Schreien gehört zum guten Ton

Erstellt: 31. Mai 2008, 00:00 Uhr
Schreien gehört zum guten Ton Gute Laune bei Eröffnung des Hamburger Fischmarkts Die Marktschreier haben sichtlich Spaß. Unser Bild zeigt Wurst-Herby, Aal-Hinnerk und Co. mit Marktleiter Thorsten Mey (r.), Bürgermeister Harald Eiberger (2.v.r.) und Tordis Oder (l.), Leiterin der Bücherei, die in den Genuss der Einnahmen aus der Salami-Versteigerung kommt. Fotos: Sadler

Hamburger Fischmarkt gastiert in Illingen – Attraktionen und Aktionen – Besucher wählen den frechsten Händler

Illingen – Schreien ist Teil des Handwerks. Was anderswo als Beleg einer schlechten Kinderstube gilt, macht auf dem Hamburger Fischmarkt, der seit gestern bis einschließlich Sonntag in Illingen gastiert, den besonderen Reiz aus, wenn die mit allen Wassern gewaschenen Händler ebenso frech wie laut ihr buntes Warensortiment anpreisen.

VON THOMAS SADLER

Wurst-Herby, Aal-Hinnerk, Bananen-Fred, Käse-Fred, Blumen-Udo, Nudel-Uwe und Käthe Kabeljau – so lauten die plakativen Künstlernamen der professionellen Marktschreier, die fast das ganze Jahr über durch Deutschland touren. Nach einem Aufenthalt in Freudenstadt und einer kurzen Rückkehr in ihren Heimathafen Hamburg, wo sie sich mit frischen Waren eindeckten, haben die etwa 40 fliegenden Händler, zu denen auch Anbieter von Schuhen, Schmuck, Kleidung und anderen nützlichen Utensilien gehören, gestern ihre Stände auf dem Illinger Schillerplatz und dem Parkplatz Talaue aufgeschlagen.

 In 40 bis 45 Städten mache der Hamburger Fischmarkt jedes Jahr Halt, sagte der Marktleiter Thorsten Mey gestern. In Illingen bieten die wortgewaltigen Verkäufer bereits zum zweiten Mal ihre Produkte an. Dass es gestern erst mal ziemlich ruhig war, hält Mey für normal. Samstags sei dann erfahrungsgemäß mehr los, und am Sonntag sei es im vorigen Jahr „brechend voll“ gewesen, erinnert er sich.
 Die Hauptattraktion der Veranstaltung seien freilich die Marktschreier. Allerdings könnten die sich erst so richtig entfalten, wenn sie über ein größeres Publikum verfügen. Daran, dass der jetzige Markt in Illingen ein Erfolg wird, zweifelt der Chef keine Sekunde. Schließlich wirke der morgige verkaufsoffene Sonntag wie ein zusätzlicher Besuchermagnet.

 Bürgermeister Harald Eiberger teilt den Optimismus. „Zwar ist es vielleicht zu warm für ein Fischbrötchen, aber es gibt ja auch noch ,Fischwasser‘“, meinte er bei der Eröffnung verschmitzt. Da morgen Monatsanfang sei, hätten die Besucher ja wieder mehr Geld in der Tasche, hofft er auf eine gesteigerte Konsumfreudigkeit.

 An Gaudi aller Art mangelt es jedenfalls nicht. Nachdem für gestern Abend ein lustiges Käseräderrollen angesagt war, gibt es heute – um 9 Uhr beginnt der Markt – um 14 Uhr einen Talentwettbewerb für Nachwuchsmarktschreier, und um 16 Uhr folgt das Bierkrugstemmen.

 Am Sonntag können sich die Gäste von 11 bis 11.30 Uhr auf dem Markt kostenlos an Matjes und Bier gütlich tun. Um 11.30 Uhr wird die „längste Salami Deutschlands“ angeschnitten und versteigert. Der Erlös kommt der evangelischen Gemeindebücherei von Illingen zugute. Um 14 Uhr können die Besucher den besten, das heißt: (vor)lautesten Marktschreier küren, der einen Wanderpokal als Auszeichnung erhält.
 Europameister ist Wurst-Herby. Der Mann, der unter diesem Marktschreiernamen in Illingen versucht, seine konkurrierenden Kollegen niederzuschreien, heißt eigentlich Heiko Hoffmann. Seit 16 Jahren ist der 45-Jährige nun schon auf Tour. „Man hat zwar keine festen Arbeitszeiten und ist 13 Stunden am Tag auf den Beinen, einschließlich Abbau sogar bis zu 20 Stunden, aber dafür hat man Abwechslung“, beschreibt er die Vorzüge seiner Tätigkeit. „Jede Woche lernen wir Tausende neue Leute kennen“, erzählt er gut gelaunt. Unverzichtbare Voraussetzungen für seine Arbeit seien Humor und Schlagfertigkeit, Klar, schließlich gilt es nicht nur, die Zuhörer zu unterhalten, sondern auch den Schreier im Stand nebenan auszustechen. Und da geht’s dann schon mal zur Sache. Aber was soll’s: „Wir sind eine große Familie. Nach Feierabend haben wir uns alle wieder lieb“, versichert Herby alias Heiko.

 Dass die mobilen Händler ihr Handwerk verstehen, zeigt der Absatz ihrer Waren. „Wenn’s gut läuft und das Wetter mitmacht, verkaufe ich an einem Wochenende acht bis zehn Tonnen Obst“, sagt Hans Respondek, der in Illingen als Bananen-Fred auftritt.
 Ebenfalls auf gute Umsätze hoffen die Einzelhändler, die am morgigen Sonntag ihre Läden von 13 bis 18 Uhr öffnen. Etliche Geschäfte lockten mit Sonderangeboten. Und das Interesse am Mitmachen sei groß: „Im Prinzip sind alle Geschäfte geöffnet“, freut sich Gewerbevereinsvorsitzende Ute Gehring über die große Resonanz.

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