Ruhestand, aber kein Stillstand

Erstellt: 22. Mai 2010, 00:00 Uhr
Ruhestand, aber kein Stillstand Eingeschworene Gemeinschaft: Waltraud Binder (vorne rechts) und ihre Nachfolgerin Irmgard Lipps im Kreise der Turnerfrauen sowie dem Förderkreis-Vorsitzenden Klaus Lipps (hinten von rechts) und dem Vereinsvorsitzenden Karlheinz Mannhardt sowie den Leiterinnen der Turnabteilung Ingrid Guhl (hinten von links) und Nicole Hoppe. Foto: Stahlfeld

Einsatz im Ehrenamt: Waltraud Binder legt ihr Traineramt bei Phönix Lomersheim nach mehr als 50 Jahren nieder

Seit vor 51 Jahren die Lomersheimer Turn- und Festhalle erbaut wurde, ist Waltraud Binder als Übungsleiterin bei den Turnen des TSV Phönix Lomersheim engagiert. Nun geht die 76-Jährige in den „Trainerruhestand“. Den Spaß am Sport aber scheint sie ihrer Urenkelin Lilli vererbt zu haben.

Von Ulrike Stahlfeld

Mühlacker. „Weisch, es wär’ net nötig gwesa.“ Waltraud Binder macht nicht gern viel Aufhebens um ihre Person. Am Mittwoch allerdings stand sie im Mittelpunkt – ob sie wollte oder nicht. In einer Feierstunde wurde das „Urgestein der Turnabteilung“ des TSV Phönix Lomersheim mit 76 Jahren „in den Ruhestand“ verabschiedet.

 Bereits Ende März hat die Lomersheimerin die Leitung der Turnfrauen „50 plus“ an ihre Nachfolgerin Irmgard Lipps übergeben. „Nach so langer Zeit in der Verantwortung hat man den Ruhestand mehr als verdient“, betonte der Phönix-Vorsitzende Karlheinz Mannhardt, als er Waltraud Binder am Mittwochabend im Rahmen einer Feierstunde im Vereinszimmer am Lomersheimer Clubhaus im Beisein ihrer Turnfrauen verabschiedete.

 „Wir sind eine eingeschworene Gruppe“, sagt Waltraud Binder über ihre rund 20 Frauen, mit denen sie sich immer mittwochs in der Lomersheimer Halle getroffen hat, um Sport zu treiben. Neben Gymnastik und Walken kam bei den Damen auch die Geselligkeit nie zu kurz, wie auch beim Treffen am Mittwoch schnell deutlich wurde. „Wir machen auch Mundgymnastik“, erklärt eine der Turnerinnen mit einem Schmunzeln.

Ein Leben ohne Sport kann sie sich auch in Zukunft nicht vorstellen

 Viele „ihrer Turnerinnen“ sind mit Waltraud Binder in die Jahre gekommen. „Der harte Kern trifft sich seit 30 Jahren“, sagt die 76-Jährige, die seit 1986 Leiterin des Frauenturnens war. „Sie war auch für jährliche Ausflüge und Konzertbesuche stets bereit. Außerdem sind die Turnfrauen ständige Helferinnen und fleißige Bäckerinnen bei Veranstaltungen des Vereins“, lobte sie der Vereinsvorsitzende Mannhardt. Ohne die Gruppe seien viele Vereinsaktivitäten nicht möglich.

 Für Waltraud Binder war und ist ein Leben ohne Sport nicht denkbar. Bereits als Kind und Jugendliche turnte die gebürtige Dürrmenzerin beim TV Mühlacker. Die einstige Geräteturnerin lebt seit 54 Jahren in Lomersheim, und als 1959 in ihrer neuen Heimat die Turnhalle eingeweiht wurde, übernahm sie für zwei Jahre das Kinderturnen. Die Gruppe wurde aufgelöst, 1977 jedoch erfolgte die Wiederaufnahme des Kinder- und Jugendturnens.

 1985 stieg Waltraud Binder wieder ein und leitete bis Herbst 2002 verschiedene Kinderturngruppen. „Schon damals war ich für die Kinder die Turnoma“, erinnert sich Waltraud Binder an ihre Schützlinge, die heute selbst verheiratet sind und Kinder haben. Waltraud Binder, Mutter zweier Kinder, ist längst dreifache Oma und einmal Urgroßmutter. Die Urenkelin Lilli scheint den Bewegungsdrang geerbt zu haben. Beim diesjährigen Behr-Lauf war die Dreijährige an der Hand ihres Vaters Nils Genthner die jüngste Läuferin.

 Wie Karlheinz Mannhardt in seinem Rückblick ausführte, übernahm Waltraud Binder mehrfach Verantwortung. Von August 1987 bis Februar 2000 leitete sie die Turnabteilung des Vereins. Auch das Phönix-Festbuch zum 100-jährigen Vereinsjubiläum wurde von ihr mitgestaltet. Mannhardt: „2007 nahm sie die Vereinsehrennadel für besondere Verdienste in Empfang.“

Stuhlgymnastik gibt es  erst für Hundertjährige

 „Ich habe mit dem Verein Höhen und Tiefen erlebt“, stellt Waltraud Binder in ihrem persönlichen Rückblick fest. Dank ihres „bewegten“ Lebens ist sie immer noch fit und weiß eines ganz genau: „Ohne Sport würde mir etwas fehlen. Der Sport hat mir immer gut getan“, sagt die 76-Jährige, die noch lange nicht an das Aufhören denkt. Als Turnerin will sie weiterhin die Turngruppe besuchen und bei Bedarf ihrer Nachfolgerin unter die Arme greifen. Die indes nimmt das steigende Alter ihrer Turnkolleginnen mit Humor und denkt schon mal an die Zeit, in der nur noch Stuhlgymnastik möglich ist. Den Stuhl allerdings, so stellt sie fest, den gebe es erst ab einem Alter von 100 Jahren.

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