Schmuck liegt noch im Safe der Kabine

Erstellt: 28. Januar 2012, 00:30 Uhr
Schmuck liegt noch im Safe der Kabine Zeitzeugnis: Enzo Stefanello hat nach der glücklichen Rettung die verunglückte „Costa Concordia“ mit seiner Handykamera fotografiert.

Mühlacker/Conegliano. Nach Medienberichten soll die Costa-Reederei den Touristen auf dem gekenterten Luxusliner, die das Unglück unverletzt überstanden haben, mittlerweile 14000 Euro pro Person in Aussicht gestellt haben. Diese Summe setze sich zusammen aus einer Entschädigung von 11000 Euro und etwa 3000 Euro für den Reisepreis und die Rückreisekosten.

Doch für das Ehepaar Stefanello, das in Mühlacker einen Eis-Salon betreibt und sich derzeit noch bei Enzos Mutter in Conegliano in der Provinz Treviso, circa 50 Kilometer von Venedig entfernt, aufhält, ist noch nichts entschieden. Wie Svetlana Krsmanovic-Stefanello am Freitagmittag im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, habe ein Mitarbeiter des Unternehmens Costa mit ihrem Mann telefoniert und ihn aufgefordert, eine Aufstellung der beim Unglück eingebüßten Wertgegenstände anzufertigen. Doch ein konkretes Angebot im Hinblick auf eine Entschädigung liege ihnen noch nicht vor. Das Ehepaar hat diesbezüglich eine Rechtsanwältin eingeschaltet, die auch andere Passagiere vertrete. Dabei gehe es neben materiellen Verlusten auch um Aspekte wie „entgangene Urlaubsfreuden“.

„Unsere Kabine ist nicht

unter Wasser“

Verloren haben die beiden auf jeden Fall den Großteil ihrer mit aufs Schiff genommenen Kleidung, aber auch Schmuck, Geld und Papiere. Die Serbin Svetlana musste als Nicht-EU-Bürgerin ihren Pass beim Einchecken am ersten Tag abgeben, Enzo durfte als EU-Bürger seinen Personalausweis behalten. Allerdings trug er ihn nicht bei sich, als die „Costa Concordia“ auf einen Felsen auflief, sondern hatte ihn samt Geldbeutel im Safe der Kabine deponiert – und da liegt er jetzt noch. Indes haben die beiden die Hoffnung, vielleicht doch noch an ihre Wertsachen zu kommen, noch nicht ganz aufgegeben. „Ich hoffe, dass die Sachen wieder auftauchen, denn unsere Kabine ist nicht unter Wasser“, sagt Svetlana Krsmanovic-Stefanello.

Wann sie in den Genuss einer Entschädigung kommen, wissen die Stefanellos nicht. Zumal die Frage, wer an der Havarie schuld ist, noch nicht restlos geklärt sei.

Zumindest einen erheblichen Teil der Schuld trifft nach Lage der Dinge den Kapitän. Angeblich wollte er einen ihm bekannten pensionierten Kapitän auf der Insel Giglio grüßen. Doch warum dies gerade spät abends gegen 21.45 Uhr sein musste, und weshalb er sein Kreuzfahrtschiff offenbar auch noch mit zu hoher Geschwindigkeit durch felsiges Gewässer manövrierte, versteht Svetlana nicht. Wäre er langsamer gefahren, wäre das Loch im Rumpf wohl kleiner ausgefallen, meint sie.

Sie und ihr Mann mussten sich nach ihrer sicheren Rückkehr nach Conegliano von der Unterwäsche bis zur Jacke erst mal mit neuen Kleidern eindecken. „Wir wollen kein Mitleid erregen“, wehrt die Frau ab, die froh ist, die Katastrophe zusammen mit vielen weiteren Reisenden körperlich unversehrt überstanden zu haben. Andere hatten nicht dieses Glück: 16 Todesopfer sind bislang geborgen worden.

Viele Mühlackerer nehmen Anteil am Schicksal der Stefanellos. Sie hätten viele Anrufe und E-Mails erhalten von Menschen, die sie kennen und sich nach ihrem Wohl erkundigen wollten, berichtet Svetlana Stefanello aus Italien. „Es geht uns so weit gut“, lässt die 30-Jährige wissen. Und doch hat sie die schrecklichen Ereignisse mental noch nicht völlig überwunden. „Man träumt in der Nacht schon noch davon“, sagte sie gestern. Immer wieder kommen bestimmte Szenen wieder hoch, etwa dann, wenn sie im italienischen Fernsehen Berichte über den Vorfall sehen.

Zurzeit versuchen die Stefanellos, sich im Haus von Enzos Familie von den Strapazen zu erholen. „Länger schlafen und mit dem Hund rausgehen. Das hält einen auf Trab“, so Svetlana.

In ihre deutsche Heimat in Mühlacker zurückkehren wollen sie voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche.

Weiterlesen
Iptinger Leinfeld sorgt für Aufsehen

Iptinger Leinfeld sorgt für Aufsehen

Landwirt Bäuerle und Ölmüller Krauth arbeiten erfolgreich zusammen Illingen/Wiernsheim (pm). Als einzelne Pflanze wirkt der Lein mit seiner zierlichen blauen Blüte eher unscheinbar. Wenn sich jedoch auf einer gut drei… »