Perfektionist feilt am Meisterstück

Erstellt: 25. Februar 2009, 00:00 Uhr
Perfektionist feilt am Meisterstück Modellbauer Siegfried Strobel arbeitet an einem Schafhof-Modell. Foto: Disselhoff

Maulbronner schenkt dem künftigen Heimatmuseum ein ganz besonderes Exponat

Siegfried Strobel ist detailversessen. In ihm hat der Geschichts- und Heimatverein Maulbronn (GHV) den idealen Partner gefunden. Der 68-Jährige baut für den Verein ein originalgetreues Modell des Maulbronner Schafhofs, wie er um die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Das Exponat wird eines der Prunkstücke des derzeit noch im Bau befindlichen Heimatmuseums sein, das am 12. und 13. September im Rahmen eines Festwochenendes eingeweiht werden soll.
 
Strobel sitzt mit seiner Spezialbrille, die ihm die Welt im Maßstab von 1:87 vergrößert, am Arbeitstisch in seinem Maulbronner Haus. Der ehemalige Polizist vergisst alles, was um ihn herum ist, wenn er in seine Miniaturwelt abtaucht. Eigentlich ist die Eisenbahn seine große Leidenschaft. Doch die Anfrage des Zweiten GHV-Vorsitzenden, Peter Krüger, ob er nicht ein Modell bauen könnte, habe er nicht abschlagen wollen. „Peter Krüger hat in den Zeiten, als ich bei der Stadtkapelle Vorsitzender war, so viel in der Jugendarbeit bewegt, dafür bin ich ihm noch heute dankbar.“

 Drei Jahre hat Strobel für den Bau des Schafhof-Modells veranschlagt. Wer die Häuschen, die bereits fertig sind, sieht, weiß warum er bei seiner Arbeit einen langen Atem braucht: Der Mann ist ein Perfektionist, alles muss stimmen.  Fenster, Kamine, Türen – jedes noch so kleine Detail befindet sich an seinem Platz. Um zu wissen, wie der Schafhof um 1840 aussah, wühlte Strobel in unzähligen alten Plänen und Zeichnungen. Ein ganzer Ordner ist mit Karten und Papier bestückt.

 „Mein wichtigstes Werkzeug sind Messer, Stichel und Lineal“, sagt Strobel, der die Gebäude am Schluss bemalt. Der schwarze Ruß am Kamin gehört dazu, damit alles realistisch wirkt. Die Dächer machen am meisten Arbeit. „Die Ziegel sind aus Pappe, jede Reihe wird einzeln ausgestanzt, damit das Dach am Ende nicht gerade wird.“ Den Maßstab für seinen Schafhof hat Strobel natürlich nicht dem Zufall überlassen. „Das ist der H0-Maßstab“, sagt er und zeigt auf die Schafe, die an einem Scheunentor zu sehen sind. „Da kann man Menschen und Tiere dazustellen, damit das Ganze lebendig wirkt“ Vier Stunden täglich sitzt der Pensionär an seinem Arbeitstisch. Nach ungefähr einem Monat sei ein Haus fertig. „Für mich zählt das Ergebnis“, betont der Feinarbeiter. Und ein wenig Eitelkeit sei auch im Spiel, merkt Strobel an: „Wenn sich die Leute über das freuen, was sie sehen, ist das meine Genugtuung.“ Strobel ist für den GHV ein Glücksfall. Generell ist der Rückhalt in der Bevölkerung für das neue Heimatmuseum auf dem Schafhof groß. „Seit Weihnachten haben unzählige Helfer in ehrenamtlicher Arbeit das Dach mit Biberschwanzziegeln gedeckt und fünf Gauben aufgeschlagen“, berichtet Peter Krüger vom großen Engagement der Maulbronner. Nicht nur der Miniatur-Schafhof ist eine große Baustelle. Am Museumsgebäude wird seit fünf Jahren gehämmert, geschraubt und gebohrt, damit dort ab September die Heimatgeschichte präsentiert werden kann – unter anderem mit Strobels Modell. Der 68-Jährige verspricht: „Bis zur Einweihung werden zumindest alle Gebäude fertig sein. Die Grundplatte kommt wahrscheinlich später.“ Maik Disselhoff

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