Rehe fressen Grabschmuck

Erstellt: 31. März 2009, 00:00 Uhr
Rehe fressen Grabschmuck Theo Bellon zeigt die Verwüstungen, die das hungrige Wild anrichtet. Foto: Sadler

Tiere suchen auf dem Enzberger Friedhof nach Nahrung – und sorgen für Verdruss

Mühlacker-Enzberg – Rosemarie Stieß ist verärgert. Schon dreimal seit dem 2. März hätten Rehe vom Urnengrab ihrer Mutter und zwei weiteren Grabstellen, die sie pflegt, den Blumenschmuck abgefressen. Wobei den hungrigen Tieren, wie sie festgestellt hat, Tulpen und Rosen offensichtlich ebenso schmeckten wie Stiefmütterchen.

VON THOMAS SADLER

Allerdings ist Stieß nicht die einzige Leidtragende. „Ungefähr 20 Leute haben mich in den vergangenen Wochen angesprochen“, berichtet Stadtrat Theo Bellon, an den sich die erbosten Enzberger, von denen immer mehr ihre dekorativen Grabblumen mit Draht zu schützen versuchen, voller Verdruss wenden. Wie ihm eine Frau gesagt habe, so Bellon, seien erst am Montagmorgen, zwischen 7 und 8 Uhr, gleich vier Rehe auf dem Friedhof gesichtet worden.

 Dass sich Rehe in diesen Tagen so weit aus dem Wald wagen, überrascht Jagdpächter Gerhard Ruhl nicht. „Das ist im Frühjahr ein Problem“, weiß er. Der Grund ist einfach: „Das Wild sucht frisches Grün.“ Stehe die Vegetation im Forst erst wieder in frischer Blüte, erledige sich das Problem von selbst. Doch solange die Tiere im Wald nicht fündig werden, weichen sie aus. Dann hoffen die Rehe, auf dem Friedhof in den Genuss einer guten Mahlzeit zu kommen, um ihren Hunger zu stillen. Doch seien sie nicht die einzigen Tiere, die sich an Blumen zu schaffen machen. „Auch Vögel ziehen Pflanzen raus.“

 Weil der Experte und die Stadtverwaltung um den unerwünschten Vormarsch der ansonsten gerne gesehenen Rehe wissen, haben sie Vorkehrungen getroffen. „Wir haben mit Wildvergrämungsmittel besprühte Lappen um den Friedhof herum aufgehängt, um die Tiere zu verscheuchen“, teilt Gerhard Ruhl unserer Zeitung mit. Die Eindringlinge abzuschießen, komme nicht in Frage, weil momentan Schonzeit herrsche. Indes könnten die Friedhofsbesucher selbst einen Beitrag dazu leisten, dass ihre Grabpflanzen von gefräßigen Gästen verschont bleiben – sie müssten die Zugänge eben schließen. Weil dies immer wieder versäumt wird, ist mittlerweile ein Plakat am Eingang aufgehängt worden, dessen Aufschrift darauf hinweist, dass die Tore stets geschlossen werden müssten.

 Darüber hinaus wird die Stadtverwaltung ihrerseits aktiv. Wie der Mühlacker Tiefbauamtsleiter Fritz Schick ankündigt, würden am Friedhof der Holzzaun in Richtung Wald und der Drahtzaun in Richtung benachbarter Wiese jeweils auf eine Höhe von 1,70 Meter erhöht. Damit haben die Zaungäste in Zukunft zumindest ein größeres Hindernis zu überwinden, ehe sie es sich schmecken lassen können.

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