Schloss-Schänke setzt auf Feste mit Stil

Erstellt: 29. Januar 2011, 00:00 Uhr
Schloss-Schänke setzt auf Feste mit Stil Stoßen mit dem eigenen Wein auf ihre Schänke an: Schlossherr Roland Rauschmayer mit Ehefrau Lilo Rauschmayer (li.) und Tochter Andrea Rauschmayer-Fleischer, die die Veranstaltungen und Feste in dem rustikalen Schmuckstück koordinieren wird. Neben den Gesellschaften, die die Räume für Feiern anmieten, versprechen die Gastgeber auch „Events“ für die Öffentlichkeit. Foto: Disselhoff

Trauringfabrikant Roland Rauschmayer will demnächst seine Gastronomie in der Mühlhauser Vorburg eröffnen

Lange Zeit lag das Schloss im Dornröschenschlaf. Dann hat der Unternehmer Roland Rauschmayer das vom Verfall bedrohte historische Juwel im 1000-Seelen-Dorf Mühlhausen wieder aufpoliert. Auch die Vorburg, in der schon bald rauschende Feste gefeiert werden, erstrahlt in neuem Glanz.

Von Maik Disselhoff

Mühlacker-Mühlhausen. Die Holztreppe ächzt unter dem schwarzen Klavier, das von acht kräftigen Armen in den ersten Stock hochgewuchtet wird. Der ehemalige Kulissen- und Bühnenmaler des Pforzheimer Stadttheaters, Rudi Vogel, setzt den Pinsel ab: „Steinstube“ ist jetzt in kunstvoller Schnörkelschrift an der Wand in einer der vielen gemütlichen Ecken der Schloss-Schänke zu lesen, die Mitte Februar von der ersten Festgesellschaft genutzt werden soll.

 Schlossherr Roland Rauschmayer steht im dicken Wintermantel mit einem Schal um den Hals zwischen den Handwerkern. Immer wieder zückt der Unternehmer das Handy, trifft Entscheidungen und leitet nebenbei die Helfer an. Die Idee, in dem alten Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert eine Gastronomie einzurichten, hatte Roland Rauschmayer schon beim Kauf des Schlosses im Februar 2008. Und diese Idee komme von Herzen, betont der Macher, der als gelernter Dekorateur das rustikal-romantische Ambiente zusammen mit seiner Frau Lilo und Tochter Andrea Rauschmayer-Fleischer bis ins Detail stimmig gestaltet hat. „Ich schätze die Geselligkeit, den Kontakt zu Menschen“, betont er.

 Der neue Schlossbesitzer will keiner sein, der sich hinter dicken Steinmauern verschanzt. Während der ganzen Umbauphase habe er das Tor zum Schlosshof nicht abgeschlossen, bekräftigt er seine Offenheit. Und tatsächlich nutzten etliche Neugierige die Möglichkeit, um aus nächster Nähe einen Blick auf das millionenschwere Sanierungsprojekt zu erhaschen.

 Fachwerkbalken, schwere Holztische, alte Kuchenformen und Tonkrüge als Tischdekoration, ein Spinnrad neben der Eingangstür. Roland Rauschmayer durchquert die rund 400 Quadratmeter der Schloss-Schänke, klärt mit dem Mühlacker Feuerwehrkommandanten Ralph Keipp die letzten Brandschutzfragen und bleibt schließlich vor einem imposanten Ofen aus Stein stehen. „Hier können 30 Brote auf einmal backen“, sagt der Schlossherr, der die Rezepte für seine Teigwaren vom örtlichen Backhausverein hat, in dem er selbst Mitglied ist. An einer Wand der Schänke sind die kunstvollen Buchstaben von Theatermaler Vogel bereits getrocknet: „Ein Stückchen Brot, das Dich ernährt, ist mehr als Gold und Silber wert.“

 Die Schloss-Schänke kann für Geburtstagsfeiern und zu anderen Anlässen gemietet werden. Im oberen Stockwerk steht der große Raum, an dessen Decke imposante Kronleuchter hängen, auch für Schulungen zur Verfügung.

 „Gerade bei Hochzeiten ist die Kulisse für Erinnerungsfotos draußen im Park mit dem Schloss im Hintergrund doch ideal“, schwärmt der Schmuckfabrikant. Zweimal im Jahr will der umtriebige Schlossherr, der in Mühlhausen und Roßwag mit professioneller Unterstützung auf rund 100 Ar Lemberger, Trollinger und Co. anbaut, die Tore zum rustikalen Schmuckstück für die Öffentlichkeit aufschließen. „Das Weinblütenfest“ Ende Mai und das „Weinerntefest“ im Herbst seien für die Bevölkerung und auswärtige Besucher gedacht, so Roland Rauschmayer, der sich vorstellen kann, die Schänke zu diesen Anlässen bis zu 14 Tage lang zu öffnen. Er wolle, dass die auswärtigen Gäste im Rahmen der beiden Termine auch einen Spaziergang durch die Weinberge unternehmen. „Viele trinken den Wein nur.“ Doch wer wie die Mühlhäuser den Naturkreislauf von der Blüte bis zur Lese miterlebe, der wisse, wie viel Arbeit in einem guten Tropfen stecke.

 Ein Besenbetrieb ist noch Zukunftsmusik. „Das geht noch nicht im ersten Anlauf“, macht Rauschmayer klar, der stolz darauf ist, die unter Denkmalschutz stehende Schlossanlage aus dem Jahr 1566 mithilfe des Bauunternehmers Martin Müller „komplett fachgerecht wiederhergestellt“ zu haben, obwohl es wegen des Denkmalschutzes zweimal einen achtwöchigen Baustopp gegeben habe.

 Zu den Gästen der Schänke werden künftig auch die Freunde des Pforzheimer Unternehmers gehören. So tauchen im Stadtteil bald auch Prominente wie die Schlagersängerin Ireen Sheer oder Udo Lindenberg auf. Und falls die Party aus dem Ruder laufen sollte, hat der Hausherr vorgesorgt: Unter dem Schriftzug „Hausordnung“ hat Roland Rauschmayer in der Schänke einen riesigen, respekteinflößenden Holzhammer an die Wand gehängt.

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