Ohne Fantasie läuft gar nichts

Erstellt: 20. November 2009, 00:00 Uhr
Ohne Fantasie läuft gar nichts Autorin Kristina Dunker liest in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums Passagen aus ihrem neuen Buch „Vogelfänger“. Foto: Becker

Die bekannte Autorin Kristina Dunker liest vor Schülern des Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG)

„Meine Bücher spielen fast alle im Sommer, weil ich ein Sommermensch bin“, sagt Kristina Dunker. Doch auch an einem kühlen Novembermorgen gelingt es der Autorin problemlos, das Eis zwischen sich und ihren Zuhörern, Schülern des Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasiums, zu brechen.

Von Carolin Becker

Mühlacker. Die renommierte Verfasserin von Kinder- und Jugendbüchern hat ihrem Schreibtisch in Castrop-Rauxel für einige Zeit den Rücken gekehrt, um den unmittelbaren Kontakt zum sonst nicht greifbaren Publikum zu suchen. Gestern war die 36-Jährige auf Initiative der Deutschlehrerin Ilse Hupp zu Gast am THG und trat in zwei Lesungen vor Schülern der Klassenstufen acht bis elf auf.

 Die Schriftstellerin war dem Großteil der Jugendlichen bereits ein Begriff, haben sich die meisten der Schüler doch mit deren Roman „Sommergewitter“ befasst. Nun sollten sie die Gelegenheit bekommen, die Person hinter dem auf dem Buchtitel abgedruckten Namenszug kennenzulernen.

 Sie begegneten einer vielseitig begabten und interessierten Frau, die – nach abgeschlossenem Kunstgeschichte- und Archäologiestudium – im Verfassen anspruchsvoller Jugendliteratur ihren Traumberuf gefunden hat. „Schreiben ist für mich nach wie vor die spannendste und schönste Arbeit, die ich mir denken kann. Wenn ich an meinen Manuskripten sitze, lache, leide und bange ich mit meinen Figuren und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht“, zitierte Ilse Hupp den prominenten Gast, der bereits mit 17 Jahren das erste von mittlerweile 21 Büchern veröffentlicht hat.

Bikinis verschwinden, Wespen stören – und Schüler hören aufmerksam zu

 Die Faszination übertrug sich rasch auf das aufmerksame Publikum, das Augenblicke zuvor noch beim Erobern des Musiksaals eine gehörige Portion Bewegungsdrang und Mitteilungsbedürfnis offenbart hatte. Jetzt hörten die Jugendlichen ruhig zu und folgten Kristina Dunker, die Passagen aus ihrem neuen Buch „Vogelfänger“ las, in Gedanken auf einen abgelegenen Campingplatz.

 Dort verschwinden Bikinis und Pullover, geben Handys zur Unzeit den Geist auf, lassen Wespenstiche eine beginnende Romanze zerplatzen und reisen nach und nach immer mehr Sommerurlauber ab, bis die beiden Hauptpersonen Nele und Ida mit den mysteriösen Vorkommnissen fast allein konfrontiert sind. All dies schildert Kristina Dunker in einer Sprache, die der Lebenswirklichkeit ihrer Zielgruppe entspricht, die hinter der amüsant-spannenden Fassade aber Geheimnisse und Themen von tiefem Ernst durchschimmern lässt.

 Wovor Nele in oberflächliche Lebensfreude flüchtet und was Ida Albträume beschert, verriet die Autorin den THG-Schülern gestern freilich nicht. Auf andere Fragen gab sie dagegen bereitwillig Auskunft – sogar auf die nach ihrem Verdienst. „Ungefähr 20 Prozent vom Verkaufspreis eines Buches dürften bei mir landen“, lieferte sie zumindest eine grobe Größenordnung. Um finanziell reich zu werden, solle kein angehender Schriftsteller diesen Beruf ergreifen, riet sie. Auch der Zeitaufwand für einen Roman sei nicht zu unterschätzen. Etwa ein Jahr vergehe, bis aus der ersten Idee ein 200-seitiges Werk gewachsen sei. Inspiration finde sie immer wieder neu im täglichen Leben. Nur kleine Details stützten sich auf Autobiographisches. „Ohne Fantasie läuft gar nichts“, machte die Autorin deutlich.

 Einfallsreichtum bewiesen auch die Schüler mir ihren Fragen. So entlockten sie ihrem Gast sogar einen Hinweis auf das nächste Projekt. „In Richtung Grusel und Horror“ könne Werk Nummer 22 gehen, blickte Kristina Dunker voraus. Da dürfte es der einen oder anderen Leseratte mit Hang zum Nervenkitzel warm ums Herz geworden sein – auch an einem kühlen Novembermorgen.

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