Spannung bis zur letzten Sekunde

Erstellt: 26. September 2006, 00:00 Uhr
Spannung bis zur letzten Sekunde Nick Smith (l.) erzielte das wichtige 1:0 für die Steelers aus Bietigheim. Foto: Simecek

Eishockey: Die Bietigheim Steelers feiern gegen Wolfsburg den dritten Sieg im vierten Match

Bis zur letzten Sekunde stand das Match der 2. Asstel Eishockey-Bundesliga zwischen den Bietigheim Steelers und den Wolfsburger Grizzly Adams auf der Kippe. Am Ende durften jedoch die Hausherren jubeln, während sich die Gäste sehr schwer taten, sich mit der 1:2-Pleite abzufinden. Noch rund 20 Minuten später auf der Pressekonferenz war deren Trainer Anton Krinner sichtlich angefressen.

VON MIRKO BÄHR

„Um eines gleich klarzustellen“, ließ er die Anwesenden wissen, „heute hat nicht das bessere sondern einzig und allein das glücklichere Team gewonnen.“ Seiner Mannschaft – die in den 60 Minuten eine Vielzahl guter Möglichkeiten ausließ – gab er keinerlei Schuld, er hatte vielmehr den Unparteiischen dieser Partie als Sündenbock auserkoren. Stefan Vogl hieß dieser und soll laut Krinner in zwei Schlüsselszenen voll daneben gelegen haben. „Die Leistung meiner Truppe hat gestimmt, das Ergebnis nicht“, so Krinner, dem besonders die umstrittene Szene fünf Sekunden vor dem Ende des Spiels bitter aufstieß.

 Kurz vor der Schlusssirene warfen die Wolfsburger nochmals alles nach vorn. Torhüter Seamus Kotyk verließ das Eis für einen sechsten Feldspieler. Und tatsächlich, es wurde gefährlich vor dem Steelers-Kasten. Todd Simon beförderte die Hartgummischeibe aus kurzer Distanz auf das Tor von Jason Elliott. Der war geschlagen, konnte nur noch mit ansehen, wie der Puck an das Lattenkreuz zischte und nach links weg sprang. Oder war er sogar hinter der Linie? Schiri Vogl stand zwei Meter entfernt, hatte gute Sicht und ließ weiterspielen. Kein Tor! Krinner war da natürlich anderer Meinung: „Die Scheibe war drin“, meinte er im Brustton der Überzeugung.

 Drin oder nicht? Eine knappe Entscheidung. Steelers-Coach Uli Liebsch war sich nicht sicher. Wenn man sich jedoch die Flugbahn des Pucks anschaue, dann sei es wohl eher kein Treffer gewesen, so der Trainer nach dem Match. Den Steelers kann das aber auch relativ egal sein. Am Ende stand schließlich ein hauchdünner 2:1-Sieg gegen einen ebenbürtigen Gegner, der den Hausherren alles abverlangte. Was Liebsch allerdings ärgerte, waren die Äußerungen seines Kollegen, der die Leistung der Steelers in seiner Matchanalyse doch stark abwertete. Liebsch konterte daraufhin ironisch bei seiner Spieleinschätzung: „Wir waren 60 Minuten lang hoffnungslos unterlegen. Nein, Spaß beiseite …“ Das war Krinner wohl zu viel, er ließ Pressesprecher Oliver Mayer und Steelers-Trainer Uli Liebsch auf dem Podium allein und verließ seinen Platz ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren. Ungewöhnlich.
 Liebsch ließ sich davon nicht beirren, sprach von einer „guten Teamleistung“ und davon, dass seine Mannschaft „Wille gezeigt“ hat. Man habe hart gearbeitet und ein enges Match für sich entschieden. „Ein großes Kompliment an die Truppe.“ Die musste am Sonntagabend auf Chad Allan, Jochen Molling und Philipp Schlager (alle verletzt) verzichten. Es war ein Spiel zweier Top-Mannschaften, die ohne großes Abtasten in die Partie gingen. Die 1284 Zuschauer in der Eisarena Ellental mussten 14 Minuten warten, bis sie zum ersten Mal jubeln durften. David Gosselin drückte gerade die Strafbank, als die Steelers in Unterzahl mit Tempo vor das EHC-Tor stürmten. Nick Smith lief alleine auf Kotyk zu und konnte nur mit Hilfe eines Fouls am Abschluss gehindert werden. Schiri Vogl entschied auf Penalty. Für Krinner die erste Schlüsselszene der Partie in der der Unparteiische „kein glückliches Händchen bewies“. Smith trat selbst an und versenkte das Spielgerät im Netz der Wolfsburger.
 Die Freude wehrte jedoch nur kurz. Gerade hatte der Stadionsprecher das Mikrophon aus der Hand gelegt, knallte ausgerechnet Ex-Steelers Publikumsliebling Elvis Beslagic den Puck per Distanzschuss ins SCBB-Gehäuse. 36 Sekunden nach der Führung. Im zweiten Drittel fielen keine weiteren Treffer. Die Gäste scheiterten zu Beginn des Mittelabschnitts immer wieder an Elliott, während die Liebsch-Schützlingen gegen Ende immer besser wurden, aber die Scheibe ebenfalls nicht im Kasten der Gäste unterbringen konnten.

 Gutes Unterzahlspiel der Bietigheimer im Schlussdrittel, während das Powerplay doch noch zu wünschen übrig ließ. Es gab, wie auch schon im ersten Abschnitt, einige Strafzeiten. In der 49. Minute bekam dann auch noch Terry Campbell eine zehnminütige Disziplinarstrafe aufgebrummt. Das machte den Gastgebern aber nichts aus. Im Gegenteil: Goalgetter Alexandre Jacques machte in der 50. Minute mit seinem Treffer den dritten Sieg im vierten Spiel für die Steelers perfekt. Nach diesem hartumkämpften Erfolg schob sich der SC Bietigheim-Bissingen auf den zweiten Rang vor.

 Am Freitag hatten die Steelers in Dresden die erste Saisonniederlage kassiert. Nach einem torlosen ersten Drittel hatte Rainer Suchan die Eislöwen nach 24 Minuten in Führung geschossen. Jörg Wartenberg erhöhte auf 2:0. Gleich zu Beginn des Schlussabschnitts war Bietigheim durch David Gosselin erfolgreich, doch Gregory Schmidt markierte in Minute 54 den 3:1-Endstand. Am Freitag (29. September) geht es für die Steelers mit dem Spiel in Regensburg weiter, ehe am Sonntag (1. Oktober) der ETC Crimmitschau nach Bietigheim kommt.

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