Schikanen sollen Raser ausbremsen

Erstellt: 30. März 2007, 00:00 Uhr
Schikanen sollen Raser ausbremsen Bis jetzt ist die Fahrbahnverengung nur ein Provisorium – ob daraus eine Dauerlösung wird, darüber entscheiden auch die Bürger mit ihrem Urteil. Foto: Disselhoff

Testphase in der Maulbronner Höhenstraße: Stadtverwaltung bringt Parkflächen an und stellt Blumenkübel auf.

Maulbronn – Die Anwohner der Höhenstraße hatten sich im Januar bei der Maulbronner Stadtverwaltung über Raser beschwert. Daraufhin stellte das Ordnungsamt Blumenkübel als Tempobremse auf. Jetzt will die Stadt, dass die Bürger die Maßnahme bewerten.

VON MAIK DISSELHOFF

Nachdem die Höhenstraße saniert worden war, hatten sich die Klagen über zu schnelles Fahren in der 30er-Zone gehäuft. Das Thema wurde bereits Ende des vergangenen Jahres von SPD-Stadtrat Martin Scheerle, der selbst in der Höhenstraße wohnt, im Rahmen einer Gemeinderatssitzung angesprochen. Am 15. Januar organisierte sich der Protest der Bürger gegen die Raser. Der Stadtverwaltung flatterte eine Unterschriftenliste ins Haus. Zentrale Aussage des Schriftstücks von rund 30 genervten Anwohnern: Das neu geschaffene Straßenprofil trage dazu bei, dass viele Autofahrer zu schnell führen.

 Im März folgte die erste Konsequenz aus der Bürgerbeschwerde. Die Maulbronner Ordnungsamtsleiterin Stefanie Gläsle lotete in der Höhenstraße zusammen mit Vertretern der Polizeidirektion und des Verkehrsamtes aus, inwieweit man das Problem in den Griff bekommen könnte. Eine Möglichkeit, gegen die Temposünder vorzugehen, sahen die Verkehrsexperten in Blumenkübeln und Parkmarkierungen.

 „Wir haben ungefähr zehn Blumenkübel aufgestellt und mit gelber Farbe provisorisch Parkstände eingezeichnet“, berichtet Gläsle. Doch wie es aussieht, sind die Tempobremsen nicht ganz unproblematisch. Dies wurde am Mittwochabend im Rahmen der jüngsten Maulbronner Gemeinderatssitzung angesprochen. Bürgermeister Andreas Felchle wies darauf hin, dass es bei Begegnungsverkehr aufgrund der Fahrbahnverengung zu problematischen Situationen kommen könne. Wenn die Verkehrsteilnehmer, ohne aufeinander zu warten, aneinander vorbei wollten, würde nämlich der Gehweg überfahren. Dies bestätigte die Ordnungsamtsleiterin auf Anfrage des MT. Um herauszufinden, ob sich die Situation in der Straße durch die Schikanen verbessert hat, verschickt die Stadt in diesen Tagen Rückmeldebögen an die Anwohner der Höhenstraße.

 „Die Bürger sollen uns sagen, was sie von der Maßnahme halten“, sagt Gläsle und fügt hinzu, dass die Bevölkerung insgesamt zur Fahrbahnverengung Stellung nehmen solle. Die Ordnungsamtsleiterin dazu: „Wir brauchen Rückmeldung von allen Betroffenen, also von Anwohnern, Verkehrsteilnehmern, Zulieferern, Eltern, Busfahrern und Sportlern der Schefenackerhalle.“ Nur so könne ein abschließendes Urteil darüber gefällt werden, ob es sinnvoll sei, aus dem Provisorium eine Dauerlösung zu machen. Beispielsweise könnte es ja sein, dass durch anfahrende und bremsende Fahrzeuge erheblich mehr Lärmbelastung entstehe.

 Allerdings verschwindet die Fahrbahnverengung nach Ostern erst einmal wieder, denn die Höhenstraße wird im Zuge der Vollsperrung der Frankfurter Straße zeitweilig als Umleitungsstrecke genutzt.

 Stadtrat Scheerle wies die Verwaltung am Mittwoch darauf hin, dass sich ein Bürger, der in der Lindenstraße wohne, ebenfalls Maßnahmen gegen Raser wünsche. Bürgermeister Felchle gab zu verstehen, dass erst auf die Auswertung der Aktion gewartet werden müsse. „Wenn die Fahrbahnverengung sich als zielführend erweisen sollte, dann kann man schauen, ob man die Maßnahmen ausdehnt.“

 CDU-Fraktionssprecher Erhard Knittel merkte zum Schluss der Debatte an: „Es geht nichts, außer man kontrolliert.“ Die Leute würden häufig nur über den Geldbeutel zur Vernunft kommen.

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