Rückblick der diplomatischen Art

Erstellt: 25. April 2012, 23:30 Uhr
Rückblick der diplomatischen Art Winfried Scheuermann 1979.

Illingen. Wer einmal eine Reise macht, der hat was zu erzählen. Und wer gedanklich durch 40 Jahre Illinger Kommunalpolitik reist, erst recht: Winfried Scheuermann hat aus Anlass seines „Dienstjubiläums“ im Gemeinderat einen persönlichen Rückblick in schriftlicher Form vorgelegt.

Nun gibt es für die „Streiflichter einer 40-jährigen Zugehörigkeit zum Illinger Gemeinderat“, die er nach eigenem Bekunden irgendwann „leichtsinnigerweise“ versprochen habe, eine Einschränkung: Naturgemäß müssten solche Erinnerungen subjektiv ausfallen, so der Autor. „Subjektiv gefärbt bedeutet aber auch, dass ich bewusst erhebliche Sachverhalte ausgelassen habe, weil ich Rücksicht auf Personen genommen habe oder alte Wunden nicht wieder aufreißen wollte.“ Resultat ist eine Zwischenbilanz der diplomatischen Art.

Auf einige brisante Episoden müssen also die Leser – unter anderem wurden die Streiflichter schon an die Gemeinderatskollegen verteilt – verzichten, nichtsdestotrotz sind die vier Bürgermeister, die Winfried Scheuermann seit seinen Anfängen als junger CDU-Vorkämpfer 1971 erlebt hat, in dem persönlichen Abriss erwähnt.

„Meine Aufgabe ist nicht und kann es nicht sein, die Schatten der Amtszeit von Bürgermeister Veigel zu schildern. Das auch deshalb nicht, weil das Licht bei weitem die Schatten überwiegt“, heißt es beispielsweise über den heutigen Illinger Ehrenbürger Ewald Veigel, der von 1966 bis 1994 fast 30 Jahre lang die Entwicklung der Gemeinde prägte, als hemdsärmeliger Macher vom alten Schlag galt und sogar zwei gemeinderätliche Untersuchungsausschüsse erlebte. Wobei sich einer ausdrücklich auf eigenmächtige Entscheidungen der Verwaltung bezog. Bis heute sei das Verhältnis, so Scheuermann, leger, ungezwungen und kameradschaftlich, „besonders, seit ich ihm einmal zu verstehen gegeben habe, dass ich mit einer Ausnahme ein verträglicher Mensch bin: Ich kann es nämlich nicht leiden, wenn jemand mit mir nicht offen und ehrlich umgeht.“

Nicht ganz einfach sei es, die acht Jahre von Jochen Protzer bis 2002 zu beurteilen, gesteht Scheuermann ein. „Er war ein Bürgermeister mit zwei Gesichtern. Einerseits war er ein glänzender Fachmann, andererseits muss ich sagen, dass er letztlich in Illingen gescheitert ist, weil er Schwierigkeiten im Umgang mit seinen Mitmenschen und Mitbürgern hatte.“

„Weitgehend Lehrjahre“ seien dagegen die Jahre als Bürgermeister in Illingen für den CDU-Parteifreund Ulrich Hintermayer gewesen, der bereits 2005 nach Kraichtal abwanderte. „Neben seinem sehr guten Ergebnis bei der Kreistagswahl 2004 bleibt mir Ulrich Hintermayer wegen seiner für meinen Geschmack stets passenden und überdurchschnittlich guten Reden bei repräsentativen Anlässen in Erinnerung. Nach wie vor beschäftigt mich die Frage, ob er diese Reden selbst verfasst oder wer ihm dabei geholfen hat.“

Etwa sechs Monate lang übernahm der ehemalige Direktor des Regionalverbands und langjährige Landtagsabgeordnete Scheuermann, der 1968 mit der Familie nach Illingen gezogen war, im Oktober 1971 erstmals in den Gemeinderat einrückte und seither achtmal wiedergewählt wurde, nach dem vorzeitigen Abschied von Ulrich Hintermayer selbst als kommissarischer Schultes das Ruder in Illingen.

Und Harald Eiberger? „Unserem jetzigen Bürgermeister ist die schwierige, aber auch einmalige Aufgabe gestellt, die Umwandlung der Industrie- und Gewerbebrache des Luiggeländes mit etwa vier Hektar Fläche mitten in Illingen in ein modernes Wohn- und Dienstleistungszentrum zu managen“, beschränkt sich Scheuermann in seinen Streiflichtern auf eine Feststellung zur Sache. „Wenn ihm (also Harald Eiberger) das zusammen mit dem Gemeinderat gelingt, kann er in die Geschichtsbücher von Illingen eingehen.“

Dort ist Winfried Scheuermann, zumindest was die Kommunalpolitik betrifft, wohl schon zu Hause, und wenn er über die Illinger Entwicklung seit dem Zusammenschluss mit Schützingen Anfang der 1970er Jahre philosophiert, tut er das unter der Überschrift „Vom Dorf zur Kleinstadt“, die er einst schon über die Ära Ewald Veigel gesetzt hatte. Dieser Trend weg von der bäuerlichen Gemeinde hin zu einem lebendigen Unterzentrum und Wirtschaftsstandort habe sich seither fortgesetzt, wenngleich der Begriff „Kleinstadt“, wie Scheuermann eingesteht, „wahrscheinlich etwas zu hoch gegriffen“ sei.

Andererseits habe sich Illingen zwischen den größeren Nachbarn Vaihingen und Mühlacker gut behauptet, und das ist, wenngleich es so nicht in den „Streiflichtern“ steht, auch mit ein Verdienst des Gemeinderats Winfried Scheuermann.

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