Stadt feiert sich mit viel Witz und Musik

Erstellt: 26. Februar 2011, 00:00 Uhr
Stadt feiert sich mit viel Witz und Musik Gastredner und Gratulanten aus Politik und befreundeten Gemeinden aus Frankreich und Thüringen kommen zur großen Maulbronner Geburtstagsparty in die Stadthalle. Darüber freut sich der Bürgermeister Andreas Felchle (4.v.re.). Als Festredner fesselt vor allem der Historiker Dr. Gerhard Raff (3.v.re.) seine Zuhörer. Fotos: Hansen

Großer Bahnhof in Maulbronn: Viele prominente Gäste stoßen mit den Bürgern auf 125. Geburtstag an

Schwungvolle Musik, historische Rückblenden und witzige Episoden haben gestern Abend für einen unterhaltsamen Festakt in der Maulbronner Stadthalle gesorgt. Rund 350 Gäste waren gekommen, um den 125. Geburtstag der Stadt zu feiern.

Von Maik Disselhoff

Maulbronn. Beim offiziellen Festakt zum Maulbronner Stadtjubiläum war einiges geboten. Würdig begrüßt wurden die Besucher von Mönch Maier und dem Maulbronner Wappentier Muli, die am Eingang zur Stadthalle fleißig Hände schüttelten. Wenige Meter entfernt signierte der Historiker und regional bekannte Dialektautor Dr. Gerhard Raff seine Bücher.

 Dass er in Maulbronn einen Vortrag halte, sei eine Ausnahme. Aus gesundheitlichen Gründen trete er eigentlich nicht mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung, so Raff am Rande der Veranstaltung. Der Mann, der sich als „Benefiz-Schwätzer“ bezeichnete, spendete sein Honorar für die Anschaffung der Klosterkirchen-Orgel und hatte dazu noch eine andere Überraschung im Gepäck. „Ich habe einen externen Stifter an der Hand, der der Stadt eine Stauferstele schenken will.“ Raff brachte sein Publikum mit Erkenntnissen über den Zustand der Welt und Maulbronns vor 125 Jahren zum Lachen.

 Aber nicht nur Raff zeigte sich großzügig. Enzkreis-Landrat Karl Röckinger ließ sich ebenfalls nicht lumpen. „Ein Onkel, der Gutes mitbringt, wird lieber gesehen als eine Tante, die Klavier spielt“, so Röckinger in seiner Rede. „Es sei denn, die Tante hieße Müllerperth“, hatte der Landrat die Lacher auf seiner Seite. Schließlich ist es noch nicht lange her, dass die jungen Pianistinnen Marina und Magdalena Müllerperth das Maulbronner Publikum beim Neujahrsempfang der Stadt mit ihrem virtuosen Klavierspiel hingerissen hatten. Röckinger überreichte dem Maulbronner Bürgermeister Andreas Felchle drei Replikate von Aquarellen Hermann Hesses. Der Landrat betonte, dass es nicht ganz einfach sei, über Maulbronn zu sprechen, ohne das Kloster zu erwähnen. „Eigentlich geht es gar nicht, aber heute und in diesem Festjahr steht das Kloster ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt. Denn was gefeiert wird, sind ja 125 Jahre Stadtrecht Maulbronn.“ Röckinger, der die Maulbronner als feierfreudig einstufte, gratulierte zum lebendigen Stadtleben und bezeichnete Maulbronn als „schönstes und bedeutsamstes Kleinod“ des Landkreises.

 Für die Gäste aus der Politik sprach der CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Scheuermann. Bürgermeister Felchle dazu: Damit sei die Neutralität in Wahlkampfzeiten gewahrt, denn „er will ja nicht mehr“. Scheuermann, den viel mit dem Kloster Maulbronn verbindet, erklärte dem Publikum, warum Maulbronn den Titel Stadt als kleine Gemeinde überhaupt tragen darf und sagte: „Die Glückwünsche richten sich heute an Sie als Bürger Maulbronns.“ 125 Jahre Stadt seien nicht nur ein Grund zu feiern, sondern gingen auch mit der Verpflichtung einher, die Stadt weiterzuentwickeln. Dies untermauerte Scheuermann mit einem Bibelzitat: „Suchet der Stadt Bestes, wenn’s ihr wohl geht, so geht es Euch auch wohl.“

 Zitiert und kopiert – allerdings immer mit Quellenhinweis – wurde in den Reden des Abends viel. Der Rathauschef, der neben den Politikern, Bürgermeistern – darunter die Schultes-Kollegen aus der französischen Partnerstadt Valdahon und der befreundeten Stadt Altkirchen in Thüringen –, auch zahlreiche Kirchenvertreter sowie weitere Freunde und Partner begrüßen konnte, betonte: „Ich find’s klasse, dass wir in so großer Zahl heute hier vertreten sind.“ Und nach einigen historischen Rückblenden kam Felchle wieder auf die Gegenwart zu sprechen: „Was in 125 Jahren in Maulbronn und seinen Stadtteilen entwickelt, gebaut, gegründet und geschaffen worden ist, verdient Beachtung, Respekt und Dankbarkeit.“ Die Stadt brauche keine Geschenke, sondern auch in Zukunft vor allem engagierte Bürger.

 Engagiert gingen die Musiker der Stadtkapelle Maulbronn zu Werke, die die Festgäste mit schwungvollen Melodien begeisterten. Als „hochwohltönende Musikanten und Spielleute“ bezeichnete Festredner Raff denn auch das Orchester, das unter der Leitung von Fabio Croce brillierte.

 Heiter bis nachdenklich stimmten auch die Erinnerungen von fünf Maulbronner Urgesteinen, die Stadtarchivar Martin Ehlers interviewt hatte, und die am gestrigen Abend per Video-Beamer in der Stadthalle mit ihren ganz persönlichen Erinnerungen zu Wort kamen.

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