OB: Mühlehof soll Kulturhalle weichen

Erstellt: 24. Oktober 2011, 23:30 Uhr
OB: Mühlehof soll Kulturhalle weichen Symbolträchtig: Nach der Beschilderung soll der gesamte Mühlehof weichen.

Mühlacker. Das Wort Abriss erscheint in Frank Schneiders Vorschlag nicht. Doch ein solcher ist die zwangsläufige Konsequenz des Weges, den der OB dem Gemeinderat aufzeigt. Die Stadtverwaltung möchte einen Wettbewerb für das Gelände des jetzigen Mühlehofs durchführen. Nach der Absicht der Rathausspitze soll auf dem Areal eine Stadt- und Kulturhalle mit geschätzten Kosten von circa neun Millionen Euro gebaut werden. Außerdem, so die Überlegung, könnten auf dem Gelände Gastronomie und die Volkshochschule untergebracht werden – gegebenenfalls in einem gesonderten Gebäude. Auf jeden Fall in einem separaten Bauwerk würde der Oberbürgermeister gerne Platz zur Verfügung stellen für weitere Nutzungen wie Dienstleistungen – neben dem Finanzamt zum Beispiel Arztpraxen –und sonstige gewerbliche Einrichtungen wie kleinere Geschäfte oder Hotellerie, so Schneider gegenüber unserer Zeitung.

„Ich hoffe schwer, dass es

eine Entscheidung gibt“

Der vom Rathauschef gewünschte Wettbewerb, der „so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen“ seil, soll einen Zeitplan für die Realisierung des Vorhabens und die voraussichtlich entstehenden Kosten aufzeigen. Ob sowohl der Abbruch des Mühlehofs als auch die Neubebauung des Grundstücks bis zur Gartenschau 2015 abgeschlossen sind, ist indes heute noch nicht sicher. „Wir müssen abwarten, was die Fachleute sagen“, so Schneider. Auf jeden Fall wolle er während des Grünprojekts keine „Baugrube“ in der Innenstadt.

Seinen Vorschlag hat sich der OB, wie er im Gespräch mit dem Mühlacker Tagblatt deutlich macht, bis in die kleinste Formulierung wohl überlegt. Grund: Er wolle nicht, dass die Entscheidung zum Mühlehof durch eine knappe Kampfabstimmung falle, sondern mit einem möglichst breiten Konsens aufgrund der Überzeugungen von Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern.

Was eine neue Kulturhalle angeht, so schien bislang das Gelände „Lienzinger Tor“ zumindest zur engeren Wahl möglicher Standorte zu gehören. Doch laut Beschlussvorschlag soll die Halle da entstehen, wo derzeit noch der Mühlehof steht. „Ich glaube, wir finden keinen besseren Standort“, so Schneider am Montag. Gesetzt den Fall, der Gemeinderat folgt heute Abend diesem Vorschlag, stellt sich allerdings die Frage, wo in Zukunft Einzelhandel angesiedelt werden soll, um die Innenstadt zu beleben. Seither war dafür das Mühlehof-Areal vorgesehen. Kommt dieses nicht mehr für einen großen Markt infrage, soll eine Fläche bei der Goethestraße für eine Einzelhandelsniederlassung entwickelt werden. „Baulich“ sei dieser Bereich besser geeignet, so der OB, der weiter die City stärken möchte.

Unabhängig von ihrer eigenen Empfehlung stellt die Verwaltung dem Gemeinderat mehrere Varianten vor:

Variante 1: Der Mühlehof bliebe bis Anfang 2016 stehen. Sowohl die Kultursäle als auch die gewerblichen Räume würden für relativ geringe Kosten hergerichtet. Erst Ende 2015 würde endgültig über Abbruch oder Erhalt des Gebäudes entschieden.

Variante 2: Der Mühlehof wäre mit einem Gesamtaufwand von bis zu maximal 30 Millionen Euro zu sanieren. Jedoch sei für den Gewerbeteil keine Nutzung in Sicht, so die Verwaltung, zumal sich keine Mieter finden ließen.

Variante 3a: Abriss des Mühlehofs und Erarbeitung eines Konzepts für eine Mehrzweckhalle für Kultur und Sport im Bereich Käppele – eine Kombination, die die Verwaltung, wie berichtet, nicht gutheißt. Der jetzige Standort des Mühlehofs würde nach dieser Variante über einen Investorenwettbewerb mit Einzelhandelsnutzung und anderen Nutzungen wie Gastronomie und Dienstleistungen neu bebaut. Gleichzeitig würde das Gebäude des früheren badischen Bahnhofs für Volkshochschule, Kursräume und Familienbildung sowie mobile Jugendarbeit hergerichtet.

Variante 3b: Hier ist – entsprechend dem Verwaltungsvorschlag – ein Konzept für ein Kultur- und Kongresszentrum, eventuell mit weiteren Nutzungen wie Gastronomie, Volkshochschule, Kursräume und Dienstleistungen, am Mühlehof-Standort vorgesehen. Die Stadtverwaltung würde beauftragt, einen Wettbewerb für das Gelände vorzubereiten. Auf der Fläche sollen eine Kulturhalle und ein Gebäude für Gastronomie und Gewerbe entstehen. Bei dieser Version könnte die Kultur in der Stadtmitte bleiben, und der badische Bahnhof müsste nicht umgebaut werden.

Variante 3c: Erstellung eines Konzepts für ein Kultur- und Kongresszentrum auf dem Areal „Lienzinger Tor“. In diesem Fall würden auf dem heutigen Mühlehof-Gelände über einen Investorenwettbewerb Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen angesiedelt. Der badische Bahnhof müsste vor einer Unterbringung von Volkshochschule, Kursräumen und Familienbildung sowie der mobilen Jugendarbeit saniert werden.

Angesichts der Bedeutung des zur Entscheidung anstehenden Themas rechnet OB Schneider für heute Abend mit einem regen Besucherinteresse. Alle Tagesordnungspunkte zum Mühlehof – darunter Anträge von Fraktionen und die Stellungnahmen der Verwaltung dazu – werden zusammen aufgerufen. Doch bevor es ans Eingemachte geht, informiert der Steuerberater der Stadt den Gemeinderat über denkbare Konstruktionen zur Bildung von Gesellschaften, dank derer die Kommune Steuern sparen könnte. So soll zum Beispiel die Möglichkeit untersucht werden, die Kulturhalle von einer städtischen GmbH bauen zu lassen. Welches Abstimmungsergebnis am Ende auch immer herauskommen wird: „Ich hoffe schwer, dass es eine Entscheidung gibt“, so der OB.

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