OB ist überzeugt: Die Idee ist mehr wert

Erstellt: 26. August 2008, 00:00 Uhr
OB ist überzeugt: Die Idee ist mehr wert Künstlerische Geschenke vertiefen die Freundschaft Schon traditionell werden bei den Jubiläumsfeierlichkeiten während der 30 Jahre andauernden Städtepartnerschaft zwischen Mühlacker und Bassano del Grappa als Gastgeschenke exklusive Kunstwerke überreicht. Bei der 25-Jahr-Feier vor fünf Jahren in Mühlacker brachte Bürgermeister Gianpaolo Bizzotto (r.) dem Mühlacker Oberbürgermeister Arno Schütterle ein Werk des überregional bekannten Keramik-Künstlers Alessio Tasca mit; ein aus Steingut modelliertes und gestochenes Fresko, das die traditionelle Arbeit an einer manuellen Traubenpresse zeigt. Es hängt im ersten Stock des Mühlacker Rathauses, auf der „Chefebene“, an markanter Stelle und wird, wie Oberbürgermeister Schütterle erzählt, von den frisch getrauten Brautpaaren nach dem Besuch des Standesamts besonderes gerne als Hintergrund für ihre Erinnerungsfotos genutzt. Archivfoto: Fotomoment

Anfang Oktober treten knapp 200 Mühlackerer und ein exklusives Gastgeschenk den Weg nach Bassano an

Mühlacker/Bassano del Grappa – Anfang Oktober wird sich nicht nur eine fast 200-köpfige Besuchergruppe aus Mühlacker auf den Weg ins italienische Bassano del Grappa machen, sondern auch ein wertvolles Gastgeschenk in Form eines Kunstwerks. Begleitet wird dieses Symbol für 30 Jahre Partnerschaft jedoch von kritischen Stimmen, was Kosten und Finanzierung betrifft.

VON THOMAS EIER

Dem Vernehmen nach hat ein neuerlicher Vorschlag aus der CDU, die Stadtkasse zu entlasten, bei den Mitstreitern im Mühlacker Partnerschaftskomitee Unverständnis über die Art und Weise ausgelöst. So hatte Fraktionschef Günter Bächle den Oberbürgermeister öffentlich aufgefordert, rasch noch ein Spendenkonto für das Geschenk einzurichten. Die Skulptur voll aus Steuergeldern zu finanzieren, sei „zu einfach“. Stattdessen unterstreiche die Beteiligung von Bürgern den gemeinschaftlichen Charakter des Gastgeschenks, das im Auftrag der Stadt von mehreren Mühlacker Künstlern gemeinsam gestaltet wird.

 Ein Ansatz, den zumindest der seitherige Vorsitzende der SPD-Fraktion, Harald Töltl, gar nicht verkehrt findet. Schon vor einiger Zeit, erinnert er, habe der Gemeinderat die Stadtverwaltung dazu aufgefordert, finanzielle Förderer zu suchen, um so den Steuerzahler zu entlasten. Töltl: „20000 Euro finde ich auch etwas teuer.“

 Doch der Oberbürgermeister hält die öffentliche Diskussion um die Kosten für unangemessen, zumal in einer internen Diskussion im Gemeinderat eine große Mehrheit die Idee des Kunstwerks mitgetragen habe. Stecke doch dahinter der Wunsch, dem europäischen Gedanken von Versöhnung und Völkerverständigung ein dauerhaftes Denkmal zu setzen.

 „Wir wollten bewusst kein museales Objekt schenken, sondern eine Kunstwerk für den öffentlichen Raum, das alle sehen können“, berichtet Arno Schütterle von den ersten Überlegungen im Vorfeld. Angesichts der Tatsache, dass Anfang Oktober in Bassano nicht nur die italienischen Gastgeber und ihre deutschen Gäste zusammenkämen, sondern auch viele Vertreter aus Bassanos französischer Partnerstadt Voiron erwartet würden, übersteige die ideelle Bedeutung des Kunstwerks bei Weitem seinen materiellen Wert. „Das Geschenk ist ein Geschenk der Stadt“, stellt Schütterle fest und ist überzeugt: „Es wird Partnerschaftsgeschichte schreiben.“

 Deshalb hält auch Klemens Köberle den neuerlichen Vorschlag aus der CDU und die Debatte um die Kosten für fehl am Platz. „Das ist peinlich für die Stadt Mühlacker“, findet der Sprecher der LMU-Fraktion. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn sich Bürger beteiligen wollten, doch sei es nicht die Aufgabe des Oberbürgermeisters, dafür „hausieren zu gehen“. Wenn Günter Bächle wolle, dass Geld für die Skulptur gesammelt werde, könne er dies gerne selbst in die Hand nehmen, empfiehlt Köberle. 20000 Euro seien zwar kein kleiner, aber ein dem Anlass angemessener Betrag, sei doch das Kunstwerk für die Partnerstadt „von bleibendem Wert“.

 Auch Rolf Leo (Freie Wähler) hält nichts davon, eine neue Diskussion loszutreten und rund sechs Wochen vor den Jubiläumsfeierlichkeiten noch eine Spendenaktion zu starten. Der Gemeinderat habe mehrheitlich der Ausgabe zugestimmt. Es gehe nun darum, „gemeinsam die Partnerschaft zu tragen“ und das Geschenk „mit Freude“ zu überreichen, meint der Dürrmenzer.

 Begleitet wird diese feierliche Zeremonie der Geschenkübergabe von einer stattlichen Delegation aus Mühlacker, die größtenteils am Morgen des 3. Oktober in drei Bussen auf die viertägige Reise nach Norditalien gehen wird. Die von der Stadt gebuchten Fahrzeuge sind, wie Annette Kusche von der Stadtverwaltung berichtet, bis auf den letzten Platz besetzt.

Zwei Alt-Oberbürgermeister und zehn Stadträte fahren mit

Neben musikalischen Jugendgruppen, die sich am Bühnenprogramm in Bassano beteiligen – wie die Nachwuchsmusiker des Musikvereins oder eine Violinengruppe der Musikschule Gutmann – , sind auch eine Aerobic-Gruppe des Turnvereins, junge Sportler der Mörike-Realschule und Schüler der Uhlandschule mit von der Partie. Zudem hätten sich die ehemaligen Oberbürgermeister Gerhard Knapp und Klaus Schönfeld sowie zehn Stadträte verschiedener Fraktionen angemeldet. Weil einige weitere Mühlackerer im Privatauto anreisen und sich die Besucher aus Voiron dazugesellen, werde die Suche nach Privatquartieren für die italienischen Gastgeber eine Herausforderung, vermutet Kusche.

 „Es ist wichtig, dass der Gemeinderat gut vertreten ist“, betont Oberbürgermeister Schütterle. „denn 30 Jahre Partnerschaft sind mehr als eine Momentaufnahme.“

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