Rossweiher schrumpft zu einer Pfütze

Erstellt: 27. August 2008, 00:00 Uhr
Rossweiher schrumpft zu einer Pfütze Der Wasserstand des Rossweihers sollte abgesenkt werden – doch jetzt ist der Teich fast trockengelegt. Foto: Fuchslocher

Kritiker: Der Teich ist praktisch ausgetrocknet – Mangel an Sauerstoff – „Tausende von Amphibien sterben“

Maulbronn – Das Absenken des Wasserstands im Maulbronner Rossweiher erhitzt die Gemüter. Grund: Der Teich liegt auf dem Trockenen. Was von den staatlichen Naturschützern gut gemeint ist und dem Erhalten seltener Tier- und Pflanzenarten dienen soll, kostet nach Ansicht von Kritikern zahlreiche Amphibien das Leben.

VON THOMAS SADLER

Bereits im Juni wurde der Wasserpegel des Rossweihers im Zuge einer so genannten Teilsömmerung so weit heruntergesetzt, dass größere Teilflächen des Teichbodens zu sehen waren. Ziel der Aktion sei es, den Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten zu verbessern, so das Referat Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP) im Juli.

 Auf den Schlammböden wachsen nach Angaben der Behörde seltene Pflanzenarten wie das in seiner Existenz bedrohte Eiförmige Teichried und die Zypergrassegge, die beide auf der Roten Liste stünden. Ihr Aufkommen gehe auf die historische Gewässerbewirtschaftung durch die Zisterziensermönche des Klosters zurück. „Um Fischkrankheiten vorzubeugen und Faulschlamm abzubauen, wurden die damals rund 30 Teiche um Maulbronn regelmäßig gesömmert“, so die staatlichen Naturschützer. Die Pflanzenarten haben sich als keimfähiger Samen im Schlammgrund bis heute erhalten. Gerade durch die Teilsömmerung – der Wasserstand sollte laut einer Ankündigung des RP vom Juni bis auf ein Drittel abgesenkt werden – könnten sie nun keimen, blühen und fruchten und so ihr Samenreservoir im Boden auffrischen.

 Auch auf Tierarten wirke sich die Maßnahme günstig aus. Nach der Teilsömmerung vor sieben Jahren habe die Zahl der bedrohten Libellenarten zugenommen, und auch Amphibien und Kammmolche seien in großer Zahl zu sehen gewesen. Watt- und Ufervögel fänden im feuchten Schlamm ideale Nahrungsbedingungen. Das Nachsehen, gibt das Regierungspräsidium zu, hätten die Enten, deren Wasserfläche im Rossweiher, der ab Ende Oktober wieder gefüllt werden soll, eingeschränkt werde.

 Doch dies sind keineswegs die schlimmsten Auswirkungen der Absenkung des Wasserstands, meint der Biologe Jürgen Stepper, der sich in einem Schreiben an unsere Zeitung wendet. Wie schon 2001, als viele Lebewesen umgekommen seien, berichteten Anwohner des Rossweiher auch jetzt wieder „vom Sterben Tausender Amphibien“, empört er sich. Jungschwäne seien dabei beobachtet worden, wie sie auf der Suche nach Wasser durch den angrenzenden Ortsteil von Maulbronn wanderten.

 Dabei hat Jürgen Stepper keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Teilsömmerung, die in der Tat geeignet sei, „vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten, deren Samen im Uferschlamm auf die Austrocknung warten, das Auskeimen und die Vermehrung zu ermöglichen“. Doch dürfe der See auf keinen Fall austrocknen.

 Und eben dieses Stadium sei derzeit mehr oder weniger erreicht. Das flache Gewässer sei zu einer kleinen sauerstoffarmen Pfütze geschrumpft. „An der tiefsten Stelle gibt es gerade noch ein paar Quadratmeter Wasser“, sagt Stepper. Und das sei nur wenige Zentimeter hoch – „brackig und viel zu heiߓ. Seine Befürchtung: „Da drin kann nichts mehr leben.“ Sicherlich sei es richtig, dass etwa Wattvögel dank eines niedrigeren Wasserspiegels leichter Nahrung fänden, doch sei der See erst mal ausgetrocknet, sei darin auch keine Beute mehr zu finden.

 Würde darauf geachtet, dass sich die Teilsömmerung nicht zu einer Vollsömmerung entwickle, blieben weniger nicht bedrohte Arten wie Amphibien vom Verenden verschont. Zur Überwachung des wichtigen Wasserstands könnten zum Beispiel die Anwohner herangezogen werden, schlägt Jürgen Stepper vor. Bevor der See vollends auf dem Trockenen liege könnte die Feuerwehr vom Tiefen See wertvolles Nass zuführen, regt der Biologe weiter an.

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