Schwachsinnige Tat eingestanden

Erstellt: 13. Juni 2008, 00:00 Uhr

Ausbruchsversuch mit vermeintlicher Geiselnahme: Zwei junge Männer zu 20 Monaten Haft verurteilt

Pforzheim (weg) – Ein Ausbruchsversuch aus der Justizvollzugsanstalt Pforzheim hat nun sein gerichtliches Nachspiel gefunden. Zwei junge Männer sind zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden.

Noch 20 Meter fehlten bis zur Tür in die Freiheit. Sieben Türen der Justizvollzugsanstalt Pforzheim hatten Max und Richard (Namen geändert) schon bewältigt. Aber da nützte ein Beamter eine Sekunde der Unachtsamkeit von Max und sprühte dem 22-Jährigen Pfeffer in die Augen. Max ließ das Messer fallen, das er seinem Mitgefangenen Richard an den Hals gehalten hatte, und wurde niedergerungen.

 Es war ein dilettantischer Ausbruchsversuch, wie ein Kriminalbeamter vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Karl-Michael Walz aussagte. Selbst wenn es den beiden gelungen wäre, die Torwache zum Öffnen der letzten Barriere zu bewegen, denn: „Bei Geiselnahme fährt das volle Programm auf“, sagte Richards Verteidiger.

 Als die „Geisel“ Richard „befreit“ war, stellte sich heraus, dass der ein guter Schauspieler ist, der mit Max unter einer Decke steckte. Am späten Nachmittag des 4. Dezember hatten die beiden aus einem Rasiermesser eine Waffe gebastelt und dann den Notruf betätigt. Der Vollzugsbeamtin, die einen Blick in die Zelle warf, rief einer zu, dass sie schrecklichen Krach miteinander hätten. Die Frau alarmierte Kollegen und öffnete die Tür. „He Alte, mach keine Faxen, sonst ist der tot!“, warnte Max. Er schob Richard vor sich her, dem er das Rasiermesser an den Hals hielt.

 Die beiden jungen Männer hatten sich erst an jenem 4. Dezember kennen gelernt. Max hatte am Vormittag eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten erhalten. Richard (21) erzählte ihm, dass er unter Druck stehe, weil sein Kind krank sei und seine Frau ihn brauche. Er müsse noch so lange sitzen, das halte er nicht aus. In Wirklichkeit hatte der Sohn aus gutem Elternhaus nur ein Jahr vor sich. Unbelehrbar hatte er seiner Leidenschaft für teure, schnelle Autos gefrönt, auch ohne Führerschein, bis der Geduldsfaden der Gerichte gerissen war. Max, vielfach vorbestraft vor allem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, hatte dem neuen Freund „unbedingt helfen“ wollen.

 Staatsanwalt Stephan Höll sah einen Fall von besonders schwerer Gefangenenmeuterei. Die Angeklagten hätten „hohe kriminelle Energie“ entwickelt. Für sie spreche allerdings ihr offenes Geständnis. Er beantragte für beide eine Strafe von zwei Jahren. Für Max bat seine Verteidigerin um eine solche unter zwei Jahren. Es sei eine „schwachsinnige Tat mit gravierenden Folgen“ gewesen. „Menschlich nachvollziehbar“ nannte Richards Verteidiger dessen Verzweiflungstat. Er plädierte auf eine 18-monatige Haft. Die Richter kamen zu einer Strafe von 20 Monaten für beide.

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