Schwerer Schlag für Adlerbräu

Erstellt: 22. Januar 2010, 00:00 Uhr
Schwerer Schlag für Adlerbräu Geschockt: Adlerbräu-Chef Robert Volk im Sudhaus, wo die Auszubildende Christin Fix die Verschmutzungen durch das herabtropfende Wasser beseitigt. Foto: Disselhoff

Rohrbruch bringt Wiernsheimer Traditionsbrauerei in große Bedrängnis – Höhe des Schadens ist noch nicht abzusehen

Vor der morgendlichen Vesperpause ist die Welt noch in Ordnung. Doch als sich das Team der Wiernsheimer Adler-Brauerei wieder an die Arbeit machen will, steht alles unter Wasser. Ein Rohrbruch flutet das Gebäude.

Von Maik Disselhoff

Wiernsheim. Den gestrigen Donnerstag wird Robert Volk so schnell nicht vergessen. Wenige Minuten dauerte es, dann stand seinem Traditionsunternehmen das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Ein Rohrbruch ausgerechnet im vierten und obersten Stockwerk setzte gegen 9 Uhr fast die gesamte Brauerei unter Wasser. „Das Wasser tropfte von der Decke und strömte uns auf der Treppe entgegen“, berichtet Volk von den ersten Schrecksekunden. Der 45-Jährige hetzte zum Haupthahn und stellte das Wasser ab – zu spät. „Das ganze Gebäude ist durchtränkt“, sagt der Inhaber und Geschäftsführer, der angesichts der Dimensionen des Zwischenfalls noch nicht weiß, wie es weitergehen soll. „Das kann existenzbedrohend für uns werden.“

 Konkrete Schätzungen zum Sachschaden sind noch nicht möglich. „Von 10000 bis 100000 Euro ist alles drin“, macht der Bierbrauer deutlich. Fatal ist für den Geschäftsmann, dass die Versicherung für den Wasserschaden nicht aufkommen wird. „Ich habe gedacht, solch ein Schaden wäre über die Gebäudeversicherung abgedeckt, doch das ist nicht der Fall.“ Gleich nach der Entdeckung des Malheurs alarmierte Volk die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte aus Wiernsheim und Pinache waren schnell vor Ort und brachten die Pumpen in Stellung.

 Noch am Vormittag begannen im dritten Stock in der Lehrlingswohnung die ersten Abbrucharbeiten. „Wegen der Schimmelgefahr müssen wir die Holzkonstruktion abreißen.“ Dadurch fehlt Christin Fix, einer von zwei Auszubildenden bei Adlerbräu, ein Dach über dem Kopf. „Wir werden sie vorerst bei uns zuhause unterbringen“, erklärt Volk, der das 1865 gegründete Unternehmen Adlerbräu seit 1997 zusammen mit seiner Frau Ramona Jentzsch-Volk führt.

 Unglückstag beschert zusätzlich noch einen Getriebeschaden am Lkw

 Nach dem schwarzen Donnerstag droht dem Traditionsbetrieb im schlimmsten Fall das völlige Aus. Zumal es die kleine Brauerei ohnehin nicht leicht hat, wie Robert Volk deutlich macht: „Wir müssen uns als ,Zwerg‘ in einer hart umkämpften Branche behaupten und haben das bislang über die einzigartige Qualität unseres Produkts auch geschafft.“ Doch ob der langfristige Plan, die Brauerei an den ältesten Sohn Leopold zu übergeben, jetzt noch aufgeht, wissen die Volks seit gestern nicht mehr mit Sicherheit. Erst im Dezember musste der Betrieb einen Brandschaden verkraften. „Da ist uns ein Brenner verlorengegangen.“ Weil ein Unglück selten allein kommt, habe gestern auch noch sein Mitarbeiter Ralf Feil per Telefon über einen Getriebeschaden an dem Lkw informiert, der für die Getränkeauslieferung eingesetzt wird. Bei so viel Pech befürchtet Volk, dass es der Betrieb im schlechtesten Fall nicht aus eigener Kraft schaffen wird, wieder auf die Beine zu kommen.

 Warum die Leitung mit fünf Zentimetern Durchmesser brach, ist noch unklar. Volk: „Wahrscheinlich ist das Rohr einfach korrodiert. Ein Frostschaden kann es nicht gewesen sein, die Leitung war beheizt.“

 Das Bier, das bis zum Rohrbruch bereits produziert war, konnte gerettet werden. „Doch die zehn Tonnen Malz, die im Turm lagern, sind gefährdet“, sagt Volk. Im schlimmsten Fall verschimmelt der Rohstoff, der einen Wert von 5000 Euro hat.

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