Pressen sorgen für saftiges Defizit

Erstellt: 4. September 2007, 00:00 Uhr
Pressen sorgen für saftiges Defizit Trauben, Äpfel und Birnen: Im Herbst hat Günter Kolb (r.) alle Hände voll zu tun. Foto: Hansen

Mit Beginn der Obsternte schlägt die Stunde der Keltern – Saftherstellung nicht rentabel, aber beliebt

Enzkreis – Günter Kolb verwandelt seit Samstag pralle Äpfel und reife Birnen in süßen Saft. Tonnen von Obst gehen dem Keltermeister in jedem Herbst durch die Hände. Das Pressen ist zwar häufig ein Verlustgeschäft für die Kommunen, trotzdem soll an dem Angebot für die Bürger nicht gerüttelt werden.

VON MAIK DISSELHOFF

„Es entspricht unserer Tradition, dass wir Keltern haben“, sagte der Mühlacker Oberbürgermeister Arno Schütterle im Zuge der Diskussion um die Wirtschaftlichkeit der Keltern in den Stadtteilen Lomersheim, Großglattbach, Lienzingen und Mühlhausen. Trotz der großen Verluste, die der Stadt Jahr für Jahr durch den Betrieb der Keltern entstehen, sprachen sich alle Parteien im Gemeinderat für den Erhalt der Einrichtungen aus. Keltern stifteten Identifikation und leisteten einen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen, lauteten zwei Argumente für die Beibehaltung der langen Tradition. Auch die Obst- und Gartenbauvereine machten sich für den Fortbestand der Keltern um Mühlacker stark.

 Gottfried Kautter, Leiter des Mühlacker Amts für Grundstücks- und Gebäudemanagement, sieht in den vier von der Stadt betriebenen Keltern nach wie vor eine unnötige Belastung des Haushalts. „In meinen Augen würde eine reichen“, sagt er. Vier Mitarbeiter des Bauhofs seien während der Saison in den Keltern der Stadtteile gebunden. Außerhalb der normalen Arbeitszeiten gebe es für das Personal Tarifzuschläge. „Deshalb öffnen wir die Keltern an Samstagen auch nur im äußersten Notfall, etwa bei einer Obstschwemme“, stellt Kautter klar.

 Weil die Mitarbeiter des Bauhofs beim Mühlacker Straßenfest am 8. und 9. September alle Hände voll zu tun haben, „rechnen wir mit einer Öffnung der Keltern erst ab Dienstag, 11. September“, sagt der Gebäudemanager. Was die Wirtschaftlichkeit der Einrichtungen angehe, „werden wir niemals eine Rentabilität erreichen“, ist sich Kautter sicher. Das habe er dem Gemeinderat bei der Debatte vor rund drei Monaten auch rechnerisch dargestellt.

 Inzwischen sei mit Blick auf die Lomersheimer Kelter klar, dass es für eine moderne Abfüllanlage oder Presse in diesem Jahr „keinen Zuschuss vom Plenum Heckengäu“ gibt, sagt Kautter gegenüber unserer Zeitung. Plenum ist ein Landesprojekt, das sich die Erhaltung und die Entwicklung von Natur und Umwelt auf die Fahnen geschrieben hat. Neben Äpfeln und Birnen geben Hobbywengerter auch Trauben bei Günter Kolb ab, der seit rund sechs Jahren das Zepter in der Ötisheimer Kelter schwingt. Die Gemeinde bezahlt Kolb, der hauptberuflich den Bauhof leitet, stundenweise. Auf die Frage, ob sich der Einsatz für ihn rentiere, antwortet Kolb mit „Jein“. Doch er habe sich halt vor Jahren dafür entschieden, in den sauren Apfel zu beißen, sagt er mit einem Schmunzeln. „Kein Zurück“ gibt es in Sachen Kelterbetrieb auch für die Gemeinde Ötisheim, macht Kämmerer Johannes Schulz deutlich. Der Grund: Vor zwei Jahren habe Ötisheim eine hochmoderne Presse beschafft. Allerdings hat sich die Verwaltung auch ganz bewusst für die Kelter entschieden. „Zum einen war es ein Zugeständnis an die Tradition, die Obstbauern und die Stücklesbesitzer, zum anderen wollen wir einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen leisten“, sagt Schulz. Doch auch in Ötisheim ist das Saftpressen ein Verlustgeschäft.

 Die Betriebskosten der Kelter seien nur in Höhe von etwa 15 Prozent gedeckt. Dabei kann die Bandpresse, die im Bauhof neben der Ötisheimer Feuerwache ihren Platz hat, einiges leisten: In einer Stunde verarbeitet sie sechs Tonnen Obst. „Wir nehmen auch kleine Mengen an“, betont Keltermeister Kolb, der beobachtet hat, dass in den vergangenen zwei bis drei Jahren wieder verstärkt junge Familien mit ihrer Obsternte zur Kelter kommen. Beim Wein sei die angelieferte Menge immer konstant geblieben. Samstags fängt Kolbs Arbeitstag manchmal schon um 6.30 Uhr an. Bis er dann am Abend die Pressen gereinigt hat, kann es 22 Uhr sein. Schuld daran ist sein Arbeitseifer: „Ich schicke halt niemanden weg“, sagt der Keltermeister. Die Pressen sind im frühen Herbst ungefähr zwei Monate lang in Betrieb, bevor sie abgestellt werden. „Für zehn Liter Saft zahlt der Bürger bei uns 1,20 Euro“, sagt Kolb. So ist das Geschäft mit dem Obst wenigstens für den Kunden rentabel und damit reizvoll.

Weiterlesen
Ein wenig Lampenfieber gehört dazu

Ein wenig Lampenfieber gehört dazu

Aktion Laufend Fit: Trainingsprogramm setzt auf behutsame Steigerung – Beim Behr-Lauf mit einem Lächeln ins ZielDas Interesse ist erneut groß. Rund 100 Besucher sind am Mittwochabend ins Verlagshaus des Mühlacker… »