Seltener Gast ist kein Schmusetier

Erstellt: 6. April 2011, 00:00 Uhr
Seltener Gast ist kein Schmusetier Waschbären mit ihrer typischen „Gesichtsmaske“ sind auch im Enzkreis zuhause. Die Chance, eines der flinken Tiere zu Gesicht zu bekommen, ist bislang jedoch nicht allzu groß. Foto: Fotolia

Jäger bestätigt: Waschbär streift auch durch die Region

Von Maik Disselhoff

Enzkreis. Ein von der Pforzheimer Polizei gemeldeter Wildunfall mit einem Waschbär in der Nähe von Pforzheim macht stutzig, denn bisher ist das Tier, das in einigen Teilen Deutschlands längst ein alter Bekannter ist, in der Region offiziell noch gar nicht angekommen.

In Nordhessen, speziell im Raum Kassel, sorgt der Kleinbär, der ursprünglich aus Nordamerika stammt und sich auf alle Lebensbedingungen einstellen kann, schon seit längerer Zeit für Schlagzeilen. Dort durchwühlt der Allesfresser gerne Mülltonnen, nistet sich in Schuppen und Gartenhäuschen ein und hat sich bereits zu einer Plage entwickelt.

 Der Mühlacker Natur- und Tierexperte Klemens Köberle hat zwar noch keinen Waschbären mit eigenen Augen gesehen, hält es aber durchaus für möglich, dass sich das intelligente Säugetier mittlerweile auch im Enzkreis niedergelassen hat. Diese Einschätzung teilt Dietmar Gretter, Geschäftsführer des Naturparks Stromberg-Heuchelberg. Der Autofahrer, der auf einer Landstraße zwischen Pforzheim und Würm mit seinem Wagen auf einen Waschbär prallte, muss sich also nicht geirrt haben.

 Gretter berichtet, dass es in Deutschland mittlerweile eine stabile Population gebe. „Waschbären breiten sich stark aus, es kann sein, dass sie inzwischen auch im Enzkreis zuhause sind.“ Doch zu Gesicht bekommen hat auch Gretter noch kein Exemplar. „Im Nachbarkreis Heilbronn ist der Waschbär jedoch schon gesichtet worden“, weiß der Verantwortliche des Naturparkzentrums.

 Handelt es sich bei dem Tier, das von der Polizei gemeldet wurde, womöglich doch nur um ein Phantom? Der erfahrene Jäger Horst Maier kann Licht ins Dunkel bringen: „Die gibt’s hier durchaus“, betont Maier, dessen Revier bei Illingen an die 2000 Hektar umfasst. Er habe im Laufe der Zeit selbst drei Waschbären erlegt. Die Chance, in freier Wildbahn eines der kleinen und sehr flinken Tiere zu entdecken, sei dennoch bislang sehr klein, sagt Maier, der anmerkt: „Die Tiere sind in unserer Region momentan noch keine Plage.“ Allerdings, so Maier, stellten die Allesfresser für viele andere heimische Tierarten wie Hase, Fasan und Rebhuhn eine Bedrohung dar. „Außerdem fressen Waschbären auch die Gelege von Bodenbrütern.“

 Für den Menschen sei der Waschbär ungefährlich, sagt der Schützinger Jäger Maier. Doch Dietmar Gretter warnt: „Es ist nicht ratsam, die Tiere zu streicheln.“ Fühle sich ein Waschbär bedroht, setzte er sich zur Wehr. „Eigentlich sind sie nicht aggressiv, aber sie können beißen.“

 Auch Klemens Köberle betont, dass die Tiere jähzornig sein können, wenn sie etwas nicht bekommen. „Waschbären haben einen ausgeprägt starken Charakter.“

Info:
Waschbär
Der größte Vertreter aus der Familie der Kleinbären stammt ursprünglich aus Nordamerika und breitet sich längst auch in Deutschland immer weiter aus.
 Waschbären (lateinisch: Procyon lotor) sind Allesfresser und bringen bis zu neun Kilo auf die Waage. In Gefangenschaft gehaltene Tiere tauchen ihre Nahrung oft unter Wasser, was als „Waschen“ gedeutet wurde, vermutlich jedoch eine Leerlaufhandlung zur Imitation der Nahrungssuche an Fluss- und Seeufern ist, wo das Tier unter Steinen und anderen Verstecken nach Kleintieren sucht. In Gefangenschaft kann der intelligente Säuger über 20 Jahre alt werden. (Quelle: Wikipedia)

Weiterlesen
40-Tonner rasiert Brückengeländer

40-Tonner rasiert Brückengeländer

Auflieger gerät auf der B10 bei Illingen ins Schlingern und zieht eine Schneise der Verwüstung Illingen – Verbeultes Blech, verbogener Stahl, ein Haufen Schrott: Ein 40-Tonnen-Sattelzug hat auf der B10-Brücke über… »