet eine latente Gefahr für die Fußgänger auf dem Überweg, der parallel zur B10/Pforzheimer Straße verläuft und die Ötisheimer Straße quert. „Die Fußgänger verlassen sich im vollen Vertrauen auf die grüne Fußgängerampel“, macht Polizeisprecher Wolfgang Schick deutlich. Passt der Autofahrer nicht auf oder ignoriert er gar bewusst den Überweg, wird es kritisch. „In diesem Fall muss man sich fragen, ob es das wert ist.“

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Ulrich Saur, Leiter des Mühlacker Bürger- und Ordnungsamts, wohl wissend, dass es auch Klagen von Autofahrern geben wird, die mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Andererseits ergäben die Kontrollen ein klares Bild, und auch die Zusatzbeschilderung, die vor etwas über einem Jahr installiert wurde und derzeit etwas versteckt hinter einem Baum hervorlugt, habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht: „Die Leute stoppen einfach nicht.“

Ständige Kontrollen seien weder durch die Stadt noch durch das Polizeirevier zu leisten, und deshalb sei in Absprache mit der Polizei entschieden worden, den grünen Pfeil abzuschrauben, berichtet Saur. Zuvor habe es nicht nur den Unfall mit dem Mädchen, sondern auch regelmäßige Klagen über Beinaheunfälle und gefährliche Situationen gegeben, macht der Behördenchef klar, dass die Unfallflucht vom Februar nicht der einzige Grund für den Abschied vom grünen Pfeil ist.

„Vorgeschrieben ist, an der Haltelinie zu stoppen und sich in die Kreuzung beziehungsweise auf den Fußgängerüberweg hineinzutasten“, macht Wolfgang Schick noch einmal deutlich, wie es sich der Gesetzgeber vorstellt. Die Gefahr sei ungleich größer, einen Fußgänger zu übersehen, als die Vorfahrt zu missachten, weiß der Polizeibeamte. Die Vorfahrt zu beachten, sei für den Autofahrer Routine an vielen Einmündungen, dass aber gleichzeitig Fußgänger passierten, die noch dazu Grün haben, mache die Sache unübersichtlicher.

Wolfgang Schick hat noch ein weiteres Phänomen an Einmündungen mit dem grünen Pfeil beobachtet: Autofahrer auf der Vorfahrtstraße, die davon ausgehen, dass alle anderen Rot haben, erschreckten regelrecht, wenn plötzlich aus der Seitenstraße jemand bis zur Haltelinie vorfährt.

In Mühlacker gibt es an der Einmündung der Uhlandstraße in die B10/Stuttgarter Straße und an der Einmündung der Eckenweiherstraße in die Lienzinger Straße noch zwei weitere Kreuzungen mit grünem Pfeil. Hier bleibt alles, wie es ist.

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