Stadt bekämpft den Alkohol-Schmuggel

Erstellt: 30. Juli 2011, 00:00 Uhr
Stadt bekämpft den Alkohol-Schmuggel Szene vom Mühlacker Straßenfest 2010: Junge Besucher pusten freiwillig ins Röhrchen, um feststellen zu lassen, ob beziehungsweise wie viel Alkohol sie im Blut haben. Archivfoto: Stahlfeld

Das Mitbringen von hochprozentigen Getränken zum Straßenfest wird erstmals durch eine Polizeiverordnung untersagt.

Immer wieder werden bei Festen Jugendliche erwischt, die nicht erst bei der Veranstaltung Alkohol trinken, sondern Hochprozentiges gleich mitbringen. Diesem Trend, der zunehmend Sorge bereitet, will die Stadt beim Straßenfest 2011 gezielt entgegentreten.

Von Thomas Sadler

Mühlacker. Ein Bierchen oder ein Viertele in Ehren: Der maßvolle Genuss alkoholischer Getränke gehört zum erlaubten Vergnügen von Veranstaltungsbesuchern. Leider konsumieren nicht nur Erwachsene Alkoholhaltiges, sondern auch minderjährige Besucher. Und weil die wissen, dass ihnen der Ausschank von Spirituosen verwahrt bleiben muss, greifen viele Jugendliche vermehrt zu einem einfachen Trick: Sie bringen ihren „Stoff“ schon mit.

Genau dagegen möchte die Stadt Mühlacker beim nächsten Straßenfest im kommenden September verstärkt vorgehen. „Wir erlassen zum ersten Mal eine entsprechende Polizeiverordnung“, kündigt Bürger- und Ordnungsamtsleiter Ulrich Saur an. Sinn des Unterfangens: Nicht nur, aber in erster Linie Jugendliche sollen davon abgehalten werden, Alkohol aufs Festgelände einzuschleusen. „Wir wollen nicht, dass sie Hochprozentiges im Rucksack mitbringen und dann irgendwo in dunklen Ecken konsumieren“, macht der städtische Ordnungshüter die Intention deutlich. Zwar habe es in dieser Hinsicht in der Vergangenheit keine drastischen Vorfälle gegeben, doch gehe es darum, „ein Signal zu setzen“.

Indes soll sich die Vorsichtsmaßnahme in vernünftigen Grenzen halten. „Wir machen keine Einlasskontrollen, bei denen alle jungen Besucher untersucht werden. Es muss nicht jeder seine Tasche öffnen“, relativiert Saur. Vielmehr werde die Polizei, die mit uniformierten Beamten und Polizisten in Zivil auf Streife geht, dann zur Tat schreiten und Taschen kontrollieren, wenn ihr etwas Verdächtiges auffalle. „Die Polizisten haben für so etwas schon ein Auge“, verlässt sich Saur auf die Erfahrung der Ordnungshüter.
Allerdings setzt die Kommune keineswegs nur auf Strenge und Strafe, sondern auch auf Vorbeugung und Kommunikation. So werde beim Straßenfest, wie schon 2010, neben der Polizei auch ein Jugendpräventionsteam, bestehend aus einem Jugendsachbearbeiter der Polizei und einem Sozialarbeiter des Enzkreis-Jugendamts, auf dem Veranstaltungsgelände unterwegs sein, um mit Jugendlichen zu sprechen und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Außerdem hat Ordnungsamtsleiter Ulrich Saur die Vertreter der am Straßenfest teilnehmenden Vereine bei einem Treffen in dieser Woche darauf hingewiesen, dass an Besucher unter 18 Jahren nach dem Jugendschutzgesetz keine promilleträchtigen Getränke ausgegeben werden dürfen.

Ebenfalls im Einsatz sein wird der im Auftrag der Kommune tätige private Sicherheitsdienst. Während die Polizei innerhalb des Festareals nach dem Rechten sehe, passe die „City-Streife“ auf, dass zu später Stunde, also gerade dann, wenn viele ausgelassene Besucher auf dem Heimweg sind, keine Ausschreitungen oder Sachbeschädigungen passieren.

Straßenfest ohne
Seilbahn und Steg

Die Besucher des Straßenfestes erwartet wieder ein vielseitiges Programm. Doch auf zwei Attraktionen müssen sie verzichten: auf den Pontonsteg über die Enz und die Seilbahn des Technischen Hilfswerks (THW), die sich in der Vergangenheit speziell bei Kindern größter Beliebtheit erfreute. Wie Ortsbeauftragter Lothar Drung sagte, fehle in diesem Jahr das Personal, um die Seilbahn aufzubauen und zu betreiben. Den Steg über den Fluss habe das THW trotz personeller Engpässe erneut zum Betrag von 1600 Euro, die auf die Vereine umgelegt werden sollten, angeboten. Doch die Arbeitsgemeinschaft der Vereinsvorstände habe die Offerte abgelehnt.

Jochen Schray, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, bestätigt dies. Zwar hätten die Vereine, die ihr Zelt im Enzvorland haben und deshalb am unmittelbarsten vom Verbindungssteg profitieren, das provisorische Brückle gerne auch dieses Mal gehabt. Doch am Ende hätten finanzielle Überlegungen den Ausschlag gegeben. Sowohl Schray als auch Bernd Meier von der Stadtverwaltung sehen in dem Fehlen des Pontonstegs kein Problem. Beide meinen, dieser zusätzliche Übergang sei nicht unbedingt erforderlich, weil der Waldensersteg – inzwischen – ausreiche, um die Besucher die Enz überqueren zu lassen.

Derweil nehmen nicht nur die Attraktionen ab, sondern auch die Zahl der Vereine, die mitzumachen bereit sind, sinkt. Am 10. und 11. September 2011 sind es laut Bernd Meier noch 33 – drei weniger als im vorigen Jahr. Nicht mehr dabei sind der Musikverein, das THW und die Jugendfeuerwehr. Dass das Interesse, an Veranstaltungen mitzuwirken, schrumpfe, sei keine Mühlacker Besonderheit, findet Jochen Schray, der dafür zwei Gründe sieht: Zum einen stellten sich immer weniger Helfer zur Verfügung, zum anderen sei an einer Festteilnahme nicht mehr viel verdient.

Keine Änderung gegenüber 2010 gibt es bei den Straßenfest-Öffnungszeiten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag können Besucher bis 2 Uhr über das Festgelände bummeln, am Sonntagabend bis 22 Uhr.

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