Rettungsversuch für junge Bäume

Erstellt: 30. April 2007, 00:00 Uhr
Rettungsversuch für junge Bäume Das rettende Wasser wird mit dem Tankwagen in die Trockengebiete gefahren. Freiwillige, mit Eimern bewaffnet, wässern dort junge Bäume. Foto: Hansen

10 000 Neupflanzungen im Illinger Wald könnten austrocknen – 40 Bürger gießen Jungbestand bei Hilfsaktion

Illingen – „Regenwahrscheinlichkeit – null Prozent“, der Wetterbericht hält für den Illinger Förster Rolf Esslinger derzeit nur Hiobsbotschaften bereit. Durch den trockenen April drohen 10 000 Neupflanzungen – Wert: rund 30 000 Euro – im Wald einzugehen. Letzte Chance: Gießen. Rund 40 Bürger haben sich am Samstagmorgen aufgemacht, um Eiche und Bergahorn mit rettendem Wasser zu versorgen.

VON ISABEL HANSEN

Die Lage spitzt sich von Tag zu Tag zu: „Großpflanzen wie Eiche und Bergahorn brauchen gerade in der Startphase viel Wasser. Der Boden muss feucht sein, damit der Kontakt zu den Wurzeln gut ist“, erklärt Förster Rolf Esslinger. „Im Wald werden Bäume – anders als in Gärtnereien – ohne Pflanzlochbehandlung und extra Pflanzerde in den Boden gesetzt, der vor Ort vorhanden ist.“ Der ist derzeit so knüppelhart, dass die 40 Helfer das rettende Nass nicht einfach eimerweise an die jungen Stämmchen kippen dürfen. „Das Wasser muss vorsichtig dosiert und am besten in zwei Schritten angegossen werden, sonst läuft das meiste wieder oberflächlich ab.“

 Immerhin: Zwischen 25 000 und 30 000 Liter Brunnenwasser werden am Samstagmorgen per Trekker und Anhänger über die Forststraßen zum Heidenstückle, Hummelwald und Gänslesäcker gefahren. „Diese Aktion ist auf die Flächen in exponierter sonniger Lage beschränkt. 6000 bis 7000 Bäume werden wir wohl heute schaffen“, schätzt Esslinger. „Der Einsatz der Helfer ist toll“, lobt er.

 Zapfen, stapfen, gießen und zurück – bewaffnet mit Eimern und Gießkannen schleppen die Naturfreunde das Wasser zu den durstigen Stämmchen. „Auf dem Weg nach Pforzheim sehe ich, wie viele Bäume geschädigt sind und wie viele Schneisen schon in den Wald geschlagen wurden. Die Aktion hier ist eine gute Sache. Da hilft man gerne, wenn Not am Mann ist“, findet Thomas Messerschmidt aus Illingen. Seine Söhne Linus und Till stehen dem Vater in nichts nach und packen ebenfalls kräftig an. „Das Gießen bringt Spaߓ, brauchte das Duo nicht lange überredet werden.

 Der Wald ruft – die Bürger kommen. „Wir gehen gerne im Wald spazieren. Dafür können wir jetzt auch etwas tun“, ist Mitmachen für Evi Rollinger und Tochter Tanja selbstverständlich. Dass am Nachmittag noch das schweißtreibender Schülerrennen beim Illinger Citylauf auf sie wartet, ist der 12-Jährigen egal. „Ich mache die Eimer nur halbvoll, dann sind sie nicht so schwer. Das klappt dann schon“, erklärt sie.

 Ob die Schufterei von Thomas, Till, Linus, Evi, Tanja und der anderen Helfer sich lohnt, hängt vom Wetter ab. „In der kommenden Woche brauchen wir Regen. Am besten eine Woche Landregen, sonst war die Aktion heute umsonst“, wird Förster Esslinger hoffnungsvoll die Wettervorhersagen verfolgen. „Oder wir machen noch eine Aktion. Die Resonanz der Bürger war überwältigend.“

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