Skinheads in Schlägerei verwickelt

Erstellt: 30. Mai 2006, 00:00 Uhr

Faustschlag, fliegender Bierkrug und Tränengas – Ablauf nicht geklärt – Rechte haben Sitz in Mühlacker

Mühlacker – Mühlacker gilt als der Sitz einer Enzkreis-weiten rechten Vereinigung. An Himmelfahrt (Vatertag) ist es auf dem Festplatz zwischen Mühlacker und Lomersheim zu einer Schlägerei gekommen, in die Mitglieder der Gruppierung verwickelt waren. Einen politischen Hintergrund sieht die Polizei, die noch ermittelt, bislang nicht.

VON THOMAS SADLER

Bislang liegen viele Einzelheiten im Dunkeln. Nach Angaben von Wolfgang Schick, Sprecher der Polizeidirektion Pforzheim, wurde die Polizei am Donnerstag um 21.55 Uhr alarmiert, woraufhin die Beamten mit drei Streifenwagen, also sechs Mann, sowie einem Hundeführer und seinem Hund ausgerückt seien.

 Ergebnis der bisherigen Ermittlungen: Ein 28-Jähriger versetzte einem 29-Jährigen einen Faustschlag. Ein weiterer Mann, ein 27-Jähriger, bekam einen Bierkrug in den Rücken geworfen. Das Opfer des Fausthiebes wiederum setzte Tränengas ein. Indes sei der genaue Ablauf des Streits, dessen Beteiligte sämtlich aus Mühlacker und Umgebung stammten, nach wie vor ungeklärt, so Schick gestern auf MT-Anfrage. Klar sei schlicht: „Es kam zu Körperverletzungen.“ Zumindest bei einem Teil der Streithähne soll es sich um Personen der rechten Szene aus dem Umfeld der Stallhaus Germany Enzkreis handeln. Die Mitglieder dieser Vereinigung treffen sich nach Recherchen unserer Zeitung in Lomersheim – in Räumen eines Firmenareals.

 „20 bis 25 Leute“, schätzt Wolfgang Schick, gehören „zum engeren Kreis“ der Rechten des Bereiches Mühlacker. Darüber hinaus existiere noch „ein Umfeld“.
 Die Ermittlungen nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen auf dem Festplatz führe das Polizeirevier Mühlacker, sagt Schick. Der polizeiliche Staatsschutz sei nicht eingeschaltet, weil bei dem Zoff „keine politisch motivierte Straftat“ verübt worden sei. Vermutlich hätten die Rechten lediglich „einen Ausflug“ zum Festplatz machen wollen. Veranstalter des dortigen Vatertagsfestes war der Verein 7130 Rocker e.V., der am Freitag darauf am selben Ort ein Open-Air-Konzert veranstaltet hat. Wie ein Mitglied des Clubs, dessen Angehörige „junge Leute zwischen 25 und 32 Jahren“ seien, die Rockmusik mögen und mit der Lebenshilfe zusammenarbeiten, dem Mühlacker Tagblatt sagte, seien am Donnerstagabend „circa 15 Rechte, Skinheads“ zu dem Fest der Rocker gestoßen. Möglicherweise hätten sich dort auch ein paar „Punks“ aufgehalten.

„Provoziert wurde wohl von beiden Seiten“

Wer den handfesten Krach vom Zaun gebrochen habe, wisse er nicht, so das Mitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte. „Provoziert wurde wahrscheinlich von beiden Seiten.“ Wobei die Rechten gegenüber anderen Besuchern der Fete auch für sie typische nationalistische Sprüche geklopft hätten. Während der Rauferei „haben zwei oder drei von ihnen ordentlich was abgekriegt“.

 Die Polizei sei vom 7130 Rocker e.V. gerufen worden, welche die Lage dann vor Ort sondiert und „ein paar Personen mitgenommen“ habe.

 Die Polizei überwache die rechte Szene regelmäßig, teilt Wolfgang Schick mit. Die Staatsschutzabteilung habe Kontakt zu den Rechten und wirke schon im Vorfeld von Konzerten auf sie ein, um so bereits im Vorfeld etwaigen Ärger zu verhindern. Auch bei den Veranstaltungen selbst „zeigen wir Präsenz“. Wie zum Beispiel im Oktober vorigen Jahres bei einem von Stallhaus Germany Enzkreis organisierten Konzert mit einer Band aus Rheinland-Pfalz, an dessen Rand die Polizei Softairwaffen und Kampfmesser sicherstellte.

 Wohl gerade weil Stallhaus sein Zentrum im Raum Mühlacker hat, finden im östlichen Enzkreis immer wieder rechte Events mit Besuchern aus verschiedenen Bundesländern und sogar aus dem benachbarten Ausland wie der Schweiz statt. Die Einladungen erfolgten über „Mundpropaganda“, Telefon und Internet sowie per E-Mail. Gerade Musik mit aggressiven Texten und Rhythmen sei generell „ein wichtiges Medium“ für Rechte, um ihre Botschaften zu transportieren, weiß der Polizeisprecher.

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