Schneeglätte stoppt Busse und Lkws

Erstellt: 30. November 2010, 00:00 Uhr
Schneeglätte stoppt Busse und Lkws Nach ersten zarten Flocken in der vorigen Woche hat sich der Winter am Montagmorgen umso kräftiger mit stundenlangen Schneefällen gemeldet. Für Straßenmeisterei und Bauhof wiederum bedeuten Schnee und Eis vor allem Arbeit. Foto: Fotomoment

Kritik an Streu- und Räumeinsatz in und bei Mühlacker – Allein am Montagvormittag rund 35 Unfälle mit vier Verletzten.

Autos kommen ins Rutschen, Busse und Lastwagen bleiben auf glatten Fahrbahnen liegen: Gestern Morgen, pünktlich zum Beginn der Arbeitswoche und des Berufsverkehrs, haben anhaltende Schneefälle Behinderungen und viele Unfälle verursacht.

Von Thomas Sadler

Mühlacker/Enzkreis. Am Montagvormittag ereigneten sich laut Polizei in der Region rund 35 Verkehrsunfälle, bei denen drei Beteiligte leicht verletzt wurden und einer schwere Blessuren erlitt. Bis 18 Uhr gab es weitere 18-mal „Blech“. Gesamtschaden: rund 200000 Euro. Bei Sternenfels seien mehrere Lkws wegen Schneeglätte nicht weitergekommen, meldet Polizeisprecher Sven Vrancken vom Morgen. Am Abend bot sich zwischen Sternenfels und Oberderdingen ein ähnliches Bild: Nun blieben zwei weitere Laster und ein Wohnmobil hängen. Offenbar, beanstandet die Polizei, habe sich manch ein Lastfahrer mit Sommerreifen auf die Straße getraut.

 Von den Auswirkungen der winterlichen Witterung betroffen waren indes nicht nur Autofahrer, sondern auch Busfahrgäste. „Wir haben Verspätungen auf sämtlichen Linien“, meldet der Mühlacker Stadtbusbeauftragte Rolf Aichelberger, der auf dem Weg zur Arbeit im Bus selbst etwa 15 Minuten länger brauchte als sonst. Auf der Waldstrecke zwischen der Einmündung nach Pinache und Großglattbach und Lomersheim sorgten zwei Busse kurzzeitig für einen Stau auf der Kreisstraße. Der Chauffeur eines Busses der Linie 102 hielt vorsichtshalber an, weil ihm die Straße zu unsicher war. Dem nachgesandten Ersatzbus ging es nicht besser: Er musste direkt hinter dem ersten warten, bis die Fahrbahn geräumt war. Manchmal dauern ungeduldigen Fahrgästen derlei Zwangspausen zu lange, und sie steigen aus, um zu Fuß weiter oder wieder nach Hause zu gehen. „Uns ist es allerdings lieber, wenn sie abwarten und sitzen bleiben“, sagt Sandra Sesselmann-Engel von der Stadtbusfirma Engel.

 Bei Schneefall müsste eine Straße wie die zwischen Lomersheim und Pinache eigentlich halbstündlich geräumt und gestreut werden, meint die Engel-Disponentin gestern verärgert. Sei es zu gefährlich, die Tour fortzusetzen, hielten die Fahrer eben an. „Wir setzen weder Menschenleben noch unsere Busse aufs Spiel.“

 Dabei ist sie nicht nur mit dem Winterdienst außerhalb Mühlackers, sondern auch mit dem Einsatz der Räumteams innerhalb des Stadtgebiets unzufrieden. Obwohl es am Montag um 6 Uhr zu schneien begonnen habe, seien erst etwa eine Stunde später die Straßen gestreut worden. Zwar sei in Dürrmenz früh geräumt gewesen, doch beispielsweise am Senderhang, so Sandra Sesselmann-Engel, seien die Busse ins Rutschen gekommen, und das Wohngebiet Stöckach habe mit den Bussen erst gar nicht angefahren werden können.

 Im höher gelegenen Großglattbach seien die Kräfte von Bauhof und Stadtgärtnerei, die insgesamt mit 45 Mann und elf Fahrzeugen unterwegs waren, bereits um 6 Uhr im Einsatz gewesen, in der Stadt dagegen in der Tat erst ungefähr eine Stunde später, räumt Bauhofleiter Stefan Lipps ein. Seine Begründung: Räumen habe erst dann einen Sinn, wenn der Schnee mindestens zwei Zentimeter hoch liege. Präventiv zu streuen, solange noch gar kein Schnee liege, sei nutzlos, weil die Salzkörner sich nur auflösten, wenn sie mit ausreichend Feuchtigkeit beziehungsweise Schnee in Kontakt kämen. Ansonsten würden sie wirkungslos vom Fahrtwind der Autos weggeblasen.

 Erschwerend komme hinzu, dass die Fahrbahn trotz des Winterdienstes schnell wieder überfriere, schildert Lipps die Tücken. 900 Tonnen Salz lagern im Depots des Bauhofs. Rund acht Tonnen seien in Mühlacker seit Samstagmorgen, als sich Raureif gebildet hatte, verteilt worden.

 Der Straßenmeisterei Enzkreis, die auf sechs eigene und elf Fahrzeuge von Privatfirmen zurückgreifen kann, stehen für ihre 516 Kilometer Kreis-, Landes- und Bundesstraßen fürs Erste 3200 Tonnen Salz zur Verfügung, von denen von Donnerstag bis gestern Abend rund 600 Tonnen verbraucht worden sind, wie der Chef, Heinrich Elwert, sagt. Beschäftigte des für gut 250 Kilometer Straße verantwortlichen Maulbronner Stützpunktes der Straßenmeisterei hätten in der Nacht auf Montag mit dem Streuen bereits um 3 Uhr angefangen, sagt Leiter Richard Schwaiger. Angesprochen auf die zunächst nicht geräumte Kreisstraße zwischen Lomersheim und Großglattbach/Pinache, gibt er zu, es habe „Anlaufschwierigkeiten“ gegeben. Zum einen seien die Dienstpläne geändert worden, zum anderen solle beim Salzverbrauch gespart werden. Und schließlich müsse die Straßenmeisterei in diesem Jahr auch Strecken abdecken, die bislang die Stadt Mühlacker übernommen habe, was sie nun aber nicht mehr tue – darunter eben auch die steile und unübersichtliche Waldroute Richtung Großglattbach und Pinache.

 Dass sich die Stadt diesbezüglich zurückzog, liege jedoch nicht an der Kommune, vielmehr sei dies der Wunsch des Enzkreises gewesen, betont der Mühlacker Tiefbauamtsleiter Fritz Schick.
 

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