Sprachförderung stößt auf Hindernisse

Erstellt: 18. Dezember 2008, 00:00 Uhr

Die Stadt Mühlacker engagiert sich stark – Aber: Angebot wird oft nicht ausreichend angenommen

Mühlacker – Viele Kinder sprechen nur schlecht Deutsch. Ist die bisherige Sprachförderung in Mühlacker gescheitert, oder reicht sie einfach nichts aus? Diesen Fragen wollen Verwaltung und Gemeinderat nachgehen, wobei sich die Fraktionen über das richtige Vorgehen keineswegs einig sind.

VON THOMAS SADLER

„Wir sind auf einem guten Weg bei der Sprachförderung“, sagte Oberbürgermeister Arno Schütterle. Und Richard Cassutti, Leiter des Amts für Bildung und Kultur, fügt hinzu, bei der flächendeckenden Sprachförderung zähle Mühlacker „zu den am besten aufgestellten Städten in Baden-Württemberg“. Die Äußerungen der SPD im Vorfeld der Sitzung hielt er für „zu plakativ und zu wenig differenziert“.

 SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Roland Peter wollte diese Kritik nicht so stehen lassen. Verbesserungen anzustreben, bedeute nicht, dass die seitherige Arbeit – in den Kindergärten und Schulen engagieren sich rund 50 Sprachhelferinnen – schlechtgeredet werde. Die bisherige Sprachförderung sei sinnvoll, reiche aber nicht aus. In den Kindergärten sei die Situation bei den Dreijährigen schwierig wie nie, und in der Ulrich-von-Dürrmenz-Schule müsse ein Viertel bis ein Drittel der Kinder verstärkt gefördert werden.

 Deshalb fordert die SPD, in den großen Kindergärten fünf Sprachhelferinnen, die bisher als Honorarkräfte eingesetzt sind, in Teilzeit fest anzustellen. Außerdem sprach sich Peter für den zusätzlichen Einsatz von Sprachförderinnen in allen Gruppen mit Vorschülern aus. Weiterer Vorschlag: Frauen aus Migrantenfamilien sollen eine Gruppe ausländischer Eltern betreuen. Der türkische Elternverein habe bereits signalisiert, bei einem solchen Programm, das vom Land gefördert werde, mitzumachen.

 CDU-Fraktionschef Günter Bächle verwies darauf, dass sich die CDU seit Jahren für Sprachförderung einsetze und der Gemeinderat dafür beträchtliche Geldbeträge lockergemacht habe. Leider „sehen Eltern türkischer Kinder die Notwendigkeit der Sprachförderung nicht immer ein“. Eine Festanstellung von fünf Kräften lehne die CDU ab, die Personalkosten dürften nicht weiter steigen. Die CDU fordert eine Bestandsaufnahme der bisherigen Sprachförderung, der Bereitschaft der Kinder, davon Gebrauch zu machen und nicht zuletzt des Erfolgs des Angebots. Im Klartext: Es gelte zu prüfen, ob die Sprachförderung in den Kindergärten gescheitert sei.

 Egal, ob die seitherige Arbeit mehr oder weniger erfolgreich war: „Wir wollen uns nicht mit dem Ist-Zustand zufrieden geben“, sagte Brigitte Dingler (LMU), die die Stadtverwaltung aufforderte, Verbesserungsvorschläge auf den Tisch zu legen. Rolf Leo (Freie Wähler) fand es „erschütternd, dass auch deutsche Kinder sprachliche Defizite haben“, was wohl auch an „der medienverseuchten Gesellschaft“ liege. Türkische Vereine wiesen zu wenig darauf hin, dass Deutsch gesprochen werden sollte, beanstandete Leo, der sich gegen eine „Abwehrhaltung“ wehrte. Auch er sprach sich gegen Neueinstellungen aus, zumal das, was die Finanzierung angeht, Sache des Landes und nicht der Stadt sei.

 Hasan Ali Özer, Mitglied des Integrationsbeirats und Sprecher der türkischen Vereine, erklärte gestern gegenüber dem MT, auch er komme als ehrenamtlich Tätiger nur bedingt an Migranten heran, die die Sprachförderung, die im Kindergarten beginnen müsse, nicht nutzen. Auch der Beirat dürfe nicht überschätzt werden, zumal er praktisch keine Befugnisse habe. Leichter täte sich die Stadt mit einem koordinierenden Integrationsbeauftragten.

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