Stachel der Enttäuschung sitzt tief

Erstellt: 29. Juni 2012, 23:30 Uhr
Stachel der Enttäuschung sitzt tief Enttäuschte Mienen: deutsche Fans beim Public Viewing auf dem Kelterplatz.

Mühlacker/Pforzheim (pol/daw). Nicht jeder Fan hat nach dem Halbfinale Deutschland gegen Italien Sieg oder Niederlage seines Teams gut verkraftet. Während in Mühlacker abgesehen von kleineren Provokationen und Schubsereien alles friedlich blieb, trafen in Pforzheim die Anhänger beider Lager nicht immer sportlich fair aufeinander. Die Polizei war gefragt.

Mehr als 10000 Menschen erlebten nach Angaben der Polizeidirektion die 1:2-Niederlage und das Aus der DFB-Elf bei öffentlichen Übertragungen in Pforzheim und Mühlacker. Nach dem Public Viewing auf dem Kelterplatz beteiligten sich rund 120 Tifosi an einem Autokorso mit etwa 50 Fahrzeugen durch die Mühlacker Innenstadt. Zudem zogen 200 weitere jubelnde italienische Fans zu Fuß durch die Straßen. Zu nennenswerten Vorkommnissen, so die Polizei, sei es nicht gekommen.

In Pforzheim saß der Stachel der Enttäuschung offenbar tiefer. Bereits nach dem 0:2-Halbzeitstand seien die ersten deutschen Fans aus dem Pforzheimer Enzauenpark abgewandert, wo sich 7000 Besucher versammelt hatten. Etwa ab der 80. Spielminute, als sich die Niederlage abzeichnete, sei es dann an gleicher Stelle zu Streitigkeiten, Provokationen und auch Handgreiflichkeiten zwischen beiden Fanlagern gekommen. Kurz vor 23 Uhr erschien eine Gruppe Italiener vor dem Schlosskeller, wo sich etwa 100 deutsche Fans versammelt hatten. Es folgten wiederum gegenseitige Schlachtrufe und Provokationen. Um eine Eskalation zu verhindern, rückte die Polizei an.

Das Spiel wiederholte sich ab 23.40 Uhr, als mehrere hundert italienische Fans in Richtung des Schlosskellers marschierten, wo Flaschen und Bengalos flogen. Ein Polizeibeamter wurde von einer Bierflasche getroffen, dank Helm aber nur leicht verletzt. Erst nachdem die Polizei mit dem Einsatz des Schlagstocks drohte, konnten die beiden Parteien getrennt werden.

Nach der Aufforderung über Megafon, den Schauplatz zu verlassen, entspannte sich die Lage. Der Stadtbusverkehr musste wegen der Fanaufmärsche in der Innenstadt um 23.30 Uhr eingestellt werden.

Drei Beteiligte wurden in Gewahrsam genommen. Insgesamt registrierte die Polizei in der Stadt und im Enzauenpark acht Fälle von Körperverletzung. Dennoch zeigte sich die Polizei mit dem Verlauf der EM, die kurz vor dem Finale steht, zufrieden. „Natürlich gab es kleinere Störungen, aber die werden nicht ausbleiben“, machte der Sprecher der Polizeidirektion, Frank Otruba, klar. Bei den Spielen mit deutscher Beteiligung sorgten 90 Beamte aus der Region und die Bereitschaftspolizei für Ordnung; die meisten Beamten seien schon bei der WM 2010 im Einsatz gewesen und hätten das nötige Fingerspitzengefühl gezeigt.

Otruba: „Wir wollen den Menschen das Feiern nicht verbieten, aber an einem bestimmten Punkt müssen wir eingreifen.“

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