Schwarze Schafe am Rande des grünen Rasens

Erstellt: 31. Oktober 2006, 00:00 Uhr
Schwarze Schafe am Rande des grünen Rasens Ohne Moos nix los: Dieses Motto gilt natürlich auch für die vielen Fußballvereine in der Region. Foto: Bähr

Einige Fußballfans bezahlen keinen Eintritt – Kein neues Problem – Vereine sind auf das Geld angewiesen:

Einige Zuschauer von Fußballpartien in den unteren Spielklassen können bei einer schlechten Leistung ihrer Mannschaft das Eintrittsgeld gar nicht zurückfordern. Warum? Weil es manche erst gar nicht für nötig halten, vor dem Anpfiff einen Obolus zu entrichten. Dabei sind gerade die unterklassigen Vereine auf das Geld angewiesen.

VON MIRKO BÄHR

Es gibt viele Wege, um bei einem Fußballspiel gratis dabei zu sein. Entweder nimmt man einfach einen Nebeneingang des Sportgeländes oder dreht so lange seine Runde um das Spielfeld, bis die Platzkassierer ihre Arbeit beenden. Auch die Palette der Ausreden ist unerschöpflich, allerdings auch schon ziemlich alt und abgedroschen. Am Wochenende wurde am Rande des MT-Spiels in Ötisheim über die schlechte Zahlungsmoral mancher Zuschauer geklagt. Das Mühlacker Tagblatt hat nachgefragt.
 Dieses Problem kennt auch der Pforzheimer Kreisvorsitzende Gerhard Schwörer, allerdings ist es alles andere als neu. „Solche Menschen gibt es schon seit 100 Jahren“, sagt Schwörer. Es sei schon immer eine Einstellungssache gewesen. „Manche drücken sich eben“, so Schwörer, der auch die „1000 Ausreden“ ganz genau kennt. Er selbst besucht als Funktionär umsonst zu den Partien im gesamten Gebiet des Badischen Fußballverbandes, aber auch die Vereinsverantwortlichen der Clubs aus dem Pforzheimer Kreis haben diese Möglichkeit. Speziell für sie wurden zu Beginn der Saison fünf Saisonkarten herausgegeben. Auch die Reservespieler, die das Vorspiel bestreiten und sich somit schon auf dem Sportgelände aufhalten, müssen ebenfalls nichts berappen.

 Der Rest zahlt. Sollte er zumindest. Vor allem viele junge Leute würden sich aber einen Spaß daraus machen und erst gar nicht die Geldbörse öffnen. Was die Vereine aber alles andere als lustig finden. Die sind nämlich mehr denn je auf das Eintrittsgeld angewiesen. Mit diesen Einnahmen können im besten Fall die Schiedsrichterkosten abgedeckt werden. Bei einem Derby gelingt das dann auch mal, meistens reichen aber die Zuschauereinnahmen nicht einmal dafür aus. Vor allem, wenn der Unparteiische einen langen Anfahrtsweg hat und die Zahl der Anhänger zu wünschen übrig lässt.
 Die Preise, um sich im Fußballkreis Pforzheim eine Begegnung anzusehen, sind laut Schwörer durchaus „moderat“. Seit der Umstellung auf Euro bezahlen die Schlachtenbummler drei Euro für eine Kreisligapartie, 2,50 Euro für die KreisklasseA1 und 2,20 Euro für eine Begegnung der B-Liga. Die Preise sind einheitlich festgelegt. Ermäßigte Tickets kosten jeweils 50 Cent weniger, auch Mitglieder des Heimvereins kommen in den Genuss eines Rabatts. Frauen und Jugendliche unter 16 Jahren müssen keinen Eintritt löhnen.

 Bernd Jung, Abteilungsleiter vom TSV Ötisheim, erklärt, dass es „diese Schlitzohren“ schon früher gegeben habe. Aber, dass die Zahl der schwarzen Schafe angestiegen sei, könne er so nicht behaupten. Schwörer ist da etwas anderer Meinung. Die Zahlungsmoral nehme seiner Meinung immer mehr ab. „Viele Leute können sich das nicht mehr leisten“, sagt der Kreisvorsitzende, der an Staffeltagen von verschiedenen Vereinen auf dieses Thema angesprochen worden ist.

 Hugo Kurfiß vom TSV Großglattbach (Bezirk Enz/Murr) macht nochmals deutlich, wie sehr die Vereine auf die Zuschauereinnahmen angewiesen seien. Doch habe es die Fans, die durch das Hintertürchen auf den Sportplatz kommen, schon immer gegeben. In Großglattbach sei das Problem weniger akut, schließlich habe man über dieses Thema innerhalb des Vereins noch gar nicht sprechen müssen. Das liegt allerdings auch am TSV-Sportgelände. Da gibt es nur einen Zugang, und dadurch könne man das Gelände einfacher überwachen. Das ist aber nicht überall so.

 Ein Problem, das es schon von jeher gibt? Auch Hansjörg Arnold, Vorsitzender des Fußballbezirks Enz/Murr, ist dieser Meinung. Klagen von Vereinen sind noch nicht bei ihm angekommen. „Wir führen keine Statistik, das regeln die Vereine mit ihrem Ordnungsdienst selbst“, so Arnold, in dessen Bezirk es keine einheitlichen Eintrittspreise gibt. In der Regel pendeln diese zwischen zwei und vier Euro. Eigentlich ein überschaubarer Betrag, der jedoch für die Clubs von großer Bedeutung sein kann. Das findet auch Gerhard Schwörer: „Für manche Vereine werden Zuschauereinnahmen sogar zu einer Existenzfrage.“

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