Skurriler, als die Polizei erlaubt

Erstellt: 30. September 2011, 23:00 Uhr
Skurriler, als die Polizei erlaubt Aufmerksam lauscht das Publikum den Geschichten aus dem Leben von Polizisten.

Mühlacker. Dies sei das zweite Buch von Burkhard Metzger, teilte Verlegerin Brigitte Wetzel den rund 70 Besuchern, darunter zahlreiche aktive und pensionierte Polizisten, mit. Während das erste einen eher traurigen Grundton angeschlagen habe, sei das nun beim Stieglitz-Verlag erschienene neue Buch „Der betrunkene Kauz“ lustiger Natur. Beim Verfassen der knapp 40 „schlauen Polizeigeschichten“, wie es im Untertitel heißt, war Autor Burkhard Metzger nicht auf sich allein gestellt, sondern konnte auf viele „Ideengeber“ unter seinen Kollegen zurückgreifen, von denen manche Stichworte und andere fast druckreife Fassungen lieferten, wie er sagte.

Etwa 15 Geschichten gab Metzger bei der Veranstaltung, die musikalisch von Olga Rühl, Lehrerin bei der Musikschule Gutmann, auf dem Akkordeon umrahmt wurde, zum Besten. Dem Publikum gefiel es, was nicht zu überhören war. Von dezentem Kichern bis zu lautem Lachen reichten die Reaktionen des vergnügten Publikums. Kein Wunder, die Geschichten, literarisch aufgepeppt, aber wahr, warten mit komischen und gelegentlich überraschenden Wendungen und Pointen auf.

Wie etwa bei der Erzählung um die Titelfigur. Genau: der Kauz. Der wurde flugunfähig neben einer Straße bei Illingen sitzend entdeckt. Und weil er direkt neben weggeworfenen Wodkaflaschen kauerte, drängte sich den ermittelnden Beamten flugs der Verdacht auf, der Vogel könnte sich an den Alkoholresten gelabt haben und schlicht betrunken sein. Also brachten sie ihn zur Ausnüchterung auf eine Vogelpflegestation. Weil das Ganze so kurios anmutete, gab die Polizei eine Pressemitteilung über den scheinbar angezwitscherten Vogel heraus. Doch damit wurde der Eule, die so deutschlandweit zum unfreiwilligen Medienstar aufstieg, wie sich später herausstellen sollte, unrecht getan. Der arme Kauz hatte nämlich eine Verletzung am Auge und war aufgrund dieser Behinderung am Boden geblieben.

Dickhäuter verwechselt

Auto mit Zirkushocker

Auch in einer anderen Geschichte geht es tierisch zu. Hauptdarstellerin ist eine zu einem Zirkus gehörende Elefantenkuh. Diese wurde zusammen mit mehreren Artgenossen von Polizeistreifen auf dem Weg vom Güterbahnhof, wo sie mit dem Zug angekommen war, zum Festplatz eskortiert. Unterwegs kam der Tross an einem roten VW Käfer vorbei, was diesem nicht gut bekam. Denn unverhofft platzierte die Dickhäuterdame ihr ausladendes Hinterteil auf der Motorhaube des Autos, das unter dem tonnenschweren Gewicht sofort einknickte, hob anmutig die Vorderbeine und trompetete fröhlich in die Luft. Grund für das außergewöhnliche Verhalten war einfach eine Verwechslung. Zum Auftritt der Elefantin gehörte es nämlich, sich auf einem roten Hocker niederzulassen und ein herzhaftes „Töräääh“ zu schmettern.

So ganz nebenbei bekamen die Zuhörer der Lesung auch gleich einen lustigen Eindruck davon, was sich in einem Streifenwagen abspielen kann, wenn die uniformierte Besatzung etwas übermütig wird und alles, was sie verbal arglos von sich gibt, über Funk in der Zentrale mitgehört wird. Was ganz schön peinlich sein kann… Für die Beteiligten eher schmerzhaft geht es in zwei anderen Storys zu. Einmal ist ein Brautpaar Opfer einer ausgesprochen unangenehmen – für Außenstehende freilich nicht unamüsanten – Verwechslung, ein anderes Mal leidet ein Polizist unter der gut gemeinten, aber leider fehlgeleiteten Hilfeleistung seines Kollegen, als sich bei einer Auseinandersetzung mit einem Festgenommenen der Delinquent an seiner Dienstwaffe vergreifen will.

US-Soldatin fürchtet sich

vorm schwarzen Mann

Wiederum umso köstlicher – und gänzlich unfallfrei – ist dann die Geschichte „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“. Andere Länder, andere Sitten, könnte der Untertitel dazu lauten. Der Inhalt in Kürze: Bei der Polizei geht – noch zu Zeiten des Kalten Krieges – ein Anruf eines Diensthabenden der Nike-Station bei Wurmberg ein, wo in den 1970er Jahren eine US-amerikanische Raketeneinheit stationiert war. Eine 19-jährige Soldatin bemerkte eine äußerst beunruhigende männliche Gestalt, die Einlass begehrte. Schwarz gekleidet sei der Mann, der sein Gesicht, wohl zur Tarnung, mit Ruß geschwärzt habe. Außerdem trage der Finsterling eine kugelförmige Waffe mit stabilem Stahldraht, die er um die Schulter geschlungen trage. Kein Zweifel: Der Kerl, Typ Einzelkämpfer, führe wohl Schlimmes im Schild. Doch die junge Soldatin zeigt Mut, greift zum Gewehr, legt auf den „Angreifer“ an und schlägt ihn prompt in die Flucht. Nur, dass der getarnte Unhold keiner war – sondern, wie sich später zeigte, ein harmloser Schornsteinfeger in normaler Berufskleidung. Für die junge Frau aus dem Mittleren Westen der USA war dies einfach ein unvertrauter Anblick.

Mit seinem Buch beweist Autor Burkhard Metzger, dass Polizisten Respektspersonen sind, aber durchaus über sich selbst lachen können. Am Ende der Präsentation hatte er zahlreiche Exemplare zu signieren. Wie Angelika Wetzel, Leiterin der Buchhandlung, feststellte, ging auch rasch eine stattliche Anzahl von Büchern über die Ladentheke.

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