Scherben bringen Museum Glück

Erstellt: 31. Oktober 2009, 00:00 Uhr
Scherben bringen Museum Glück Löffelstelz-Experte Gerd Schäfer (v.li.), Guido Kühn, Professor für Medien und Kommunikation, und Archäologe Tilmann Marstaller zeigen Fundstücke aus der neuen Ausstellung. Foto: Disselhoff

Ausstellung über die Löffelstelz soll neue Besucher in die historische Kelter locken

Mühlacker. Eine völlig neue Ausstellung mit spannenden Funden aus der Burgruine Löffelstelz gibt es schon bald im Mühlacker Museum zu sehen. Noch machen die Verantwortlichen ein großes Geheimnis aus dem neuen Teil der Dauerausstellung, der die Attraktivität des Museums deutlich steigern soll. Am 6. November wird die Präsentation in der historischen Kelter erstmals für das Publikum geöffnet.

 Von Maik Disselhoff

Ein halbes Jahr lang haben der Bauhistoriker Gerd Schäfer, der Archäologe Tilmann Marstaller, der Professor für Medien und Kommunikation Guido Kühn und Museumsleiterin Adelheid Teschner an der Ausstellung zur Burgruine gearbeitet. Selbst Bürgermeister Winfried Abicht durfte das Ergebnis der Mühen vorab nicht in Augenschein nehmen, doch er macht trotzdem schon einmal kräftig Werbung: „Wir wussten bisher wenig über die Burg. Durch die Funde im Zuge der Sanierung hat sich ein völlig neues Bild von der Löffelstelz ergeben.“ Die Stadt Mühlacker, die 84000 Euro in die Präsentation investierte, hoffe durch die neuen Attraktionen auch auf neue Besucher, so Abicht.

 Archäologe Marstaller erläuterte, dass durch die teils verblüffenden Funde eine Fülle von neuen Informationen zum Leben auf der Löffelstelz vorliege. Vielen dürfte bislang nicht klar gewesen sein, dass sich innerhalb der mächtigen Burgmauern einst ein kleines Stadtquartier mit sechs Gebäuden befunden habe. Die Objekte in der Ausstellung reichten vom 11. Jahrhundert bis in die heutige Zeit, so Marstaller. Ein Rebmesser, das auf Weinanbau schließen lässt, der Bolzen einer Armbrust, eine Pfeife aus dem 17. Jahrhundert, wie sie bei Soldaten beliebt war, bis hin zur dekorativen Ofenkachel, die ein Drache ziert – den Besucher böten sich viele faszinierende Einblicke ins Burgleben.

 „Einen Schatz haben wir zwar nicht gefunden, dafür aber Münzen wie die 700 Jahre alten ,Haller Heller‘“, berichtet Schäfer. Die Ausstellung solle die reiche und spannende Geschichte der Region zeigen, die oft Zankapfel zwischen verschiedenen Herrschern gewesen sei. Auf 80 Quadratmetern Fläche werden den Besuchern die Fundstücke präsentiert, die zu einem großen Teil hinter Glas untergebracht sind. Die Museumsmacher haben sich dafür eine Art Schubladensystem ausgedacht. Wer mehr zu einem Gefäß wissen will, öffnet ein Schubfach mit Informationen unter dem Fundstück. „Weitere Schubfächer mit zusätzlichen Details können künftig hinzukommen“, so Schäfer zu dem dynamischen Konzept der Ausstellung.

 „Wir bieten Sachen zum Bewegen, Anfassen und selber Bedienen –  und natürlich klassische Modelle“, sagt Kühn, der für die Didaktik verantwortlich zeichnet. Wobei nicht zu viel Elektrik im Spiel sei, wie der gebürtige Lomersheimer Gerd Schäfer ergänzt. „Die ruhige Betrachtung steht im Mittelpunkt.“ Der neue Bereich auf der vierten Ebene des Stadtmuseums sei durch einen ganz eigenen Stil geprägt. „Es soll deutlich werden, dass es sich um etwas Neues handelt“, sagt Schäfer und fügt hinzu: „Besonders Kinder und Jugendliche sollen die Schau verstehen.“

 Die eigentlichen Superlative verbergen sich jedoch hinter den Ausstellungstücken. So sagt Marstaller auf die Frage nach dem spektakulärsten Fund: „Die Menge der Fundstücke.“ Im Zuge der Ausgrabungen hätten die vielen Helfer insgesamt 30000 Objekte ans Tageslicht befördert, und zwar in mühevoller Handarbeit. Schäfer erläutert, dass die ehrenamtlichen „Scherbabuzzer“ rund 300 Kubikmeter Erde bewegt hätten. „Das ist vergleichbar mit dem Inhalt des Schwimmerbeckens im Mühlacker Hallenbad.“ Dieser Aushub sei dann akribisch untersucht worden. „Die Masse musste durchs Teesieb“, so der Bauhistoriker. Dafür habe der 20-köpfige Stamm der freiwilligen Helfer, der viele Besucher und Schulklassen für die Burg begeistern konnte, rund 9000 Arbeitsstunden geleistet.

 Wer ergänzend zur künftigen Dauerausstellung noch mehr über die Löffelstelz und ihre Geschichte wissen will, der kann sich bereits auf das Frühjahr freuen. „Dann wird ein Buch über die Burg erscheinen“, kündigt Archäologe Marstaller an.

Die Ausstellung zur Burgruine Löffelstelz wird am 6. November, 19 Uhr, eröffnet. Am 7. November (14 bis 17 Uhr) und am 8. November (11 bis 17 Uhr) werden Führungen angeboten. Ab 8. November hat das Museum dann bis zum 30. Mai jeden Sonntag von 11 bis 17 Uhr offen.

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