Schwitzen in der prallen Sonne

Erstellt: 29. Juni 2011, 00:00 Uhr
Schwitzen in der prallen Sonne Erfrischung wird im Naturfreibad „Tiefer See“ in Maulbronn gesucht und gefunden.

33,9 Grad am Nachmittag: Die erste Hitzewelle des Jahres trifft die Region

Die erste Hitzewelle des Sommers hat Mühlacker erreicht. Exakt 33,9 Grad hat gestern um 17 Uhr die Meteomedia-Wetterstation bei den Stadtwerken gemessen. Ein Tag der Extreme: Während Gleisarbeiter am Mühlacker Bahnhof in der prallen Sonne schwitzen, genießen nur wenige Hundert Meter weiter die Wasserratten im Freibad den Tag.

Von Volker Henkel und Frank Goertz

Mühlacker/Enzkreis. „Die 33,9 Grad sind bislang der Rekord in diesem Jahr“, meldet Eckhard Buhl, der bei den Stadtwerken die Wetterstation betreut. Sie übertreffen sogar noch den Maximalwert vom Montag, als die Lufttemperatur um 17 Uhr exakt 33,2 Grad betrug. Auch die Nacht auf den gestrigen Dienstag wartete mit lauen Lüften auf. „Um sechs Uhr haben wir 18,8 Grad gemessen. Das war der 12-Stunden-Minimalwert“, so Buhl. Kein Vergleich zu den 8,6 Grad, die am 10. Juni gemessen wurden und die den unteren Level der Juni-Wetterdaten markieren.

Trotz der Rekordhitze der vergangenen beiden Tage – der Juni 2011 präsentiert sich eher durchschnittlich. „Auch in den vergangenen Jahren hatten wir im Juni immer Tage mit Temperaturen über 30 Grad“, räumt Buhl mit der Vorstellung auf, dass es noch nie so früh im Jahr so heiß war. Auch beim Niederschlag präsentiert sich der Juni unauffällig. „Wir hatten bis jetzt 58,8 Millimeter Niederschlag“, berichtet Buhl. „Damit liegen wir in der guten Mitte. Vor einem Jahr brachte der Juni nur 21,6 Millimeter Niederschlag, während es 2007 knapp 130 Millimeter waren.“

„Schlaflose Nächte habe ich derzeit nicht“, sagt Wengerter Frank Jaggy aus Ötisheim-Schönenberg. Die Trockenheit bereite ihm nur bei den jungen Reben ein wenig Kopfzerbrechen. Bei ihnen kräuseln sich leicht die Blätter, weil deren Wurzeln noch nicht so tief kommen. Auf einer Fortbildung hat Jaggy erfahren, dass die Regenmenge auch in Zukunft wohl gleich bleiben werde, aber: Sie verteilt sich nicht mehr so. „Es wird extremer“, weiß Frank Jaggy. Deshalb mache er sich Gedanken über Bewässerungsmöglichkeiten für die jungen Reben, die bei ihm auf 1200 Quadratmetern stehen. Beim Landratsamt hat er bereits eine Anfrage gestellt, ob er mit einem Brunnen Grundwasser nutzen kann.

Obwohl für Wetterexperten wie Eckhard Buhl im Juni 2011 alles im grünen Bereich ist, stöhnen viele Arbeiter mit heißen Jobs über die körperliche Belastung. „Die erste Hitzewelle ist immer die Schlimmste“, weiß Werner Abele, Geschäftsführer der Gießerei MDS Abele. Die Arbeiter an den Maschinen seien noch nicht an die hohen Temperaturen gewöhnt, da könne nicht jeder seine gewohnte Leistung abrufen. Durch die Belastung könne es auch zu Krankheitsausfällen kommen. „Diese Situation wiederholt sich jedes Jahr“, sagt Abele, in dessen Betrieb überall Wasserbehälter stehen, damit die Arbeiter ihren Flüssigkeitsverlust sofort wieder ausgleichen können.
„Ich trinke mindestens drei Liter“, erklärt Dürrmenz-Bäcker Dieter Slobodkin. Dass während seiner Arbeitszeit – zwischen 2.30 Uhr und 12 Uhr – die Außentemperaturen noch halbwegs erträglich sind, davon haben Slobodkin und sein Team nichts. „Die Backstube kühlt überhaupt nicht mehr aus, selbst wenn wir alle Fenster öffnen“, so Slobodkin. Irgendwas zwischen 35 und 40 Grad würden in der Backstube herrschen. „Wir arbeiten dann schneller“, ist Slobodkin trotz der schweren Bedingungen noch zu Scherzen aufgelegt. Überhaupt nimmt er die Dinge, wie sie kommen: „Vom Schwitzen ist noch keiner gestorben“, stellt er fest. „Aber erfroren sind schon viele.“
Während „Hitzefrei“ am Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasium kein Thema ist, hat die Schillerschule inzwischen alle Eltern angeschrieben, dass sie bei Temperaturen über 30 Grad die Kinder um 12 Uhr nach Hause schicken könnte. „Sollten die Eltern aber ein Problem damit haben, etwa weil sie berufstätig sind und niemanden haben, der auf die Kinder aufpasst, kümmern wir uns natürlich auch nach 12 Uhr um die Kinder“, stellt Schulleiterin Waltraud Schellenberger-Hagenbucher klar. Beim Nachmittagsunterricht werde allerdings kein Lehrstoff vertieft oder neuer angefangen, damit die Kinder, die früher nach Hause dürfen, nicht ins Hintertreffen geraten. Die meisten Eltern, berichtet Schellenberger-Hagenbucher, hätten jedoch ihre Zustimmung gegeben, dass die Kinder bei großer Hitze um 12 Uhr nach Hause kommen. Das dürfte aber die nächsten Tage nicht der Fall sein. Laut den Wetterfröschen von Meteomedia, dürfte die Maximaltemperatur ab morgen noch nicht einmal an der 20-Grad-Marke kratzen.

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