Schellin beschenkt sich mit EM-Bronze

Erstellt: 7. März 2012, 00:30 Uhr
Schellin beschenkt sich mit EM-Bronze Etappensieg: Nach drei harten Runden steht Jaqueline Schellin aus Mühlacker (rotes Trikot) im Kampf gegen die Polin Anna Lukasiak als Gewinnerin fest. Doch im Halbfinale endet der Siegeszug der Ringerin bei der EM im serbischen Belgrad. Am Ende reicht es jedoch noch zu Bronze.

Von Maik Disselhoff

Belgrad/Mühlacker. Der Wettkampftag hatte für Jaqueline Schellin, die gestern 22 Jahre alt wurde, vielversprechend begonnen. Im ersten Kampf in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm siegte sie im Achtelfinale gegen Liliana Costa dos Santos aus Portugal klar in zwei Runden. Beim Auftakterfolg rief der Hallensprecher übers Mikrofon: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ Bei ihrer ersten Bewährungsprobe habe die Athletin jedoch einen aufgeregten Eindruck gemacht, teilte Jörg Richter mit, der das Geschehen in der Belgrader Sportarena als Pressereferent des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) hautnah aus ein paar Metern Entfernung verfolgte. Für die Aufgeregtheit der Ringerin des TV Mühlacker kann es gleich mehrere Gründe gegeben haben. Obwohl die EM in Serbien keinen Qualifikationsstatus für die Olympischen Spiele hat, ist der Wettbewerb um die begehrten Tickets für eine Reise nach London unter den Ringern und Ringerinnen bereits voll entfacht. Vielleicht setzte sich Schellin deshalb gestern von Anfang an selbst unter Druck.

Vom Geburtstagstörtchen darf vor dem Kampf nicht genascht werden

Weil die für Olympia entscheidenden Turniere erst im April und Mai über die Bühne gehen, setzt der DRB im Rahmen der EM in dieser Woche vor allem bei den Männern auf den Nachwuchs. Die erfahrenen Sportler werden für die kommenden wichtigen Herausforderungen geschont, und die jungen Talente sollen bei dem Turnier Erfahrungen sammeln und sich beweisen. Bei den Frauen sieht die Sache allerdings etwas anders aus, denn hier greifen mit der EM-Dritten des Vorjahres, Yvonne Englich aus Frankfurt/Oder (63 kg), und Alexandra Engelhardt (51 kg) von der KSG Ludwigshafen, 2010 in Baku ebenfalls EM-Dritte, zwei Routiniers in den Wettbewerb um die begehrten Podestplätze ein.

Was Schellin in der Gewichtsklasse bis 48 kg bewegen kann, sei schwer einzuschätzen, ließ der Bundestrainer der Frauen, Jörg Helmdach, gestern Morgen im Gespräch mit unserer Zeitung durchblicken. „Das Halbfinale könnte zumindest drin sein“, so der Coach, der mit Blick auf eine mögliche Olympia-Qualifikation von Schellin sagt: „Mit Alexandra Engelhardt und Nina Hemmer hat sie gleich zwei Konkurrentinnen.“ Vor dem Turnier, das am Wochenende mit den Wettkämpfen im Griechisch-Römischen Stil endet, hatte der Bundestrainer, zusammen mit dem deutschen Team, Schellin beim Frühstück im Hotel Continental Belgrad zum Geburtstag noch ein kleines Törtchen überreicht. Davon durfte die 22-Jährige vor dem Kampf jedoch nicht naschen, wie Helmdach mit einem Lachen anmerkt. Nach dem „Gewichtmachen“ der letzten Wochen gab das Geburtstagskind das süße Präsent in Anbetracht der bevorstehenden harten Kämpfe gerne an die Gäste weiter. „Auch den zweiten Kampf des Tages konnte Schellin wieder nach Punkten für sich entscheiden“, berichtete Pressereferent Richter am späten Nachmittag. Doch gegen Anna Lukasiak aus Polen brauchte Schellin im Viertelfinale drei Runden, um zu gewinnen. Mit dem zweiten Streich des Tages schaffte die Ringerin, wie vom Bundestrainer prognostiziert, den Sprung ins Halbfinale. Dort musste sie die starke Konkurrentin Lyudmyla Balushka aus der Ukraine bezwingen. Schellin war auf dem besten Weg, sich das schönste Geburtstagsgeschenk zu machen, doch die Mühlackerin zog am Ende mit 0:6 und 3:4 klar den Kürzeren. Im Anschluss an die Niederlage stand für die Ringerin des TV Mühlacker noch Bronze am Horizont.

Im Kampf um den dritten Platz musste die 22-Jährige gegen Mercedesz Denes aus Ungarn ran. Gleich zweimal ging es in diesem wichtigen Duell wegen Punktgleichheit in die Verlängerung – und gleich zweimal hatte die Sportlerin aus Mühlacker im Clinch die Nase vorn. So konnte Jaqueline Schellin am späten Abend mit einer EM-Medaille um den Hals doch noch richtig Geburtstag feiern.

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