Schützingen steht vor Quantensprung

Erstellt: 29. September 2006, 00:00 Uhr
Schützingen steht vor Quantensprung Fehlender DSL-Anschluss als Standortnachteil: das Autohaus Glaser. Foto: Eier

Vereinbarung schafft die Möglichkeit zum DSL-Anschluss – Voraussetzung: Es gibt genügend Interessenten.

Illingen-Schützingen –  „Der Durchbruch“, jubelt Bürgermeister Harald Eiberger, „ist geschafft.“ Nach zähem Ringen soll auch im Illinger Ortsteil Schützingen in Bälde das DSL-Zeitalter anbrechen. Jedenfalls dann, wenn sich genügend Einwohner für das schnelle Datennetz interessieren.

VON THOMAS EIER

Läuft alles nach Plan, meint der Illinger Rathauschef optimistisch, könnte Schützingen schon zu Ostern 2007 auf dem neuesten Stand der Technik verkabelt sein. „Der Gemeinderat hat gestern Abend dem Verhandlungsergebnis mit der Telekom-Tochter T-Com zugestimmt“, verkündete Eiberger am Donnerstagvormittag.

 Als die ersten, nachdrücklichen Forderungen nach einem DSL-Anschluss in Schützingen erhoben wurden, war der heutige Bürgermeister noch gar nicht im Amt. „Es ist ein Thema, das die Bevölkerung seit Jahren bewegt“, hat Eiberger festgestellt. Zeigten doch die potenziellen Netzbetreiber trotz der Bemühungen der Gemeinde jahrelang wenig Interesse an Investitionen im beschaulichen Schützingen. „Eine Verpflichtung für eine flächendeckende Versorgung gibt es nicht“, nennt Eiberger die rechtliche Ausgangsposition. Bedeutet: Alles hängt letztlich davon ab, ob im 900-Einwohner-Ort ein Geschäft zu machen ist.

 Ihren Teil dazu können und müssen die Gemeinde Illingen und insbesondere die Schützinger leisten. Zwar wollte Bürgermeister Harald Eiberger noch keine Details zur Vereinbarung mit der Telekom verraten, doch braucht es nach MT-Informationen mindestens um die 100 bis 130 Interessenten, bevor der Netzbetreiber tatsächlich in Schützingen aktiv wird. Weil dazu aber Investitionen im sechsstelligen Bereich nötig werden, ist selbst bei 130 Teilnehmern noch kein Geld verdient, weshalb die Gemeinde einspringt. „Wir leisten einen finanziellen Beitrag“, lässt Eiberger durchblicken. Ein Prinzip der Vereinbarung könnte also lauten: Je mehr Schützinger einsteigen, desto leichter fällt der Telekom ihr Engagement – und desto günstiger kommt das DSL-Projekt die Gemeinde. Bei um die 230 Anschlüssen und damit verbundenen T-Online-Verträgen ist dem Vernehmen nach die schwarze Null erreicht.

 Folglich wird eine erste Informationsveranstaltung am Montag, 9. Oktober, 20 Uhr, in der Schützinger Festhalle auch zu einer gemeinsamen Werbeveranstaltung von Gemeinde und T-Com/T-Online. Für Fritz Glaser vom gleichnamigen Schützinger Autohaus braucht es freilich keine Werbung mehr. Erst vergangene Woche hat er in einem Brief an den Bürgermeister darauf hingewiesen, dass DSL für ihn buchstäblich eine Frage der Existenz am Standort Schützingen ist. „Ein schnelles Datennetz ist für uns lebensnotwendig“, macht der 41-Jährige klar, „denn Ford hat seinen Postversand seit über einem Jahr komplett eingestellt. Alles läuft heute online, von der Werkstattliteratur über den Check der Bordelektronik bis hin zu Verkaufsprogrammen.“ Seine veraltete Verbindung über die herkömmliche Telefonleitung koste nicht nur eine Unmenge Geld, sondern auch, weil alles langsamer läuft, wertvolle Arbeitszeit der Mitarbeiter. „Ohne DSL“, fasst der Chef des Autohauses zusammen, „können wir am Standort Schützingen nicht weitermachen.“

Schüler müssen für ihre Recherche nicht mehr reisen

Brigitte Grausam, EDV-Beraterin aus Illingen, kennt die Sorgen und Nöte der Schützinger und hat sich deshalb für den DSL-Anschluss starkgemacht: „Er bedeutet einen Quantensprung.“ Für Privathaushalte bringe die geplante, hochmoderne und leistungsfähige Leitung die Möglichkeit mit sich, über Flatrates die Kosten für den Internetzugang zu deckeln, und für örtliche Unternehmen sei DSL schlicht eine Frage der Zukunftssicherung. „Für die Schüler in Schützingen wiederum bedeutet es, dass sie nicht mehr zu ihren Schulkameraden nach Illingen müssen, wenn sie im Internet recherchieren wollen.“

 Wie die Expertin informiert, braucht es für den Anschluss der Schützinger an die neue Welt der DSL-Datenübermittlung einen Lückenschluss der Trasse in Richtung Zaisersweiher. Die dafür nötigen Tiefbauarbeiten tragen ihren Teil zu den hohen Einstiegskosten von über 100000 Euro bei.

 Umso wichtiger ist es, dass in möglichst kurzer Zeit die notwendige Quote an Anschlüssen und Anschlussverträgen erreicht wird. Brigitte Grausam ist da ähnlich zuversichtlich wie Bürgermeister Harald Eiberger. „Wir haben“, erzählt sie, „schon einmal, ohne gleich ganz Schützingen abzugrasen, gut 50 Unterschriften für DSL gesammelt. Ich denke, dass die 50 Unterzeichner in jedem Fall noch Interesse haben.“ Schüler, Studenten, Firmen: Auch der Bürgermeister sieht Bedarf an einem schnellen Zugang ins World Wide Web. „Schützingen ist schließlich ein modernes und lebendiges, und kein aussterbendes Dorf“, unterstreicht Harald Eiberger.

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