Sorry, ich muss wieder rein!

Erstellt: 30. September 2009, 00:00 Uhr
Sorry, ich muss wieder rein! Angekommen: Professor Dr. Erik Schweickert, der neue Abgeordnete der FDP, vor der Kuppel des Berliner Reichstags. Foto: p

Schweickert und Kilic in Berlin: Hektik, Emotionen und ein Ausweis, der viele Türen öffnet

Von Maik Disselhoff

Berlin/Enzkreis. Mit der Wahl in den Bundestag sind Erik Schweickert, Memet Kilic und Annette Groth schlagartig in eine ganz neue Welt katapultiert worden. Während die neue Abgeordnete der Linkspartei eine Ruhepause am Bodensee einlegte, ging es für den Liberalen und den Grünen zum Wochenbeginn schon richtig rund. Der künftige FDP-Parlamentarier Schweickert hatte sich bereits am Montag zur ersten Fraktionssitzung nach Berlin aufgemacht. Am Abend ging es dann mit dem Flieger zurück in die Heimat zur Landesvorstandssitzung – und am Morgen darauf saß der 37-Jährige erneut im Flugzeug, weil in Berlin die Wahl von Guido Westerwelle zum Fraktionsvorsitzenden anstand.

 Auf seine ersten Eindrücke angesprochen, sagt Schweickert: „Viel Neues, der Parlamentsbetrieb ist sehr interessant.“ Der Nieferner war am Montag in den frühen Morgenstunden der erste Abgeordnete überhaupt, der im Reichstag eintraf. „Ich habe den ersten Abgeordneten-Ausweis für den 17. Deutschen Bundestag ausgehändigt bekommen“, berichtet der Nieferner, der zum Auftakt schwer eingespannt ist. Während des Handy-Telefonats mit unserer Zeitung muss Schweickert mehrmals unterbrechen. „Ich muss jetzt wieder rein, eine Sitzung jagt die andere.“ Tags zuvor habe Hans-Dietrich Genscher in der Fraktion gesprochen, ein bewegender Moment, wie Schweickert sagt. Mit Guido Westerwelle hat der Neuling am Dienstag ein paar Takte reden können: „Nach der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden, zu der jeder Abgeordnete gratulierte.“

 Doch nicht nur der Parteichef bekam Glückwünsche, auch Schweickert selbst durfte etliche Hände schütteln, weil einige der Abgeordneten-Kollegen von seinem herausragenden Erststimmen-Ergebnis für die FDP erfahren hatten. Und dass gleich fünf Kandidaten aus einem Wahlkreis den Sprung nach Berlin geschafft haben, liefert

Wahlkreis sorgt für Gesprächsstoff in Berlin

ebenfalls Gesprächsstoff. „Im Flieger hat mich ein Abgeordneter der CDU darauf angesprochen“, erzählt Schweickert.

 In der nächsten Woche entscheidet sich, in welchen Arbeitskreisen der Liberale aus dem Enzkreis mitwirken wird. „Darüber herrscht erst Klarheit, wenn die Ressorts der Minister zugeschnitten sind.“

 Der Grüne Memet Kilic traf am Dienstag in Berlin ein. „Es ist alles gut gelaufen“, berichtete der Abgeordnete unmittelbar vor Beginn der ersten Fraktionssitzung und musste dabei am Mobiltelefon gegen den Lärm ankämpfen, den seine Parteifreunde im Hintergrund veranstalteten. „Ich hoffe, die sind in der Opposition auch so laut wie jetzt“, scherzte Kilic.

 Zwar sei das Parlamentsgebäude groß, doch: „Ich habe keine Orientierungsschwierigkeiten.“ Dafür gebe es zwei Gründe: Zum einen würden die Neulinge sehr gut empfangen und betreut, und zum anderen sei er bereits einige Male im Reichstag zu Gast gewesen, unter anderem als Experte für Migration und Staatsangehörigkeitsrecht im Innenausschuss. Sein Abgeordnetenbüro hat Kilic auch schon gesehen –  allerdings erst einmal nur auf dem Plan, der ihm gleich bei der Ankunft in die Hand gedrückt wurde.

 Gestern stand bei den Grünen ein erstes Kennenlernen auf dem Programm. „Wir diskutieren über die Wahlen und tauschen uns über das Ergebnis aus“, sagte Kilic, der kurzzeitig von der ehemaligen Pforzheimer Abgeordneten Marie-Luise Beck aus dem Gespräch gerissen wurde, weil diese ihren erfolgreichen Nachfolger ans Herz drücken wollte. Zu den Parteigrößen Trittin und Künast habe er noch nicht vordringen können. „Die sind die ganze Zeit von Medienleuten umringt.“ Am gleichen Abend wolle er sich noch auf den Heimweg machen, kündigte Kilic an: „Notfalls werde ich ein Abteil im Schlafwagen nehmen.“

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