Schmutziges Geld wird blütenweiß

Erstellt: 27. August 2012, 23:30 Uhr
Schmutziges Geld wird blütenweiß Lukas Wieczorek mit seinem Buch zum Thema Geldwäsche, ihren Auswirkungen und den Möglichkeiten zur Bekämpfung. Foto: Goertz

Von Frank Goertz

Mühlacker. Filmfreunde kennen ihn: den zappeligen Mafia-Buchhalter „Okay, okay, okay“ Leo Getz (gespielt von Joe Pesci), der in den Lethal-Weapon-Filmen von der Polizei vor seiner eigenen Trotteligkeit und der Mafia beschützt werden muss. Der gute Leo hatte 500 Millionen US-Dollar Drogengelder für seine Auftraggeber gewaschen. Wie Geldwäsche funktioniert, weiß auch Lukas Wieczorek aus Mühlacker. Er ist allerdings nicht bei der Mafia angestellt, sondern tritt am 1. Oktober seine Arbeitsstelle bei der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Stuttgart an. In seiner Bachelor-Arbeit an der Hochschule Pforzheim hat sich Wieczorek allerdings intensiv mit dem Thema Geldwäsche auseinandergesetzt, welche Folgen sie für den Wirtschaftskreislauf hat und wie sie bekämpft werden kann.

Zumindest in dem letzten Punkt, den Möglichkeiten zur Bekämpfung von Geldwäsche, ist Wieczorek eher pessimistisch: „Kaum wird eine Quelle geschlossen, schon tun sich drei andere auf. Es müsste weltweit einheitliche Regeln geben, um der Geldwäsche einen Riegel vorzuschieben.“

Aber was ist Geldwäsche überhaupt? „Einer Legende nach geht der Begriff auf den Gangsterboss Al Capone zurück, der das durch illegale Geschäfte erworbene Geld tatsächlich in Waschsalons investierte und somit die wahre Herkunft verschleierte. „Als diese Form des auch mit Steuerhinterziehung verbundenen Betruges aufgedeckt wurde, musste Al Capone dafür ins Gefängnis“, erzählt Wieczorek. Das Problem bei Geld aus kriminellen Handlungen wie Drogen- oder Menschenhandel sei nämlich, dass es in der Regel bar den Besitzer wechselt und dann allmählich in den normalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden muss, seine Herkunft verschleiert wird – und plötzlich ganz normales Geld von ehrenwerten Leuten ist.

„Ich habe ein Thema für meine Bachelor-Arbeit im Studiengang Wirtschaftsrecht gesucht“, erzählt Wieczorek. Es musste also ein wirtschaftliches Thema mit einem juristischen Aspekt sein. Und dann habe er in der Zeitung von den Vorwürfen gegen die Schweizer Bank UBS gelesen, die angeblich Beihilfe zur Steuerhinterziehung und zur Geldwäsche geleistet haben soll. „In dem Moment war mir klar, worüber ich meine Bachelor-Arbeit schreibe“, erzählt Wieczorek. „Ich bin mit der Zeitung unter dem Arm zu meinem Dozenten gegangen.“

Inzwischen ist seine fertige Arbeit auch als Buch erschienen. „Die Auswirkungen und Möglichkeiten zur Bekämpfung von Geldwäsche: Folgen und Bekämpfung der Inkriminierung illegal erworbenen Geldes in den legalen Wirtschaftskreislauf“ lautet der Titel des Buchs, das im AV Akademikerverlag erschienen ist. „Mit großen Tantiemen rechne ich nicht. Aber eine Buchveröffentlichung macht sich nicht schlecht im Lebenslauf“, so Wieczorek, der im Redaktionsgespräch die drei Stufen der Geldwäsche skizziert: „Der erste Schritt der Geldwäsche nennt sich ,Placement‘. Hier wird das Bargeld aus Straftaten in den Finanz- oder Wirtschaftskreislauf eingespeist. Allerdings nur in kleinen Häppchen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.“ Im zweiten Schritt – dem „Layering“ – würde dann das Geld in einer Vielzahl von Transaktionen hin und her geschoben, so dass die kriminelle Herkunft nicht mehr nachzuvollziehen oder zu beweisen sei und sich die Spur des Geldes verliere. Spätestens hier sei es für die Ermittler zu spät.

Dem „Layering“ folge die „Integration“, bei der das „gewaschene“ Geld so genutzt wird, als käme es aus einer rechtmäßigen Geschäftstätigkeit. „Dann können die Kriminellen Firmenanteile, Immobilien oder Lebensversicherungen kaufen“, weiß Wieczorek.

Natürlich gebe es staatliche Schutzmaßnahmen gegen Geldwäsche, räumt der 27-Jährige ein. Nur: Sie greifen in vielen Fällen nicht. Beispielsweise müssten eigentlich Versicherungsgesellschaften und Kreditinstitute bei Verdachtsmomenten, etwa wenn ein Kunde auffallend viele Konten hat oder schwer nachvollziehbare Transaktionen veranlasst, Verdachtsanzeigen stellen. Außerdem muss jede Bareinzahlung ab 15000 Euro dokumentiert werden. Aber die Klingen der Schutzmaßnahmen bleiben oft stumpf. „Viele umgehen sie einfach durch ein Konto beispielsweise auf den Cayman-Inseln, auf das die deutschen Strafbehörden keinen Zugriff haben“, so Wieczorek. Und manche Länder hätten gar kein Interesse daran, den Strom des schmutzigen Geldes zu unterbinden. „Sie verdienen viel zu gut daran“, bedauert Wirtschaftsrechtler Wieczorek.

Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds aus dem Jahr 1999 stammen zwischen zwei und fünf Prozent des globalen Welt-Bruttoinlandsprodukts aus illegalen Quellen. „Etwa 1,5 Billionen US-Dollar werden durch Geldwäsche hin- und hergeschoben“, glaubt Wieczorek, der auch kein Patentrezept gegen Geldwäsche hat, aber: „Es müsste weltweit einheitliche Regeln geben, die den Geldwäschern das Leben schwerer machen.“

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