Retter kämpfen sich durch den Rauch

Erstellt: 27. September 2010, 00:00 Uhr
Retter kämpfen sich durch den Rauch Retter kämpfen sich durch den Rauch

Großübung der Illinger Feuerwehr – Vier Menschen sind in der brennenden Dillmannschule eingeschlossen

Die Nachbarn der Cyriakuskirche werden an diesem Samstagmorgen von lautem Sirenengeheul aus dem Schlaf gerissen. Um 8.40 Uhr rückt die Feuerwehr mit Martinshorn und Blaulicht an. Vier Menschen warten in der „brennenden“ Dillmannschule auf Rettung – zum Glück nur eine Übung.

Von Isabel Hansen

Illlingen. Der Alarm geht um 8.38 Uhr ein, zwei Minuten später ist Einsatzleiter Joachim Saalbach vor Ort, springt aus dem VW-Bus, befragt Passanten, rennt um das Gebäude und macht sich ein Bild von der Situation: Während drei „Opfer“ aus zwei Fenstern um Hilfe rufen, wird eine weitere Person im Gebäude vermisst. Schnelles Handeln ist gefragt. Aus dem ersten Obergeschoss dringen kleine Rauchschwaden.

 Sechs Fahrzeuge und 40 Mann von der Feuerwehr Illingen, verstärkt vom Drehleiter-Team aus Mühlacker und sechs Rettungskräften des DRK, arbeiten Hand in Hand. Alles passiert gleichzeitig: Drei Löschfahrzeuge und ein Tanklöschwagen werden an verschiedene Einsatzorte dirigiert, schwere Wasserschläuche ausgerollt, verbunden und angeschlossen, Hydranten aufgedreht. Die Wetterstation aus dem neuen Erkundungswagen wird aufgebaut, die Windrichtung und -stärke permanent kontrolliert, um die Ausbreitung von Rauch- und Schadstoffwolken verfolgen zu können. Die Drehleiter wird an der Nordseite ausgefahren, die Steckleiter an das Obergeschoss-Fenster an der Südseite angelegt. Nicht einmal eine Viertelstunde dauert es, bis die ersten Opfer in Sicherheit sind und von den DRK-Rettungskräften aus der Gefahrenzone getragen und medizinisch versorgt werden können.

 Unterdessen dringen die Angriffstrupps der Feuerwehr mit Brandschutzkleidung, Atemschutzmasken, Axt und Wasserspritze auf der Suche nach der immer noch vermissten, hilflosen oder eingeschlossenen Person in das Gebäude ein. Sie stehen einer im wahrsten Sinn des Wortes undurchsichtigen Lage gegenüber. Wirkten die Rauchschwaden von außen eher harmlos, wird der Nebel im Haus von Treppenstufe zu Treppenstufe immer dichter, bis selbst das Licht der starken Taschenlampen die Rauchwand nur noch wenige Zentimeter durchdringt. Fast blind arbeitet sich das Team, abwechselnd kriechend, hockend und gehend von Tür zu Tür, von Raum zu Raum, in einer irrealen Atmosphäre, die nur unterbrochen wird vom Funkverkehr und vom metallischen Schnaufen der Atemgeräte.

 „Ich gehe später auch zur
Feuerwehr. Genau zu dieser hier“

Adrian, junger Zaungast der Übung

 Der Funkkontakt mit der Außenwelt dient dem Informationsfluss ebenso wie der Sicherheit der Feuerwehrleute. „Im Einsatz verlieren sie das Zeitgefühl und achten nicht auf ihren Sauerstoffvorrat“, weiß der Illinger Abteilungskommandant Martin Oppermann. „Deshalb checkt sich jeder mit einem personalisierten Chip am Atemschutzüberwachungsgerät ein. So wissen wir nicht nur, wo sich jeder aufhält, sondern auch, wie lange er im Gebäude ist und wie lange seine Luft noch reicht. Insgesamt rechnen wir mit rund 20 Minuten pro Einsatz“, erläutert Oppermann, dass die Männer, die sich hinter der Rauchgrenze bewegen, sich völlig auf ihren Kollegen Frank Birnzain, der die Rettungskräfte von außen überwacht, verlassen können.

 Um 9.35 Uhr, weniger als eine Stunde nach dem Alarm, nimmt Einsatzleiter Joachim Saalbach den abschließenden Lagebericht entgegen: „Das Gebäude ist rauch- und feuerfrei, alle Personen wurden aus dem Gebäude gerettet und an die Sanitätsdienste übergeben.“ Dabei war für die Illinger Wehr die erste Großübung des Jahres nicht nur ein Training für den Ernstfall, sondern auch eine gute Werbung. „Da sind Leitern ganz hochgefahren, da war Wasser, und Menschen wurden auf Tragen weggebracht“, berichtet Adrian Schmälzle, einer der jungen Zaungäste, tief beeindruckt. „Ich gehe später auch zur Feuerwehr, genau zu dieser hier.“

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