Rassist pöbelt in türkischem Geschäft

Erstellt: 30. November 2011, 00:30 Uhr
Rassist pöbelt in türkischem Geschäft Türkischer Lebensmittelladen wird zur Zielscheibe rassistischer Pöbeleien.

Pforzheim. Rassistische Pöbeleien gegen eine türkischstämmige Obst- und Gemüsehändlerin in der Nordstadt haben den grünen Bundestagsabgeordneten Memet Kilic auf den Plan gerufen. Er wirft der Polizei vor, den Vorfall zu bagatellisieren.

Vor einigen Tagen hat laut Kilic ein Mann mit kahl geschorenem Schädel die Frau in ihrem Geschäft „indirekt bedroht und mit ausländerfeindlichen Sprüchen beleidigt“. Die erst viel später eintreffende Polizei habe an den Ereignissen „wenig Interesse gezeigt und ging dem Vorfall nicht weiter nach“. „Es ist mir völlig unverständlich, warum die Polizei nicht einmal bereit war, eine Anzeige aufzunehmen“, kritisiert Kilic in einem Schreiben an das Landesinnenministerium, das unserer Zeitung vorliegt.

Frank Otruba, Sprecher der Polizeidirektion Pforzheim, widerspricht dem Vorwurf, die Polizei würde den Fall bagatellisieren. „Der Mann ist in das Geschäft gegangen und hat unter anderem gepöbelt ,Ihr Türken sollt mich in Ruhe lassen‘“, beschreibt Otruba den Hergang. Dies würde nicht den Tatbestand der Beleidigung oder Bedrohung erfüllen, weshalb seine Kollegen nicht weiter tätig geworden sind.

Dass es genau derselbe Mann war, der dann am Samstag eine Flasche durch das Türfenster des Ladens geworfen hat, bezweifelt selbst die Ladeninhaberin. Vielmehr seien es wohl randalierende Jugendliche gewesen, die regelmäßig durch die Nordstadt ziehen.

Inzwischen könnte der Mann, der in dem Laden gepöbelt hat, allerdings identifiziert sein. Eine Freundin der Ladenbesitzerin hat ihn anhand der Beschreibung erkannt. Er soll ihr gegenüber auf dem Leopoldplatz ausfällig geworden sein. Laut Polizeisprecher Otruba könnte es auch der Mann sein, der sich am 16.November eine Rangelei mit einem türkischstämmigen Mitarbeiter eines Drogeriemarkts in der Innenstadt geliefert hat und dabei laut „Dreckstürken“ gerufen hat. „Wir haben den 32-Jährigen später am Leopoldplatz festgenommen, wobei er auch der Polizei gegenüber äußerst renitent war“, berichtet Otruba. Er sei vorübergehend inhaftiert, am Abend aber wieder freigelassen worden. Ob es sich in allen Fällen um ein und denselben Täter handelt, steht für die Polizei noch nicht 100-prozentig fest. „Bis jetzt kursieren nur Personenbeschreibungen. Es wäre hilfreich, wenn sich Zeugen melden würden, die ihn anhand von Fotos zweifelsfrei identifizieren könnten.“

Laut Otruba ist der Täter wegen zweier Körperverletzungsdelikte der Polizei zwar bekannt, aber noch nie im Zusammenhang mit Rechtsradikalismus oder Rassismus in Erscheinung getreten. „Wir gehen von einem Einzeltäter aus, der nicht in der Szene verankert ist“, sagt Otruba. MT-Recherchen bestätigen diese Vermutung. Der 32-Jährige, der durch die rassistischen Pöbeleien aufgefallen ist, war zuvor auch schon wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung. „Auf ihn wartet wegen des Vorfalls am 16.November auf jeden Fall eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung“, kündigt Otruba an.

Kilic fordert, dass die Vorfälle rückhaltlos aufgeklärt werden. „Es darf nicht sein, dass eine Familie bedroht wird, die seit 30 Jahren mit ihrem Geschäft fester und angesehener Bestandteil der Nachbarschaft ist“, schreibt er an das Innenministerium. „Keiner kann sich vorstellen, aus welchen Gründen diese unschuldigen Personen bedroht und Geschäfte beschädigt werden.“

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