Qualm dringt durch jede Ritze

Erstellt: 30. Juli 2009, 00:00 Uhr
Qualm dringt durch jede Ritze Feuerwehrleute dringen mit Atemschutzgerät zum Brandherd vor. Kurz vor 22 Uhr ist die Situation unter Kontrolle.Fotos: Becker, Eier

Wohnungsbrand in der Lindachstraße verursacht hohen Sachschaden – Ermittlungen zur Ursache laufen

Rekordverdächtige zwei Minuten nach der Alarmierung hat die Feuerwehr am Dienstagabend einen Einsatzort in der Lindachstraße erreicht. Dort war im Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses ein Feuer ausgebrochen. Sachschaden: rund 50000 Euro.

Von Carolin Becker

Mühlacker. 21.19 Uhr: Der Notruf einer Hausbewohnerin geht in der Mühlacker Feuerwache ein, und für die Floriansjünger, die dort gerade erst eine Übung absolviert haben, wird aus der Probe plötzlich ein Ernstfall. In ihre Montur brauchen sie sich nicht erst zu werfen.

 21.21 Uhr: Den ersten Abteilungsmitgliedern, die das Haus in der Nähe des Wasserturms erreichen, dringt dicker, schwarzer Qualm aus einem Kellerfenster entgegen. Trotzdem behält das in acht Fahrzeugen angerückte Großaufgebot, das sich bald in der Lindachstraße versammelt, den Überblick. Vier Atemschutztrupps bahnen sich, abgesichert von weiteren vier Gruppen, den Weg ins Gebäude. Dort hat sich im Heizungsraum ein Holzstapel entzündet. Es gilt Alarmstufe drei, die ausgerufen wird, wenn Menschen in einem brennenden Haus vermutet werden. Und wirklich: Über eine Leiter rettet die Feuerwehr das 63 und 55 Jahre alte Besitzer-Ehepaar aus dem ersten Obergeschoss ins Freie. Ein 61-jähriger Untermieter kann sich selbst in Sicherheit bringen. Da alle drei giftigem Rauchgas ausgesetzt waren, werden sie zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht.

 Um 21.43 Uhr lautet die Meldung: „Feuer unter Kontrolle“, vier Minuten später sind die Flammen endgültig gelöscht. Doch die Arbeit der Feuerwehr ist damit nicht beendet. Mittlerweile ist der Kreisbrandmeister Ingbert Fürtsch am Unglücksort eingetroffen, und der Mühlacker Ordnungsamtsleiter Jörg-Michael Teply, wenig später auch Bürgermeister Winfried Abicht, erkundigen sich nach dem Befinden der Betroffenen. Ehe diese endgültig in ihre Wohnungen zurückkehren können, wird wohl einige Zeit vergehen. „Der Qualm dringt durch jede Ritze“, weiß Hermann Schäfer. Der stellvertretende Kommandant der Mühlacker Feuerwehr leitet den Einsatz und vermutet: „Der Schaden ist enorm.“ Auch zwei Autos, abgestellt in einer Garage in unmittelbarer Nähe, sind zu stummen Zeugen des Unglücks mutiert: Unter dem schwarzen Überzug, den ihnen der Rauch verpasst hat, ist die ursprüngliche Farbe kaum mehr zu erkennen.

 23.45 Uhr: Die Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes, die sich zunächst um die Verletzten gekümmert und danach für den Fall bereit gestanden haben, dass ein Feuerwehrmann Hilfe benötigt, beenden ihre Arbeit am Unglücksort. „Anfangs war nicht ganz klar, ob noch weitere Menschen im Haus sind“, blickt der Mühlacker DRK-Bereitschaftsleiter Michael Oettinger zurück, der gemeinsam mit zwei Kollegen von der Bereitschaft, dem Rettungsdienstleiter und der Besatzung des in Mühlacker stationierten Rettungswagens im Einsatz ist.

 Gegen Mitternacht wird auch für die Floriansjünger aus dem Feuer- endlich der Feierabend, nachdem sie noch Wasser aus dem Gebäude gesaugt, ihre Gerätschaften aufgeräumt und gereinigt haben. Auf 37 summiert Hermann Schäfer die Zahl der Mitglieder der Abteilungen Mühlacker und Lomersheim – Enzberg ist in Bereitschaft – und der Führungsgruppe, die gemeinsam die Herausforderungen bewältigt haben.
 Am nächsten Morgen hat die Ursachenforschung längst begonnen. „Nach den bisherigen Feststellungen hat sich in einem Kellerraum ein Holzstapel neben der Heizungsanlage entzündet“, sagt der Pforzheimer Polizeisprecher Michael Sengle. Möglicherweise komme eine technische Ursache als Auslöser in Betracht, doch ermittelt werde „in alle Richtungen“.

 Von den Spuren des Feuers macht sich auch Jörg-Michael Teply am Morgen danach ein Bild. „In der Wohnung der Eigentümer sieht es gar nicht so schlimm aus“, berichtet der Leiter des Mühlacker Bürger- und Ordnungsamtes, „das Untergeschoss durften wir noch nicht betreten.“

 Das im ersten Stock lebende Ehepaar werde wohl zunächst bei Bekannten unterkommen. Dem Untermieter, dessen Wohnung weit stärker gelitten habe, werde die Stadt bei Bedarf helfen, eine vorübergehende Bleibe zu finden.

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