Schlaraffenland für Spielzeug-Liebhaber

Erstellt: 28. August 2012, 23:30 Uhr
Schlaraffenland für Spielzeug-Liebhaber Fingerspitzengefühl: Vorsichtig werden die Bewohner des Puppenhauses platziert.

Mühlacker-Lomersheim. „Das ist mein altes Puppenhaus von vor über 30 Jahren, das damals auf dem Tisch hinter dem grünen Kachelofen meiner Oma stand.“ Sandra Schuster bekommt leuchtende Augen, wenn sie sich erinnert und erzählt, wie das Puppenhaus in ihren Kindertagen zur Weihnachtszeit vom Dachboden geholt wurde und sie und ihre Schwester für kurze Zeit damit spielen durften.

Was in doppelter Hinsicht eine Besonderheit war. Zum einen, weil es das Puppenhaus eben nur an Weihnachten gab. Zum anderen, weil Sandra Schuster in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist und viele der Spielsachen, von denen die Kinder im Arbeiter- und Bauernstaat träumten, zwar dort produziert wurden, aber nicht so einfach zu kaufen waren. „Man musste unter den Ladentisch krabbeln, sich lange anstellen oder irgendwie durch Beziehungen rankommen“, erinnert sich die Sächsin, die seit sieben Jahren in Lomersheim wohnt. Heute muss Sandra Schuster nicht mehr bis Weihnachten warten, um sich an ihrem Puppenhaus zu erfreuen und auch nicht unter den Ladentisch kriechen oder stundenlang Schlange stehen, um an heiß ersehntes Spielzeug zu kommen. Was sie möchte, wird bei E-Bay ersteigert oder anderweitig gekauft.

Die 38-Jährige hat die Spielzeugträume aus Kindertagen kurzerhand zu ihrem Hobby gemacht. Und ihren Dachboden zu einem Schlaraffenland für Spielzeug-Fans des Typs Plaste und Elaste, so der DDR-Begriff für Kunststoff.

Flachdachbungalows stehen neben Häusern mit Satteldach. Die Zimmer sind liebevoll bis ins Detail eingerichtet. Von der Torte auf dem guten Sonntagsporzellan, über die Blümchentischdecke auf dem Küchentisch bis hin zur Couchgarnitur im Wohnzimmer, auf der Oma, Opa und die Enkel sitzen. Alles im Puppenhausformat und im Schick vergangener DDR-Tage. In der Ecke sitzen in einem ehemaligen Kinderbett Puppen verschiedenster Größe und Art, etwas weiter steht ein Kaufladen, daneben sitzt das Ost-Sandmännchen als Plastefigur.

„Da habe ich noch etwas ganz Besonderes.“ Sandra Schuster kramt unter einem Tisch und kommt mit einer Pappschachtel zurück, in der sich ein orange-weißer Kasten im Design der 1970er Jahre befindet. „Das ist ein sogenanntes Juniorphon“, erklärt die Sammlerin, „ein kleines Abspielgerät für Kinderschallplatten.“

Aus einer anderen Pappschachtel wird eine Minischallplatte herausgekramt, und schon rattert und scheppert der Plastikkasten, und eine verzerrte Quietschstimme singt „summ, summ, summ, ich geh nicht“. Der Rest geht im Geknister unter.

Der Fundus der DDR-Spielzeug-Sammlerin Sandra Schuster scheint grenzenlos. Und neben ihrer eigenen Sammlung hat sie auf dem Dachboden auch noch die Kinder- und Puppenwagensammlung ihrer Schwester aufgebaut.

Wie viele Stücke sie insgesamt hat, ist eine Frage, welche die Sächsin nicht beantworten kann. Aber eines weiß sie ganz genau: „Ich würde mich liebend gerne öfter hier hochsetzten und einfach mal dem Spielen frönen“, gibt sie zu und fährt fort, leider fehle ihr die Zeit, die Püppchen mal dahin und mal dorthin zu setzten oder die Minitische mit schönem Porzellan einzudecken. Spielzeug jedenfalls wäre genug vorhanden…

Noch ein Hinweis: Einen Teil ihrer Sammlung wird Sandra Schuster Anfang November dieses Jahres im Mühlacker Heimatmuseum präsentieren – gemeinsam mit anderen Sammlern unter dem Motto: „Ost trifft West im Kinderzimmer – Puppenhäuser, Puppenstuben und Spielzeug aus den Jahren 1949 bis 1989“.

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