Schneider appelliert an das Wir-Gefühl

Erstellt: 7. Januar 2010, 00:00 Uhr
Schneider appelliert an das Wir-Gefühl Frank Schneider bei seinem ersten großen Auftritt. Im Hintergrund: der Musikverein Enzberg, der den Neujahrsempfang musikalisch umrahmt. Foto: Fotomoment

720 Menschen wollen im voll besetzten Gottlob-Frick-Saal die „Regierungserklärung“ von Mühlackers neuem OB erleben

An ein neues „Wir-Gefühl“ in Mühlacker hat gestern der neue Oberbürgermeister Frank Schneider beim Neujahrsempfang im Mühlehof appelliert.

Von Frank Goertz

Mühlacker. Der Saal war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Über 720 Menschen wollten die erste „Regierungserklärung“ Schneiders und das Konzert des MV Enzberg hautnah erleben.

 Viel Zeit zum Durchatmen hat Frank Schneider in den letzten Wochen nicht gehabt. Nach seinem Sieg bei der OB-Wahl Ende Oktober musste der Rechtsanwalt zumindest sein berufliches Leben neu ordnen, um pünktlich zum 1. Januar sein neues Amt anzutreten. Dabei hatte er jetzt sogar noch vor seiner offiziellen Vereidigung im Gemeinderat am kommenden Montag seinen ersten großen öffentlichen Auftritt beim Neujahrsempfang im Mühlehof.

 Um 17 Uhr wird es Ernst. Schneider tritt ans Rednerpult, erinnert an die Krise 2009, in der gleich zweimal der Etat nach unten angepasst werden musste, unter anderem weil sich die Gewerbesteuer innerhalb nur eines Jahres halbiert hatte. Der neue OB wollte aber nicht ins allgemeine Wehklagen einstimmen, sondern lieber exemplarisch aufzeigen, was ein langer Atem in der Kommunalpolitik bewirken kann. Exemplarisch griff er ein Stadtteilprojekt heraus, dessen Vorgeschichte bis in die 70er Jahre zurückreicht und das erst im vergangenen Jahr – rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen der Viktoria – seinen krönenden Abschluss fand: das neue Sportzentrum in Enzberg. „Kommunalpolitik ist oft eine Ausdauersportart“, blieb Schneider im Bild, um deutlich zu machen, dass der lange Atem zählt.

Breiter Konsens soll zur Handlungsmaxime werden

 Aber Schneider sieht sich als OB keineswegs in der Rolle des einsamen Langstreckenläufers, sondern versteht Kommunalpolitik eher als Teamsport. Ganz wichtig, so Schneider, sei dabei ein breiter politischer Konsens. Dieser breite Konsens, den er schon in seinem Wahlslogan „Mühlacker einen“ bemüht hat, sei für ihn auch die Handlungsmaxime seiner Amtszeit.

 Seine Vision sei ein „starkes und selbstbewusstes Mittelzentrum Mühlacker mit einem ausgeprägten Wir-Gefühl und mit Stolz auf das, was Mühlacker zu bieten hat“. Ein wunderbares Projekt und Beispiel hierfür sei die kleine Gartenschau. Mühlacker habe es geschafft, durch eine überzeugende Bewerbung, den einmütigen politischen Willen und nicht zuletzt durch die rege und konstruktive Beteiligung der Bürgerschaft den Zuschlag zu erhalten. An dieser Stelle vergaß Schneider auch nicht den Landes- und Bundespolitikern der Region zu danken, die „es immer wieder verstehen, ihr Mandat und all ihre Verbindungen und Einflussmöglichkeiten zum Wohle ihres Wahlbezirks einzusetzen“.

 Dem Dank schob Schneider gleich einen Appell hinterher: „Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die kommunale Selbstverwaltung in der täglichen Praxis der Aufgabenerfüllung erhalten bleibt. Unserem Gemeinwesen müssen ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die uns gesetzlich übertragenen Aufgaben und Leistungen erfüllen zu können.“ Kaum eine Stadt könne derzeit ihre laufenden Ausgaben durch laufende Einnahmen decken, verwies der neue Mühlacker OB auf eine gewaltige Schieflage in der kommunalen Finanzierung. Dennoch wolle die Stadt das Ganztagesanbebot an den Schulen weiter ausbauen. Es sei, zusammen mit der Schulsozialarbeit, sozial- und gesellschaftspolitisch sinnvoll und notwendig. Nicht zuletzt auch für die Bürger mit Migrationshintergrund, bei denen sich Schneider wünscht, dass auch sie „das Wir-Gefühl in Mühlacker teilen und empfinden“.

 Zukunft des Mühlehofs ist nicht in Stein gemeißelt

 An dieser Stelle schlug der neue OB noch einmal den Bogen zur kleinen Gartenschau, die er offensichtlich als große Chance versteht „Ich möchte alle Bürger, Vereine und Institutionen dazu aufrufen, mit Vorschlägen, Ideen und Programmbeiträgen dieses Gemeinschaftsprojekt zu bereichern. Welch eine Eigendynamik ein solches Projekt entwickeln kann, dafür gibt es ja ein wunderschönes Beispiel, das übrigens auch die Bewertungskommission für die Gartenschau beeindruckt hat, die Sanierung unseres Wahrzeichens, der Burg Löffelstelz.“

  Dank eines unglaublichem ehrenamtlichen Engagements, großer Spendenbereitschaft und eines ansprechenden Kulturprogramms sei die Anlage wieder zu einem Anziehungspunkt für die gesamte Region geworden.

 Ein weiteres Markenzeichen von Mühlacker sei seit jeher das Kulturangebot. Die Kulturarbeit sei ein Standortfaktor im Wettbewerb der Städte. Deshalb bräuchte die Stadt einen repräsentativen Kultursaal, kam Schneider zum Dauerbrenner der letzten Jahre: die Zukunft des Mühlehofs. Dessen Fortbestand ist für Schneider offensichtlich nicht in Stein gemeißelt: „Es wird eine meine ersten Aufgaben sein, mit dem Eigentümer und dem Gemeinderat alle Möglichkeiten auszuloten, ob und wie es mit dem Mühlehof weitergeht.“

 Weiter ging es im Mühlehof an diesem Abend auf jeden Fall mit dem Neujahrskonzert, für das dieses Jahr der MV Enzberg verantwortlich war (ausführlicher Konzertbericht in der morgigen Ausgabe).

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