Silvesterknallerei kann Tiere schrecken

Erstellt: 30. Dezember 2006, 00:00 Uhr
Silvesterknallerei kann Tiere schrecken Felicia Ruhland sieht mit ihren Tieren gelassen der Silvesterknallerei entgegen. Foto: Stahlfeld

Amtstierarzt Dr. Ulrich Dura: Jedes Lebewesen reagiert anders – Hunde und Katzen mit Musik ablenken

Enzkreis – Erst knallen die Sektkorken, dann krachen die Silvesterraketen in den Nachthimmel: Eine Woche nach der „Stillen Nacht“ wird morgen lautstark das „Neue Jahr“ begrüßt. Eine Tradition, die Besitzer von Haustieren zum Teil vor besondere Herausforderungen stellt. Denn die bunte Knallerei kann selbst dem ausgebildeten Schutzhund an die Nerven gehen.

VON ULRIKE STAHLFELD

Chips, der Schäferhund-Mischling von Thomas Köberle aus Mühlacker, ist als ausgebildeter Schutzhund normalerweise ein eher mutiger Vierbeiner. Das ändert sich in der Silvesternacht schlagartig. „An Neujahr ist das eine Katastrophe. Chips hat totale Angst, wenn es kracht und knallt“, so sein Herrchen. Silvesterraketen verwandeln den „Macho“, wie Köberle alljährlich feststellt, in ein Sensibelchen.

 Da bleibt dem Hundebesitzer nur noch eines übrig: selbst ruhig bleiben, Rollläden runterlassen und klassische Musik abspielen, damit der Vierbeiner nichts merkt. Köberle: „Man kann nicht einfach rausgehen und mit dem Hund das Feuerwerk gucken.“

 Eine Erfahrung, die auch Dr. Ulrich Dura jedes Jahr aufs Neue macht. Der Leiter des Verbraucherschutz- und Veterinäramtes beim Landratsamt Enzkreis ist selbst Besitzer zweier Hunde. Die reagieren ganz unterschiedlich. Der eine, so der Tierarzt, sei „schießfest“ und verhalte sich ganz gelassen, der andere hingegen erschrecke bei jedem Knall.

 Ob ein Haustier nun schreckhaft ist oder nicht, führt Dura auf die unterschiedliche Gemütsausprägung der Tiere zurück, wie sie es auch bei den Menschen gibt. Umwelteinflüsse, die sich normalerweise über den Tag verteilten, konzentrierten sich beim Feuerwerk auf einen Punkt, und das sei für manches Tier einfach zu viel, weil ungewohnt. Der Amtsleiter hält es deshalb für unklug, am Altjahrsabend um 23 Uhr mit seinem Hund Gassi zu gehen. Er rät stattdessen dazu, ein schreckhaftes Tier im Haus zu lassen. Dura. „Der Hund sollte da sein, wo er sich sicher fühlt und sich zurückziehen kann.“

 Zugleich rät er von allzu großer Rücksichtnahme ab: „Ich halte es für übertrieben, in die Höhen des Nordschwarzwaldes zu gehen, bloß weil es dort ruhig ist.“ Tiere müssten auch an normalen Tagen den einen oder anderen Knall aushalten können. Im Übrigen führe ein zu intensives Kümmern dazu, dass der Vierbeiner seine Angst um so stärker auslebe. „Es ist ein Tag wie jeder andere auch, nur dass es draußen etwas mehr knallt“, so Dura. Vor allem aber sollte sich auch der Besitzer so normal wie möglich verhalten.
 Gelassen sieht denn auch Felicia Ruhland vom Gnadenhof in Illingen dem kommenden Jahreswechsel entgegen. Zu den 75 ständigen Bewohnern von „Animal hope“ sind zum Jahreswechsel zehn weitere Tiere hinzugekommen. „Sie wurden speziell wegen Silvester bei uns in Sicherheit gebracht, weil es hier ruhiger ist“, erzählt die Tierkennerin.

 Auch sie hat ihre speziellen Rezepte gegen die Angst bei Tieren. So wird in der Silvesternacht im Hundehaus das Licht brennen und das Radio spielen. Felicia Ruhland: „Damit die Tiere nichts mitbekommen.“ Gleiches gelte für die Katzen. Ganz sensibel reagierten die Waschbären. Die Tierschützerin: „Denen geht’s auf die Nerven, die tigern aufgeregt hin und her.“ Damit die Wildtiere nicht ganz verstört würden, bekämen sie Globuli.

 Das ist bei den Pferden nicht nötig. „Die stehen wie die Orgelpfeifen im Stall und schauen interessiert dem Feuerwerk zu“, erzählt Felicia von den Beobachtungen der letzten Jahre. Auch in der kommenden Silvesternacht wird sie wieder zu ihren Rundgängen aufbrechen und nachsehen, ob auch tatsächlich alles in Ordnung ist und auch alle Tiere gut ins neue Jahr „reinrutschen“.

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